Parodontitis, Erwachsener

Parodontitis: 95 Prozent Erwachsener betroffen – stille Epidemie

17.06.2026 - 23:26:48 | boerse-global.de

Zahnerhalt bei Senioren verbessert sich deutlich, doch fast alle Erwachsenen leiden unter Zahnfleischentzündungen.

Mundgesundheit in Deutschland: Parodontitis wird zur wachsenden Gefahr
Parodontitis - Nahaufnahme der Hände eines Zahnarztes, der eine Wurzelbehandlung mit modernen Instrumenten durchführt. 17.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Während immer weniger Senioren komplett zahnlos sind, werden chronische Zahnfleischentzündungen zum wachsenden Problem.

Fortschritte beim Zahnerhalt

Die Zahlen des Instituts der Deutschen Zahnärzte (IDZ) aus 2023 zeigen: 78 Prozent der 8- bis 10-Jährigen haben heute keine Karies mehr. Auch bei den Älteren tut sich was: 2014 waren noch 12,5 Prozent der Senioren zahnlos, 2023 nur noch 5 Prozent. Die Zahl funktionstüchtiger Zähne bei den 65- bis 74-Jährigen stieg im selben Zeitraum von durchschnittlich 13,6 auf 18,8.

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Parodontitis: Die stille Epidemie

Doch die Sechste Deutsche Mundgesundheitsstudie (DMS 6) zeichnet ein düsteres Bild: 95 Prozent der jüngeren Erwachsenen haben eine Parodontitis. Besonders kritisch wird die Phase zwischen 40 und 50 Jahren. Innerhalb von neun Jahren entwickeln rund 19 Prozent der Betroffenen eine schwere Form. Insgesamt leiden in Deutschland schätzungsweise 14 Millionen Menschen an schweren Verläufen dieser chronischen Entzündung.

Wenn der Mund den Körper krank macht

Chronische Entzündungen im Mundraum sind kein lokales Problem. Mediziner warnen vor den Folgen von Zahnfleischabszessen. Bei unsachgemäßer Behandlung können Bakterien in den Blutkreislauf gelangen und eine Sepsis auslösen. Auch verlagerte Weisheitszähne gehören zu den Risikofaktoren.

Die Oralchirurgie hat klare Kriterien für die Entfernung von Weisheitszähnen definiert: wiederkehrende Entzündungen, Karies am Weisheitszahn selbst oder Schäden an den Nachbarzähnen. Ein besonderes Risiko besteht vor Schwangerschaften – hormonelle Veränderungen begünstigen akute Entzündungen.

Hinzu kommt ein wachsendes Problem: Antibiotika-Resistenzen. Infektiologen warnen, dass multiresistente Erreger bis 2050 zu Millionen Todesfällen führen könnten. Da der Antibiotikaverbrauch steigt, die Forschung an neuen Wirkstoffen aber stagniert, gewinnt die mechanische Behandlung von Entzündungen an Bedeutung.

Neue Hoffnung: Scheinfasten und Nanoroboter

Kann die Ernährung helfen? Eine Pilotstudie mit 28 Probanden untersuchte die Wirkung von Scheinfasten nach einer Parodontitisbehandlung. Drei Zyklen à fünf Tage innerhalb von sechs Monaten senkten die Entzündungsmarker im Blut. Eine direkte Verbesserung der Zahnfleischtiefe ließ sich aber nicht nachweisen. Die Forscher geben noch keine Therapieempfehlung.

Einen technologischen Durchbruch verspricht das Projekt „CalBots“. Im Juni 2026 mit dem IADR Innovation in Oral Care Award ausgezeichnet, entwickeln Forscher der Universität Zürich magnetisch gesteuerte Nanoroboter. Sie sollen empfindliche Zähne von innen verschließen können.

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Was die Zahnbehandlung kostet

Trotz steigender Behandlungszahlen: Zahnärztliche Leistungen treiben das Gesundheitssystem nicht in die Höhe. Laut Frühjahrsgutachten 2026 des Sachverständigenrates machten Zahnbehandlungen 2025 rund 5 Prozent der GKV-Ausgaben aus – etwa 17,6 Milliarden Euro. Preisbereinigt sind die Ausgaben zwischen 2005 und 2025 kaum gestiegen.

Krankenkassen fordern mehr Transparenz bei individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL). Da der Medizinische Dienst bei vielen Selbstzahlerleistungen einen unklaren Nutzen oder sogar negative Effekte feststellte, soll eine obligatorische Bedenkzeit von 24 Stunden vor Vertragsabschluss kommen.

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