Parkinson-Therapie: Placebo schneidet nach 52 Wochen besser ab
Veröffentlicht am: 13.10.2026 um 16:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In der klinischen Forschung zeichnen sich derzeit gegensätzliche Entwicklungen ab: Während Mediziner in Deutschland neue Behandlungswege bei Magersucht erproben, liefert eine großangelegte Phase-III-Studie ernüchternde Ergebnisse zu einem metabolischen Therapieansatz bei Morbus Parkinson. Die Verabreichung von Nicotinamid-Ribosid konnte das Fortschreiten der neurodegenerativen Erkrankung im frühen Stadium nicht aufhalten.
Familienbasierte Ansätze bei Magersucht im klinischen Test
Im Bereich der Essstörungen untersucht die seit Anfang 2025 laufende, bundesweite FIAT-Studie unter Leitung von Verena Haas von der Berliner Charité alternative Behandlungskonzepte. Gegenstand der Untersuchung ist der Vergleich zwischen einer familienbasierten Therapie (FBT) und der klassischen stationären Behandlung bei Magersucht.
An der Studie nehmen Kinder und Jugendliche im Alter von 8 bis 17 Jahren teil, die den beiden Therapieformen zufällig zugewiesen werden. Eine grundlegende Voraussetzung für die Teilnahme ist eine stabile Internetverbindung.
Neben der Charité sind drei Kliniken aus Baden-Württemberg an dem Projekt beteiligt: das Diakonie-Klinikum Stuttgart, das Uniklinikum Freiburg sowie die MEDICLIN Klinik an der Lindenhöhe in Offenburg. Bis Ende 2026 werden noch weitere Teilnehmende gesucht.
In Ländern wie den USA, Großbritannien und Australien gilt die FBT bereits als Behandlungsstandard, wodurch sich Klinikaufenthalte dort im Schnitt auf rund 3 Wochen belaufen. In Deutschland übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für das Verfahren bislang nicht; Ziel der aktuellen Studie ist es daher, Grundlagen für eine Anpassung der Behandlungsleitlinien zu schaffen.
Ernüchternde Resultate zu Nicotinamid-Ribosid bei Parkinson
Parallel dazu musste die Forschung zu Morbus Parkinson einen Dämpfer hinnehmen. Bei der Erkrankung sterben dopaminerge Nervenzellen zunächst in der Substantia nigra ab, bevor der Prozess auf weitere Hirnareale übergreift.
Frühere Phase-II-Studien hatten die Erwartungen an Nicotinamid-Ribosid geweckt — die jetzt in JAMA publizierte Phase-III-Studie mit 410 Teilnehmenden über 52 Wochen enttäuschte sie: Auf der MDS-UPDRS-Skala verschlechterte sich die Verum-Gruppe um 2,45 Punkte, die Placebo-Gruppe verbesserte sich um 0,27 Punkte. Wer NAD-Präparate einordnen will, findet in diesem kostenlosen Report die Studienlage verständlich zusammengefasst. Evidenz-Report zu Parkinson-Supplements anfordern
Eine im Fachjournal JAMA am 8. Oktober 2026 publizierte Phase-III-Studie untersuchte den oralen NAD+-Präkursor Nicotinamid-Ribosid zur Krankheitsverlangsamung. Das Studienteam der norwegischen Universität Bergen und des Haukeland-Universitätskrankenhauses verzeichnete dabei jedoch keine Verbesserung der klinischen Endpunkte.
An der NOPARK-Studie nahmen an 11 Zentren in Norwegen insgesamt 410 Personen teil, die mindestens 35 Jahre alt waren, eine Diagnose innerhalb der vorangegangenen 2 Jahre erhalten hatten und ein Hoehn-und-Yahr-Stadium unter 3 aufwiesen. Sie erhielten über 52 Wochen randomisiert entweder zweimal täglich 500 mg Nicotinamid-Ribosid oder ein Placebo.
In die Primäranalyse flossen 393 Teilnehmende ein, 391 wurden im primären Endpunktmodell erfasst. Das Durchschnittsalter lag bei 65,6 Jahren, der Frauenanteil betrug 34 Prozent. Die Studienmedikation stellte ChromaDex (Niagen Bioscience) bereit, während norwegische Forschungsstellen die Finanzierung übernahmen.
Signifikant schlechtere Werte in der Verum-Gruppe
Die Ergebnisse enttäuschten die Erwartungen, die frühere Phase-II-Studien geweckt hatten. Auf der MDS-UPDRS-Skala (Teile I bis III, Werte von 0 bis 236) verschlechterte sich der Wert nach 52 Wochen unter Nicotinamid-Ribosid um 2,45 Punkte, während er sich unter Placebo um 0,27 Punkte verbesserte. Dies ergab eine statistisch signifikante adjustierte Differenz von 2,72 Punkten zugunsten der Placebogruppe (95%-Konfidenzintervall 0,47 bis 4,98; P = 0,02).
Besonders bei den nichtmotorischen Symptomen schnitt die NAD-Gruppe schlechter ab; hier lag die adjustierte Differenz bei 4,22 Punkten (P = 0,009). Schwere unerwünschte Ereignisse traten bei 17 von 205 Behandelten (8,3 Prozent) unter dem Wirkstoff auf, verglichen mit 29 von 205 (14,1 Prozent) unter Placebo.
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Zwar erhöhte die Medikation die NAD-Werte im Blut, führte jedoch nach 52 Wochen zu keiner signifikanten Veränderung der zerebralen NAD-Werte – im Gegensatz zu einer kleineren Phase-I-Studie aus dem Jahr 2022, bei der nach 30 Tagen erhöhte Hirnwerte festgestellt worden waren.
Während dieser Ansatz das Fortschreiten nicht bremsen konnte, laufen derzeit fünf weitere Phase-III-Studien zu alternativen Therapiewegen; zudem fördert die Organisation Parkinson's UK weiterhin Untersuchungen zu Ingwer.
