Parkinson, Medikament

Parkinson: Neues Medikament Hopledo ab Oktober gegen Fluktuationen

Veröffentlicht am: 04.09.2026 um 12:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die EU genehmigt Hopledo gegen motorische Schwankungen, während flexible Implantate und Lernmodelle neue Therapie- und Prognosewege eröffnen.

Parkinson: Hopledo zugelassen, Forschung setzt auf Implantate und KI
Nahaufnahme einer hochflexiblen, mikroskopischen Sensorelektrode auf einer sterilen Laboroberfläche. Illustration mit AI erstellt.

Die Behandlung der Parkinson-Krankheit erhält Zuwachs durch ein neu zugelassenes Medikament gegen motorische Fluktuationen. Gleichzeitig arbeiten Forschungseinrichtungen an weiteren Ansätzen, die von implantierbaren Elektroden bis zu Vorhersagemodellen für den Krankheitsverlauf reichen.

EU-Zulassung für Hopledo

Die EU-Kommission hat dem Präparat Hopledo, einer retardierten Formulierung von Levodopa/Carbidopa, die Zulassung zur Behandlung motorischer Fluktuationen bei Parkinson erteilt. Das Unternehmen Zambon plant die Einführung des Medikaments in Europa ab Oktober 2026. In den USA ist der Wirkstoff bereits unter dem Namen Crexont zugelassen.

Grundlage der Zulassung ist die Phase-3-Studie RISE-PD, in der das Präparat im Vergleich zu sofortfreisetzendem Levodopa/Carbidopa eine signifikant längere sogenannte Good-ON-Zeit zeigte – jene Phase, in der Patienten von einer guten Symptomkontrolle ohne störende Nebenwirkungen profitieren.

Rossella Balsamo von Zambon Italia/Schweiz ordnete die Zulassung als Antwort auf einen bislang ungedeckten Bedarf ein: Motorische Fluktuationen beträfen nach ihren Angaben rund 80 Prozent der Parkinson-Patienten innerhalb von zehn Jahren nach Diagnose. Ziel des neuen Präparats sei eine Verbesserung der Lebensqualität sowohl für Betroffene als auch für pflegende Angehörige.

Flexible Hirnimplantate aus dem Projekt MINIGRAPH

Parallel zu medikamentösen Fortschritten entwickeln das Fraunhofer IZM und europäische Partner im Projekt MINIGRAPH neue flexible Gehirnimplantate für die tiefe Hirnstimulation. Das Implantat integriert einen ASIC-Chip sowie 256 aufnehmende und 32 stimulierende Graphenelektroden.

Mit einer Dicke von nur 100 Mikrometern soll es minimalinvasiv und robotergestützt eingesetzt werden können. Dieser Ansatz zielt auf eine präzisere und schonendere Stimulation als bislang verfügbare Systeme.

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Fortbildung zu therapeutischer Bandbreite

Prof. Dr. David Weise thematisierte im Rahmen einer Fortbildung die verschiedenen aktuell verfügbaren Therapieansätze bei Parkinson. Dazu zählen die leitliniengerechte Therapieeinleitung, der Umgang mit Wirkungsfluktuationen, On-Demand-Therapien, die tiefe Hirnstimulation, pumpenbasierte Verfahren, nicht-medikamentöse Ansätze sowie krankheitsmodifizierende Therapien. Die Übersicht verdeutlicht, dass die Behandlung zunehmend individualisiert erfolgt und mehrere Therapiesäulen kombiniert werden.

Vorhersage des Krankheitsverlaufs durch maschinelles Lernen

Eine im Fachjournal npj Parkinson's Disease veröffentlichte Studie der University of Miami beschreibt Machine-Learning-Modelle, die anhand von Routinedaten – klinischen Messungen statt bildgebender MRT-Verfahren – einen schnellen kognitiven Verfall (gemessen an einem MoCA-Abfall von mindestens 5 Punkten) oder motorischen Verfall (Anstieg im MDS-UPDRS3 um mindestens 10 Punkte) drei bis fünf Jahre im Voraus vorhersagen können.

Die Modelle wurden mit 1.602 Datensätzen aus der PPMI-Kohorte trainiert und an 541 Patienten aus der PDBP-Kohorte validiert. Als stärkste Prädiktoren identifizierten die Forscher den sogenannten SAA-Test sowie frühe Verlaufsdaten der Patienten.

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Aufklärungskampagne der Michael J. Fox Foundation

Auf der Aufklärungsseite hat die Michael J. Fox Foundation (MJFF) die Kampagne „So Your Friend Has Parkinson's" gestartet, an der Michael J. Fox und Harrison Ford beteiligt sind. Die Stiftung verweist darauf, dass Parkinson weltweit über 6 Millionen Menschen betrifft und sich diese Zahl bis 2040 voraussichtlich verdoppeln wird.

Die MJFF hat bislang über 3 Milliarden US-Dollar in die Parkinson-Forschung investiert und kündigte zusätzlich die Initiative „All Grit. No Quit." mit einem Volumen von 2,5 Milliarden US-Dollar an.

Einordnung

Die parallel laufenden Entwicklungen – von der neuen medikamentösen Option über technische Implantate bis zu datenbasierten Prognosemodellen – zeigen, dass sich die Parkinson-Therapie auf mehreren Ebenen zugleich weiterentwickelt. Für Patienten könnte dies mittelfristig zu individuelleren und besser vorhersehbaren Behandlungspfaden führen, während die Marktzulassung von Hopledo ab Oktober 2026 eine konkrete neue option für die Praxis darstellt.

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de | wissenschaft | 70053866 |