Parkinson: Erstmals Proteinablagerungen im lebenden Gehirn sichtbar
02.06.2026 - 09:31:09 | boerse-global.deEin Team des Universitätsklinikums Tübingen, des Max-Planck-Instituts und des Unternehmens MODAG hat den PET-Tracer [11C]MODAG-005 entwickelt. Die Substanz macht Alpha-Synuclein-Aggregate mittels Positronen-Emissions-Tomographie sichtbar.
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Früherkennung wird möglich
Alpha-Synuclein gilt als zentrales Merkmal von Parkinson und der Multisystematrophie (MSA). Bisher konnten die Ablagerungen meist erst nach dem Tod zweifelsfrei nachgewiesen werden. Die in der Fachzeitschrift Science Translational Medicine veröffentlichte Studie ändert das grundlegend.
Unter der Leitung von Prof. Kristina Herfert, Prof. Armin Giese und Prof. Christian Griesinger testeten die Forscher die Technologie an drei Patienten. Ergebnis: Der Tracer unterscheidet zwischen verschiedenen Krankheitsformen. Für die klinische Praxis eröffnet das nicht nur eine frühere Diagnose. Ärzte können künftig auch prüfen, ob neue Medikamente direkt am Zielort im Gehirn wirken.
Bluttests und KI verfolgen Krankheitsaktivität
Parallel arbeiten Forscher an weniger invasiven Methoden. Bioingenieure der Rice University stellten Anfang Juni die INTACT-Methode vor. Das Verfahren kombiniert programmierbare Sensoren mit Blutproben, um die Genaktivität im Gehirn nicht-invasiv zu messen. In Tiermodellen verfolgten die Wissenschaftler die Genexpression in drei Gehirnregionen gleichzeitig.
Ein Test der Shanghai Jiao Tong Universität ergänzt die Diagnostik. Der TPPP/p25-SAA-Test grenzt Parkinson von MSA anhand von über 200 Proben ab.
Neue Therapieansätze zeigen Erfolge
Die bessere Diagnostik geht mit Fortschritten bei der Behandlung einher. Eine Phase-2a-Studie mit 41 Teilnehmern untersuchte eine Hybrid-Therapie aus Levodopa und der App DopApp™. Die Behandlungsgruppe verbesserte sich um 9,7 Punkte auf der MDS-UPDRS-Skala. Die Kontrollgruppe erreichte nur 1,95 Punkte.
Das Unternehmen Gain Therapeutics berichtete in einer Phase-1b-Studie zum Wirkstoff GT-02287 von einer Senkung des Lipids GluSph um 81 Prozent nach 90 Tagen.
Sonden dünner als ein Haar
Auch die Messtechnik macht Sprünge. Forscher des University College London und des Allen Institute entwickelten „Neuropixels Opto“ – eine Siliziumsonde dünner als ein menschliches Haar. Sie kombiniert Elektrophysiologie mit Optogenetik und zeichnet die Aktivität von rund 1.000 einzelnen Neuronen gleichzeitig auf.
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Die Ergebnisse unter Leitung von Prof. Matteo Carandini und Dr. Karolina Socha deuten auf eine Überraschung hin: Kortikale Neuronen agieren unabhängiger als bisher angenommen.
Das EU-Projekt NEUROGATE arbeitet zudem an einem holographischen Endoskop. Haardünne optische Fasern sollen neuronale Prozesse in tiefen Hirnregionen mit subzellulärer Auflösung zeigen. Partner wie die Universität Jena und das Start-up DeepEn treiben die Kommerzialisierung voran.
Die Synergien aus bildgebenden Tracern, hochsensiblen Sonden und genetischen Bluttests markieren einen Wandel: weg von der symptomatischen Behandlung, hin zur biomarkergestützten Präzisionsmedizin.
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