Parkinson, Frauen

Parkinson bei Frauen und Männern: 10.943 Fälle zeigen andere Symptome

Veröffentlicht am: 09.10.2026 um 07:35 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Forschungsergebnisse verknüpfen Geschlecht mit Symptomen, Alzheimer-Risikofaktoren und möglichen Präventionsansätzen.

Alzheimer und Parkinson: Studien zeigen Unterschiede zwischen Frauen und Männern
Mikroskopische Aufnahme eines neuronalen Netzwerks in einem Labor, die komplexe biologische Strukturen verdeutlicht. Illustration mit AI erstellt.

Wissenschaftliche Untersuchungen widmen sich verstärkt der Frage, inwiefern sich Gehirnstrukturen sowie die Entstehung und Verläufe neurodegenerativer Erkrankungen zwischen Frauen und Männern unterscheiden. Neue Auswertungen klinischer Daten, Laborbefunde und epidemiologische Erhebungen verdeutlichen, dass biologische Mechanismen und Risikoprofile bei Alzheimer und Parkinson deutliche geschlechtsspezifische Divergenzen aufweisen.

Unterschiedliche Symptomausprägungen bei Parkinson

Dass neurodegenerative Erkrankungen Männer und Frauen nicht in gleicher Weise treffen, zeigt sich unter anderem bei der Parkinson-Krankheit. Auf dem MDS-Kongress in Seoul stellte eine deutsche Klinik am 5. Oktober 2026 eine retrospektive Analyse von 10.943 Parkinson-Patienten vor, deren Datensätze aus den Jahren 2009 bis 2019 stammen und 6.508 Männer umfassten.

Beim Alter bei Erkrankungsbeginn (63,6 Jahre bei Männern gegenüber 63,4 Jahren bei Frauen) sowie bei der Krankheitsdauer (7,2 gegenüber 7,0 Jahren) zeigten sich keine signifikanten Unterschiede.

Deutliche Abweichungen traten jedoch im klinischen Bild zutage: Frauen wiesen höhere UPDRS-IV-Werte auf (4,3 im Vergleich zu 3,5 bei Männern; P<.001) und litten mit 7,8 Prozent häufiger unter Depressionen als Männer (4,2 Prozent; P<.001).

Männliche Patienten zeigten hingegen mit 9,2 Prozent gegenüber 6,2 Prozent häufiger Anzeichen einer wahrscheinlichen REM-Schlaf-Verhaltensstörung (P=.02), schnitten im MMSE-Test schlechter ab (24,9 gegenüber 25,4 Punkten; P<.001) und wiesen einen schwächeren Geruchssinn auf (5,5 gegenüber 6,4; P<.001).

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Auf molekularer Ebene deuten auch Grundlagenarbeiten auf geschlechtsspezifische Mechanismen hin. Ein im Fachjournal Communications Biology veröffentlichter Bericht beschreibt Versuche am Modellorganismus Drosophila bezüglich der Deubiquitylase Trabid: Die enzymatisch inaktive Form verursachte bei männlichen Fliegen stärkere Defizite bei Bewegung und Lebensdauer als bei weiblichen Tieren.

Während die Unterdrückung der NF-?B-gesteuerten antimikrobiellen Genexpression in männlichen Gliazellen die Beeinträchtigungen reduzieren konnte, wurde das Stressprotein Hsc70-4 als neuroprotektiver Faktor bei weiblichen Fliegen und direktes Angriffsziel von Trabid identifiziert.

Fettstoffwechsel und hormonelle Faktoren bei Alzheimer

Während Männer häufiger an Parkinson erkranken, sind Frauen überproportional von Alzheimer betroffen. Die Fachpublikation Alzheimer's & Dementia veröffentlichte eine Untersuchung des King's College London zu Lipidprofilen von 841 Teilnehmenden aus sechs europäischen Ländern.

Frauen mit einer Alzheimer-Diagnose verfügten demnach über signifikant geringere Mengen ungesättigter Fettsäuren wie Omega-3 im Vergleich zu gesunden Frauen, wohingegen Männer keine vergleichbaren Veränderungen zeigten. Die Studie verwies darauf, dass Frauen doppelt so häufig an Alzheimer erkranken wie Männer.

Zudem schätzt eine Kommission der Fachzeitschrift The Lancet, dass sieben Prozent des Alzheimer-Risikos auf hohe LDL-Werte im mittleren Lebensalter zurückgehen. Die Pharmazeutin Cristina Legido-Quigley empfahl diesbezüglich eine entsprechende Zufuhr von Omega-Fettsäuren über die Nahrung bei Frauen, mahnte jedoch zugleich weitere klinische Studien an.

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Eine in JAMA Network Open erschienene Langzeitstudie mit 2.603 Frauen, deren Durchschnittsalter zu Beginn 78 Jahre betrug und die im Schnitt über sieben sowie vereinzelt bis zu 18 Jahre beobachtet wurden, belegte Zusammenhänge mit den Wechseljahren. Eine um zehn Jahre frühere Menopause ging mit 1,8 Jahren weniger ohne Alzheimer sowie einem rascheren geistigen Abbau einher. Bei den 778 Frauen mit MRT-Untersuchung zeigte sich bei früherer Menopause eine schnellere Zunahme von Veränderungen in der weißen Substanz.

Laut Modellrechnung könnte ein um fünf Jahre früherer Eintritt in die Menopause nach zehn Jahren mit etwa 15 Prozent mehr solchen Hyperintensitäten einhergehen, wofür Forschende die sinkende Östrogenproduktion als mögliche Erklärung anführen. Diese hormonellen Zusammenhänge und deren Einfluss auf das Gehirnalter werden auch in wissenschaftlichen Formaten wie dem NDR-Podcast „Synapsen“ aufgegriffen, gestützt auf Arbeiten von Forschern wie Cahill, Hoekzema sowie aktuellen Veröffentlichungen von Luders und Ou zu Hormontherapien und Demenzrisiken.

Divergierende Präventionspotenziale

Auch bei den modifizierbaren Risikofaktoren bestehen erhebliche geschlechtsspezifische Unterschiede. Eine 2025 publizierte Auswertung der University of Queensland in Alzheimer's & Dementia analysierte 1.996 Personen mit einem Durchschnittsalter von fast 80 Jahren aus dem Rush Memory and Aging Project, von denen drei Viertel weiblich waren.

Demnach wären geschätzt 22 Prozent aller Demenzfälle potenziell vermeidbar. Aufgeschlüsselt nach Geschlechtern lag der vermeidbare Anteil bei Männern jedoch bei 43 Prozent und bei Frauen lediglich bei 19 Prozent.

Bei leichten kognitiven Beeinträchtigungen betrug dieser Wert 52 Prozent bei Männern gegenüber zwölf Prozent bei Frauen. Ausschlaggebend waren unterschiedliche Haupttreiber: Während bei Männern das Rauchen den größten Risikofaktor darstellte, fielen bei Frauen vor allem Depressionen und soziale Isolation ins Gewicht.

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