Paramount Warner-Übernahme: US-Bundesstaaten geben Widerstand gegen 110-Milliarden-Dollar-Deal auf
Veröffentlicht am: 21.09.2026 um 20:41 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Paramount hat die entscheidenden rechtlichen Hürden für die Übernahme des Hollywood-Rivalen Warner Bros. Discovery beseitigt und damit den Weg für einen Milliardendeal frei gemacht.
Einigung mit US-Bundesstaaten und Autoren
Der Unterhaltungskonzern verständigte sich mit mehreren US-Bundesstaaten, die den mehr als 110 Milliarden Dollar schweren Kauf bislang mit einer Wettbewerbsklage blockiert hatten. Auch die Klage der Drehbuchautoren-Gewerkschaft gegen die Warner-Übernahme ist nach einer Einigung mit Paramount zurückgezogen worden.
Der kalifornische Generalstaatsanwalt Rob Bonta erklärte, die Vereinbarung mit den Bundesstaaten sehe vor, dass der fusionierte Konzern mehr Geld in den USA und speziell in Hollywood investiere. Über fünf Jahre sollen demnach jährlich zusätzliche 300 Millionen Dollar an Beschäftigte in den USA fließen. Nach Informationen des Finanzdienstes Bloomberg sagte Paramount zudem zu, 17,5 Millionen Dollar in einen Gesundheitsfonds für Drehbuchautoren einzuzahlen.
Verpflichtung zu Kinostarts und Sanktionen
Ein zentraler Bestandteil der Auflagen betrifft die Produktion für das Kino. Paramount garantiert, dass die Studios in den ersten zwei Jahren nach der Fusion zusammen mindestens 30 Filme pro Jahr in die Kinos bringen. Für jeden Film, der unter dieser Marke bleibt, soll der Konzern 30 Millionen Dollar Strafe zahlen. In den darauffolgenden drei Jahren sind jeweils 32 Kinofilme vorgesehen.
Bei einem Fünftel der veröffentlichten Filme soll es sich um Blockbuster handeln, die besonders viele Zuschauer in die Filmtheater locken. Die von Kalifornien angeführten Bundesstaaten hatten in ihrer Wettbewerbsklage argumentiert, die zunehmende Konzentration von Wirtschaftsmacht bei Paramount könne Hollywood und das Geschäft der Kinos schädigen.
Druck durch Fristen und Standortfrage
Die zuständige Richterin setzte den Prozess zu der Wettbewerbsklage ursprünglich erst für das kommende Frühjahr an. Paramount drohte nach US-Medienberichten, ab Oktober einen Wegzug aus Kalifornien einzuleiten, falls keine Einigung zustande komme. Nach der Einigung sagte Bonta, er gehe davon aus, dass der fusionierte Konzern auf absehbare Zeit seinen Sitz in Los Angeles haben werde.
Für den Konzern drängt dennoch die Zeit: Von Oktober an muss Paramount den Warner-Aktionären zusätzlich zum Kaufpreis täglich sieben Millionen Dollar zahlen, wenn die Übernahme bis dahin nicht abgeschlossen ist. Die Zusage sollte ursprünglich demonstrieren, wie zuversichtlich das Unternehmen den Abschluss des Geschäfts einschätzt. Nun peilt Paramount einem Bericht des Branchenblatts „Variety“ zufolge Anfang Oktober als Abschlusszeitpunkt an.
Ellison-Familie und CNN im Fokus
Paramount war vor gut einem Jahr von der Familie des Tech-Milliardärs Larry Ellison übernommen worden. Dessen Sohn David Ellison, seit Langem als Filmproduzent in Hollywood aktiv, übernahm die Konzernführung und verfolgt mit dem Kauf von Warner Bros. Discovery das Ziel, dem vergleichsweise kleinen Paramount-Konzern mehr Gewicht in der Branche zu verschaffen.
Zum Warner-Imperium gehört auch der Nachrichtensender CNN, dessen Zukunft im Zuge der Übernahme intensiv diskutiert wurde. CNN berichtet häufig kritisch über US-Präsident Donald Trump, der den Sender wiederholt attackierte und zuletzt aus dem Weißen Haus ausschloss. Larry Ellison gilt als Trump-Unterstützer, und der Paramount-Sender CBS schlug nach der Übernahme des Konzerns durch seine Familie einen deutlich freundlicheren Ton gegenüber dem Präsidenten und seiner Regierung an.
Gremium für redaktionelle Unabhängigkeit
Kritiker des Warner-Deals warnen, CNN könnte unter dem Einfluss der Ellison-Familie seine redaktionelle Unabhängigkeit verlieren. Zur Absicherung dieser Unabhängigkeit wurde für CNN und Paramounts Sender CBS News ein neues redaktionelles Aufsichtsgremium vereinbart. Dieses soll nach den bisherigen Angaben ausschließlich aus Journalisten bestehen und für Manager sowie Aktionäre verschlossen bleiben.
Bloomberg berichtet, dass sich zunächst vier Bundesstaaten – New York, Massachusetts, Connecticut und Minnesota – gegen eine Vereinbarung sperrten. Sie gaben ihren Widerstand demnach auf, nachdem sich Paramount und Kalifornien geeinigt hatten. „Wir haben erreicht, was wir wollten“, sagte Bonta.
Freigaben der Behörden und gescheiterter Netflix-Deal
Die US-Regierung genehmigte den Milliardendeal ohne Auflagen. Das Justizministerium kam zu der Einschätzung, der Zusammenschluss schade weder dem Wettbewerb noch den US-Verbrauchern – weder im TV- und Streaming-Geschäft noch in der Filmproduktion. Die EU-Kommission billigte die Übernahme unter der Bedingung, dass Paramount aus dem gemeinsamen Vertrieb von Filmen an Kinos in Europa mit Universal Pictures aussteigt.
Zuvor hatte sich bereits Netflix im vergangenen Jahr mit Warner auf einen Kauf des Streaming- und Studiogeschäfts verständigt. Paramount blieb jedoch hartnäckig und legte schließlich ein höheres Gebot für den gesamten Konzern Warner Bros. Discovery vor, einschließlich der Fernsehsender wie CNN.
Großfusion im Umbruch der Medienbranche
Die geplante Übernahme von Warner Bros. Discovery durch Paramount markiert einen weiteren Konzentrationsschritt in einer Branche, die seit Jahren vom Übergang zu Streaming-Angeboten und vom Rückgang klassischer Kinoumsätze geprägt ist. Der Kaufpreis von mehr als 110 Milliarden Dollar unterstreicht, welche wirtschaftliche Bedeutung große Inhaltebibliotheken, globale Marken und eigene Streaming-Plattformen inzwischen haben. Zugleich wächst die Sorge, dass wenige Konzerne den Markt dominieren und kreative wie journalistische Vielfalt unter Druck gerät.
Auflagen als Schutz für Beschäftigte und Kinos
Die Vereinbarungen mit den US-Bundesstaaten zielen vor allem darauf, negative Folgen für Beschäftigte und Kinobetreiber abzufedern. Zusätzliche jährliche Investitionen von 300 Millionen Dollar in die USA und feste Vorgaben zur Zahl der Kinostarts sollen verhindern, dass der fusionierte Konzern sich zu stark auf Streaming und internationale Produktion verlagert. Die mit Konventionalstrafen abgesicherten Mindestzahlen von Kinofilmen und Blockbustern sichern den Kinobetreibern eine gewisse Planbarkeit, während der Gesundheitsfonds für Autoren an die Konflikte der vergangenen Jahre um faire Bezahlung und soziale Absicherung in Hollywood erinnert.
Politische Dimension und Bedeutung für CNN
Besonders sensibel ist die Übernahme, weil mit Warner auch der Nachrichtensender CNN den Besitzer wechseln soll. Vor dem Hintergrund der Konfrontation zwischen dem US-Präsidenten und kritischen Medien sowie der offenen Unterstützung Larry Ellisons für Trump wird die redaktionelle Unabhängigkeit von CNN zum Prüfstein für die Glaubwürdigkeit des Deals. Das neu vereinbarte journalistische Aufsichtsgremium, das ohne Einfluss von Managern und Aktionären arbeiten soll, ist ein Versuch, politischen Loyalitätsverdacht zu entkräften. Für Mediennutzer ist entscheidend, ob CNN seine Rolle als kritische Kontrollinstanz gegenüber der Regierung langfristig ohne wirtschaftliche oder politische Einflussnahme ausüben kann.
