PARAGON-HF-Auswertung: WHtR erkennt zentrale Adipositas bei 96 Prozent
Veröffentlicht am: 09.10.2026 um 05:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Viszerales Bauchfett gilt in der Medizin längst nicht mehr als reines Energiespeichergewebe, sondern als hochaktives Organ mit weitreichenden gesundheitlichen Risiken. Das sogenannte intraabdominelle Fettgewebe lagert sich in der Bauchhöhle um innere Organe an und gibt kontinuierlich freie Fettsäuren sowie entzündungsfördernde Botenstoffe wie Interleukin-6 und TNF-alpha direkt in die Pfortader ab.
Diese Prozesse begünstigen chronische Entzündungen, eine Insulinresistenz, Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck, Herzinfarkte, Schlaganfälle sowie die nicht-alkoholische Fettlebererkrankung.
Grenzen des BMI und zuverlässige Messmethoden
Das viszerale Fett bleibt bei herkömmlichen Gewichtsmessungen oft unerkannt. Der Body-Mass-Index (BMI) unterscheidet weder zwischen Muskel- und Fettmasse noch erfasst er die Verteilung des Gewebes. Dadurch fallen auch sogenannte TOFI-Typen („thin outside, fat inside“) durch das Raster, die äußerlich schlank wirken, im Körperinneren jedoch gefährliche Fettmengen tragen.
Als praxistaugliche Methoden für einen Selbstcheck dienen daher das Maßband und spezifische Messverhältnisse:
* Taillenumfang: Gemäß den Vorgaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) besteht für Frauen ab einem Umfang von 80 Zentimetern ein moderates und ab 88 Zentimetern ein hohes Gesundheitsrisiko.
Bei Männern steigen die Risiken ab 94 Zentimetern moderat und ab 102 Zentimetern deutlich an.
* Taillen-zu-Größe-Verhältnis (WHtR): Dieser Quotient teilt den Taillenumfang durch die Körpergröße. Ein Wert unter 0,50 gilt als gesund, zwischen 0,50 und 0,59 als moderat erhöht und ab 0,60 als deutlich erhöht.
Wie unzureichend der BMI das Risiko abbilden kann, verdeutlichte eine Auswertung der PARAGON-HF-Studie mit 4.796 Patientinnen und Patienten mit Herzinsuffizienz und erhaltener Auswurffraktion. Während nach dem BMI lediglich 49 Prozent als adipös eingestuft wurden, wiesen nach dem Taillen-zu-Größe-Verhältnis 96 Prozent eine zentrale Adipositas auf.
Zudem hatten 37 Prozent der nach dem BMI nicht-adipösen Personen ausgeprägtes Bauchfett. Für diese wissenschaftliche Arbeit wurde der Kardiologe Alexander Peikert von der Medizinischen Universität Graz mit dem Desmond Julian Award des European Heart Journal ausgezeichnet.
Altersbedingte Risiken und hormonelle Veränderungen
Mit fortschreitendem Alter steigt die Neigung zur Fetteinlagerung in der Körpermitte. Ab dem 50. Lebensjahr sinkt bei Frauen im Zuge der Menopause die Östrogenproduktion, wodurch sich die Fettverteilung häufig von einer Birnen- zu einer Apfelform verlagert. Bei Männern geht der Testosteronspiegel schrittweise zurück.
Gleichzeitig sinken Muskelmasse und Grundumsatz – nach den Wechseljahren verringert sich der tägliche Energiebedarf um etwa 200 bis 400 Kilokalorien. Zusätzlich fördert das Stresshormon Cortisol die Fetteinlagerung, was durch Schlafstörungen verstärkt werden kann.
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Bei einer Überschreitung der Grenzwerte für den Taillenumfang wird die ärztliche Abklärung von Nüchternblutzucker, HbA1c-Wert, Leberwerten sowie des Fettprofils (HDL, LDL und Triglyceride) angeraten.
Ansätze zur Reduktion und Forschungsstand
Ein gezielter Abbau des viszeralen Fetts gelingt primär über Lebensstilinterventionen. Fachleute empfehlen ein moderates Kaloriendefizit von 300 bis 500 Kilokalorien pro Tag für eine realistische Gewichtsabnahme von 0,5 bis 1 Kilogramm pro Woche.
Eine ballaststoff- und eiweißreiche Ernährung sowie der Verzicht auf zuckerhaltige Getränke, Fast Food, Weißmehl und Alkohol unterstützen diesen Prozess. Angebliche Wundermittel wie Ingwer oder Essig besitzen hingegen keinen direkten fettverbrennenden Effekt.
Als besonders effektiv erweist sich körperliche Aktivität: Neben drei bis vier Ausdauereinheiten von 30 bis 45 Minuten pro Woche wird regelmäßiges Krafttraining empfohlen. Eine Untersuchung an 65 postmenopausalen Frauen belegte, dass 15 Wochen Krafttraining mit mindestens zwei Einheiten pro Woche zu einer signifikanten Reduktion des Bauchfetts führten.
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Parallel dazu erforscht die Medizin pharmazeutische Ansätze. Der Wirkstoff CBL-514 des Unternehmens Caliway Biopharmaceuticals soll Fettzellen gezielt in den Zelltod treiben. In Phase-2-Daten mit 46 Erwachsenen zeigte sich nach Injektionen in das Unterhautfett des Unterbauchs auch eine signifikante Verringerung des MRT-gemessenen viszeralen Fettvolumens gegenüber Placebo.
Klinisch bedeutsame Gewichtsabnahmen oder ein Schutz vor Folgeerkrankungen sind damit bislang jedoch nicht nachgewiesen. Der Fokus zur Vorbeugung verbleibt somit auf Früherkennung und Bewegung.

