Paracetamol in der Schwangerschaft: Studie findet 40 Prozent kleinere Ovarien
Veröffentlicht am: 04.11.2026 um 10:39 Uhr | Redaktion boerse-global.deParacetamol gilt seit Jahrzehnten als das bevorzugte Schmerzmittel während einer Schwangerschaft. Da alternative Präparate wie Acetylsalicylsäure oder Ibuprofen mit erheblichen Risiken für den Fötus verbunden sind, greifen viele Schwangere bei Schmerzen oder Fieber auf den Wirkstoff zurück. Neue wissenschaftliche Untersuchungen werfen nun jedoch Fragen zu möglichen langfristigen Auswirkungen auf die Reproduktionsorgane weiblicher Nachkommen auf.
Dänische Untersuchung zu den Fortpflanzungsorganen
Ein dänisches Forschungsteam unter der Leitung von Dr. Margit Bistrup Fischer untersuchte in einer Studie an 302 drei Monate alten Mädchen die pränatale Exposition gegenüber Paracetamol. Über Urinproben und Fragebögen wurden die Probandinnen in drei Gruppen unterteilt: eine Exposition vor der 17. Schwangerschaftswoche, danach sowie Mütter, die das Medikament nie einnahmen.
Die Ergebnisse zeigten, dass exponierte Säuglinge kleinere Ovarien, kleinere Uteri und deutlich weniger Ovarialfollikel aufwiesen. Eine frühe pränatale Exposition korrelierte zudem mit einem niedrigeren Wert des Anti-Muellerian-Hormons, während das Ovarialvolumen um rund 40 Prozent reduziert war. Fischer betonte in diesem Zusammenhang, dass die Befunde keinen direkten Schaden beweisen.
Fachärzte regen jedoch an, die betroffenen Mädchen im Rahmen eines Follow-ups bis zur Menopause wissenschaftlich zu begleiten. Auch einer weiteren Studie zufolge könnte die Einnahme von Paracetamol in der Schwangerschaft bei Mädchen die spätere Fruchtbarkeit und den Zeitpunkt der Menopause beeinflussen.
Der medizinische Forscher Gylli Mola widmet sich in einer Dissertation ebenfalls der Frage, wie der Fötus durch den Arzneistoff beeinflusst werden kann. Er äußerte die Besorgnis, dass der Konsum die Entwicklung der Reproduktionsorgane bereits im Fötalstadium verändern könnte. Paracetamol sei zwar ein wichtiges Medikament, jedoch nicht zwingend frei von Risiken oder Nebenwirkungen.
Diskussion über endokrine Effekte und klinischer Nutzen
Die wissenschaftliche Diskussion über das Analgetikum reicht mehrere Jahre zurück. Im Jahr 2021 unterzeichneten 91 Forscher und Ärzte ein Manifest, das zur Vorsicht bei der Einnahme von Paracetamol wegen möglicher endokriner Störwirkungen aufrief.
Die Wissenschaftlerin Séverine Mazaud-Guittot von der Forschungsinstitution Irset-Inserm erklärte hierzu, dass bei einer punktuellen Einnahme kein Grund zur Sorge bestehe und das Präparat gerade bei hohem Fieber von hoher Bedeutung bleibe.
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Paracetamol, international auch als Acetaminophen bekannt, gilt in offiziellen Leitlinien weiterhin als einziges voll empfohlenes Analgetikum für Schwangere, da es über eine gute Verträglichkeit verfügt und die Prostaglandinsynthese im Uterus kaum beeinflusst.
Organisationen wie der britische NHS sowie das Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie der Berliner Charité informieren zur Medikamentensicherheit und sehen Paracetamol in der Schwangerschaft als Mittel der ersten Wahl gegen Schmerzen und erhöhte Temperatur – stets unter der Maßgabe, die niedrigste wirksame Menge über die kürzeste notwendige Dauer anzuwenden.
Risiken alternativer Schmerzmittel
Die Abwägung in der Schwangerschaft bleibt komplex, da nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) mit gravierenden Gefahren für den Fötus verbunden sind. Laut Veröffentlichungen im British Medical Journal haben Frauen, die NSAR wie Ibuprofen nahe dem Zeitpunkt der Empfängnis einnehmen, ein um 80 Prozent höheres Fehlgeburtsrisiko.
Da Ibuprofen Prostaglandine hemmt, die für die Einnistung des Embryos notwendig sind, besteht das höchste Risiko in den ersten 20 Schwangerschaftswochen, wenngleich eine einzelne versehentliche Dosis eine Fehlgeburt unwahrscheinlich macht.
Ab der 24. Schwangerschaftswoche gilt Ibuprofen als formal kontraindiziert. Fachorganisationen wie das Centre de référence sur les agents tératogènes und Fachpublikationen wie Prescrire verweisen darauf, dass alle NSAR fötale und neonatale Toxizität auslösen können, die teils irreversibel oder fatal verläuft.
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Das Risiko steigt mit fortschreitender Schwangerschaft. Im dritten Trimester drohen schwere Komplikationen für das Ungeborene, darunter der vorzeitige Verschluss des Ductus arteriosus, Lungenhochdruck sowie Nierenfunktionsstörungen, während bei der Mutter Wehenhemmung und verlängerte Blutungszeiten auftreten können.
Aus Fachinformationen zu entsprechenden Präparaten geht zudem hervor, dass das absolute Risiko für Herzfehlbildungen nach der Einnahme von Prostaglandinsynthese-Hemmern in der Frühschwangerschaft von unter einem Prozent auf etwa 1,5 Prozent ansteigt.
Aspirin ist neben Patienten mit Magengeschwüren oder Asthma ebenfalls für Schwangere kontraindiziert, weshalb entzündungshemmende Schmerzmittel nur unter strenger ärztlicher Verordnung eingenommen werden sollten.
Weitere Beobachtungen im wissenschaftlichen Diskurs
Neben den Befunden zur weiblichen Fortpflanzung existieren weitere Studien zu möglichen Einflüssen des Schmerzmittels. Eine Untersuchung der US-Gesundheitsbehörde NIH, die über 500 Paare über vier Jahre hinweg begleitete, stellte anhand von Urinrückständen fest, dass Männer mit häufigem Paracetamol-Konsum eine um 35 Prozent geringere Chance auf Nachwuchs hatten; bei Frauen zeigte sich hingegen kein deutlicher Zusammenhang.
Eine Kohortenstudie aus Spanien mit rund 2.500 Frauen von der Schwangerschaft bis zur 32. Woche und ihren Kindern bis zum fünften Lebensjahr beobachtete bei Nachkommen von Müttern, die mindestens einmal Paracetamol eingenommen hatten, Auffälligkeiten wie Hyperaktivität und Autismus-Merkmale.
Experten bewerten diese Studienlage jedoch als unvollständig und betonen die Notwendigkeit weiterer Untersuchungen, bevor bestehende Leitlinien zur Schmerztherapie in der Schwangerschaft grundlegend angepasst werden.
