Panxeon-Bluttest: Bauchspeicheldrüsenkrebs in knapp 87 Prozent erkannt
Veröffentlicht am: 26.09.2026 um 11:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Nationale Krebspräventionswoche, die bis zum 27. September 2026 unter dem Motto „Lass mal checken“ von der Deutschen Krebshilfe, dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) und der Deutschen Krebsgesellschaft getragen wird, rückt ein zentrales Thema der Onkologie in den Fokus: die frühzeitige Entdeckung von Tumoren.
Markus Hecht, Direktor der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie am Universitätsklinikum des Saarlandes, betonte laut einem Bericht vom 25. September 2026, dass die Früherkennung entscheidend für die Heilungschance sei. Mehrere aktuelle Studien und Programme aus Deutschland, Österreich und den USA verdeutlichen, wie unterschiedlich der Stand der Forschung je nach Krebsart ist.
Etablierte Vorsorgeprogramme und ihre Lücken
Gesetzliche Krankenkassen übernehmen in Deutschland die Früherkennung bei Brustkrebs, Hautkrebs, Darmkrebs, Prostatakrebs und gynäkologischen Tumoren. Für Risikogruppen ist zudem eine Computertomografie zur Lungenkrebsfrüherkennung vorgesehen.
Für Speiseröhrenkrebs existiert dagegen kein allgemeines Früherkennungsprogramm, obwohl der Krebsinformationsdienst auf Warnzeichen wie anhaltende Schluckbeschwerden, ungewollten Gewichtsverlust, Appetitlosigkeit und Probleme beim Essen hinweist.
Rauchen erhöht demnach das Risiko für Lungenkrebs, Kopf-Hals-Tumore und Blasentumore, Alkoholkonsum insbesondere für Tumore im Kopf-Hals-Bereich, der Speiseröhre, dem Magen und der Leber.
Besonders deutlich wird die Bedeutung der Vorsorge beim Darmkrebs: Laut Deutscher Krebshilfe gibt es bundesweit mehr als 55.000 Erkrankungen pro Jahr. Tumore im Vorstadium zeigen meist keine Symptome; erst im fortgeschrittenen Stadium treten Durchfall, Blut im Stuhl oder ein Darmverschluss auf.
Die Kassen übernehmen daher unter anderem die Darmspiegelung, ergänzt um Hautkrebsuntersuchungen beim Hautarzt, die Gebärmutterhalskrebsvorsorge bei Frauen, Brustkrebsuntersuchungen samt Selbstabtastung sowie die Prostatakrebsvorsorge für Männer ab 45 Jahren. Am Uniklinikum Frankfurt werden jährlich rund 100 Tumorfälle mit dem minimalinvasiven, roboterassistierten Da-Vinci-Operationssystem behandelt.
Neue Bluttests unter Beobachtung
International rückt die Diagnostik über Bluttests in den Vordergrund. Ein Beratergremium der US-Arzneimittelbehörde FDA empfahl am 23. September 2026 einstimmig die Zulassung des Bluttests Galleri der US-Firma Grail, blieb bei der Frage, ob der Test tatsächlich zu früherer Erkennung oder Lebensrettung führt, jedoch uneinig.
Grundlage ist die Studie PATHFINDER 2, deren Ergebnisse am 22. September 2026 bekannt wurden: Bei 35.878 Erwachsenen ab 50 Jahren ohne Krebsverdacht schlug der Test bei 287 Personen an, bei 173 wurde tatsächlich Krebs diagnostiziert – ein positiver Vorhersagewert von 60,3 Prozent bei einer Spezifität von 99,64 Prozent.
Rund 40 Prozent der positiven Tests erwiesen sich jedoch als Fehlalarm. In Deutschland ist der Test bislang nicht Teil der kassenfinanzierten Früherkennung; eine britische Studie im „New England Journal of Medicine“ kam zu widersprüchlichen Ergebnissen.
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Auch beim Bauchspeicheldrüsenkrebs gibt es Fortschritte: Ein internationales Team unter Leitung des Krebszentrums City of Hope entwickelte den Bluttest Panxeon, der in einer Studie mit fast 1.800 Teilnehmern aus den USA, Europa und Asien Tumore im Stadium 1 und 2 in knapp 87 Prozent der Fälle nachwies.
Studienautor Ajay Goel verwies darauf, dass Bauchspeicheldrüsenkrebs oft erst diagnostiziert werde, wenn sich das Zeitfenster für eine Heilung bereits schließe. Der Test gilt derzeit nicht als Ersatz für bildgebende Verfahren, sondern als ergänzendes Werkzeug für Risikogruppen.
Grundlagenforschung zu Ursachen
Die Charité Berlin entschlüsselte in einer im September 2026 in „Nature Communications“ veröffentlichten Arbeit erstmals den Mechanismus, über den das Bakterium Helicobacter pylori via chronische Magenentzündung zu Magenkrebs führt.
Prof. Michael Sigal empfahl, bei familiärem Risiko, Beschwerden oder bekannter Infektion einen Test auf das Bakterium sowie eine antibiotische Behandlung vorzunehmen. Bevölkerungsstudien deuten zudem darauf hin, dass regelmäßig eingenommene Entzündungshemmer vom Typ COX-2-Blocker das Risiko für Magen-Darm-Tumore senken können. An der Charité soll eine Cancer Prevention Clinic aufgebaut werden.
Ein möglicher Zusammenhang zwischen Darmkrebsrisiko und Antibiotika-Einsatz zeigte sich in einer Auswertung von mehr als 30.000 Patienten aus der TriNetX-Datenbank mit 168 Einrichtungen: Nach einer Blinddarm-Operation entwickelten 0,7 Prozent später Darmkrebs, nach einer Antibiotika-Therapie 1,7 Prozent – ein relativ um 58 Prozent geringeres Risiko, absolut rund ein Prozentpunkt.
Das Team um Chirurg Valentine Nfonsam von der Morehouse School of Medicine in Atlanta stellte die Daten auf dem Clinical Congress 2026 des American College of Surgeons vor, der vom 26. bis 29. September in Washington stattfindet.
Der Kongressbeitrag durchlief noch kein Peer-Review-Verfahren, mögliche Erklärungen reichen von Früherkennungseffekten durch die Operation bis zu Veränderungen im Mikrobiom.
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Institutioneller Aufbau und regionale Programme
Seit dem 1. September 2026 ist Dr. Carolin Schneider Professorin für Digitale Präzisionsmedizin in der Krebsprävention und Früherkennung an der TU Dresden, in gemeinsamer Berufung mit dem DKFZ. Sie leitet dort die erste DKFZ-Außenstelle außerhalb Heidelbergs und baut die erste Außenstelle des Nationalen Krebspräventionszentrums auf.
Ziel ist eine große Kohortenstudie mit Patientendaten aus Deutschland, da laut Schneider die Übertragbarkeit von Daten aus den USA, Großbritannien oder China begrenzt sei. DKFZ-Vorstandsvorsitzender Prof. Michael Baumann erklärte, digitale Präzisionsmedizin solle individuelle Krebsrisiken früher erkennen und Präventionsmaßnahmen gezielter zuschneiden.
In Österreich einigten sich Fachgesellschaften, Sozialversicherung und Patientenvertretungen erstmals gemeinsam auf ein Modell für ein organisiertes Prostatakarzinom-Screening. Ziel ist es, klinisch bedeutsame Tumore früher zu erkennen und gleichzeitig unnötige Tests, Biopsien und Übertherapie zu vermeiden.
Die Lancet Commission on Prostate Cancer prognostiziert einen Anstieg der weltweiten Neudiagnosen von 1,4 Millionen im Jahr 2020 auf 2,9 Millionen bis 2040. In Österreich ist das Prostatakarzinom laut Statistik Austria mit fast einem Drittel aller Krebsneudiagnosen die häufigste Krebserkrankung des Mannes und für rund jeden achten Krebstodesfall bei Männern verantwortlich.
In Wien läuft seit Juni 2026 ein Darmkrebs-Screening mit FIT-Stuhltests für rund 540.000 Wienerinnen und Wiener zwischen 45 und 75 Jahren. Laut Norbert Schnurrer, Sprecher von Gesundheitsstadtrat Peter Hacker, gingen bereits 80.000 Tests ein, bis Ende September 2026 sollen es mehr als 100.000 sein.
Bei auffälligem Befund wird innerhalb von 14 Tagen eine Darmspiegelung organisiert. Das Projekt ist zunächst für zwei Jahre mit rund 7,5 Millionen Euro pro Jahr finanziert.
Auch der Zugang zur Lungenkrebsfrüherkennung wird ausgeweitet: Ab dem 1. Oktober 2026 dürfen zusätzliche Arztgruppen – darunter Praktische Ärzte und Ärzte ohne Gebietsbezeichnung – die qualifizierte Erstberatung und Befunderstellung übernehmen und abrechnen, wie die Kassenärztliche Bundesvereinigung mitteilte.
Zielgruppe sind langjährige starke Raucher im Alter zwischen 50 und 75 Jahren; das Aufklärungsgespräch umfasst die Erfassung von Vorerkrankungen und Rauchgewohnheiten sowie die Weiterleitung zur Niedrigdosis-Computertomografie.
Offene Fragen bei Hautkrebs
Heller Hautkrebs gilt als häufigste Krebsart in Deutschland, schwarzer Hautkrebs verläuft häufig tödlich. Die Hautärztin Prof. Carola Berking diskutiert, ob die Sterberate der alleinige Maßstab für den Erfolg von Früherkennungsprogrammen sein sollte, wie besonders gefährdete Personen besser zur Vorsorge motiviert werden können und welche Rolle Künstliche Intelligenz künftig dabei spielen könnte, unnötige Operationen zu vermeiden.
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