Pankreaskarzinom: EUS-Therapie erreicht 82% Tumorkontrolle
14.06.2026 - 00:51:28 | boerse-global.de
Diagnosewerkzeuge werden immer häufiger zu therapeutischen Instrumenten. Vor allem der endoskopische Ultraschall (EUS) und robotische Systeme erweitern das Spektrum minimalinvasiver Eingriffe rasant.
Vom Diagnose-Tool zur Therapie-Plattform
Der endoskopische Ultraschall hat sich in den letzten Jahren grundlegend gewandelt. Prof. David Diehl vom Geisinger Medical Center betont im Juni 2026 die wachsende Bedeutung EUS-gesteuerter Eingriffe. Das Spektrum reicht heute von vaskulären Behandlungen bis zur onkologischen Ablation.
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Bei der Radiofrequenzablation (EUS-RFA) zerstören Temperaturen zwischen 60 und 100 Grad Celsius Tumorgewebe. Alternativ kommt chemische Ablation mit hochprozentigem Ethanol zum Einsatz. Ergänzt werden diese Methoden durch die direkte Feinnadelinjektion von Chemotherapeutika, Immuntherapien oder radioaktiven Substanzen wie Phosphor-32 und Radium-224.
Diese Verfahren dienen zunehmend als Alternative zu komplexeren chirurgischen Eingriffen.
Pankreaskarzinom: Lokale Kontrolle mit 82 Prozent
In der Behandlung des Pankreaskarzinoms zeigen klinische Studien beeindruckende Ergebnisse. Die TRIPP-FFX-Studie belegt eine lokale Tumorkontrolle von 82,2 Prozent nach 16 Wochen. Das mediane Gesamtüberleben liegt bei 18,3 Monaten, in bestimmten Subgruppen sogar bei bis zu 24 Monaten.
Histopathologische Untersuchungen in der Fachzeitschrift „Pathology International“ bestätigen: Mittels EUS injizierte Phosphor-32-Mikropartikel verbleiben stabil im Tumorgewebe, ohne in gesundes Gewebe zu migrieren. Die US-Gesundheitsbehörde FDA entscheidet voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte 2026 über die Zulassung dieser Technologie.
Auch bei Blasenkrebs zeichnen sich neue Wege ab. Ein Forschungsteam der Universität Bern und des Inselspitals erhielt im Juni 2026 einen Forschungsgrant über 400.000 CHF. Die Idee: Ein biokompatibles Material wird direkt in den Tumor injiziert und mittels fokussiertem Ultraschall verfestigt. Das unterbricht gezielt die Blutversorgung der Krebszellen.
Roboter-Assistenten und Mikroroboter
Die robotergestützte Chirurgie erreicht neue Einsatzgebiete. Im Klinikum Landkreis Erding wurde im Juni 2026 erstmals eine Nebenniere mit dem robotischen System „Dexter“ entfernt. Das System ist dort seit Februar 2026 im Einsatz und ermöglicht durch 3D-Visualisierung besonders gewebeschonende Eingriffe.
Auf mikro-technologischer Ebene gehen Forscher der Nanyang Technological University in Singapur noch einen Schritt weiter. Ihr kabelloser Mikroroboter ist nur 4,4 Millimeter lang, navigiert auf weichem Gewebe, entnimmt Proben oder setzt Medikamente frei. Ein integriertes Funktionsmodul erlaubt den schnellen Wechsel zwischen Schneidprozessen und Wärmetherapie – in weniger als einer Sekunde.
Forscher des MIT entwickelten zudem ein spezielles Hydrogel für die Speiseröhre. Es erhöht die Verweildauer von Medikamenten auf der Schleimhaut und fördert die Regeneration des Gewebes innerhalb von weniger als drei Tagen.
Neue Antikörper und Wirkstoff-Kombinationen
Die ASCO-Jahrestagung im Juni 2026 lieferte neue Erkenntnisse zu kombinierten Wirkstoffklassen. Der trispezifische Antikörper CS2009 richtet sich gegen PD-1, VEGF und CTLA-4. In einer Phase-I-Studie mit 118 Patienten zeigte er kontrollierbare Toxizitätswerte.
Besonders bei schwer behandelbaren „kalten“ Tumoren wie dem metastasierten kolorektalen Karzinom konnten Ansprechraten von bis zu 25 Prozent in der Monotherapie erzielt werden. In Kombination mit einer Chemotherapie stieg die Rate auf über 66 Prozent.
Beim metastasierten Pankreaskarzinom verbesserte der orale PanRAS-Inhibitor Daraxonrasib in der RASolute 302-Studie das mediane Gesamtüberleben auf 13,2 Monate. Zum Vergleich: Unter Standard-Chemotherapie lag es bei 6,6 Monaten. Merck erhielt im Juni 2026 zudem die FDA-Zulassung für eine Belzutifan-Kombination zur adjuvanten Behandlung von Nierenzellkarzinomen.
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GLP-1-Medikamente: Überraschender Krebs-Schutz?
Interessante Beobachtungsdaten ergaben sich bei der Analyse von GLP-1-Medikamenten. Ursprünglich zur Diabetes- und Gewichtsbehandlung entwickelt, deuten Untersuchungen der University of Pennsylvania an über 111.000 Frauen darauf hin: Die Anwendung dieser Wirkstoffe korreliert mit einem um etwa 35 Prozent reduzierten Risiko für Brustkrebsdiagnosen.
Weitere Datenanalysen bei über 12.000 Krebspatienten wiesen zudem auf ein signifikant niedrigeres Metastasierungsrisiko bei verschiedenen Krebsarten hin. Experten führen dies unter anderem auf die Reduktion systemischer Entzündungsprozesse zurück.
