Pandemieprävention, Helmholtz-Institut

Pandemieprävention: Helmholtz-Institut startet Surveillance in Zentralafrika

Veröffentlicht am: 06.08.2026 um 05:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Das Helmholtz-Institut baut seine Surveillance-Programme in Zentralafrika aus, um Krankheitserreger an der Mensch-Tier-Umwelt-Schnittstelle frühzeitig zu erkennen.

HIOH weitet Zoonosen-Überwachung in Zentralafrika aus
Wissenschaftler arbeiten in einem solarbetriebenen Feldlabor inmitten eines tropischen Regenwaldes. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Das Helmholtz-Institut für One Health (HIOH) verfolgt verstärkt sektorübergreifende Ansätze zur Pandemieprävention durch den Ausbau klinischer Surveillance-Programme in Zentralafrika. Ein zentraler Bestandteil dieser Strategie ist die Untersuchung von Krankheitsübertragungen an der Schnittstelle zwischen Mensch, Tier und Umwelt in der Zentralafrikanischen Republik. Ziel dieser Maßnahmen ist die frühzeitige Identifizierung von Zoonosen, um potenzielle globale Gesundheitsrisiken zu minimieren.

Infrastruktur und Kooperationen in der Zentralafrikanischen Republik

Ein wesentlicher Pfeiler der Forschungsaktivitäten ist das Labor in Bayanga, das in Zusammenarbeit mit dem World Wide Fund For Nature (WWF) betrieben wird. Die Einrichtung wurde im Rahmen des ersten Dzanga-Sangha-Tages im November 2025 offiziell eingeweiht. Besonderes Merkmal der Station ist der Betrieb durch Solarenergie, was eine unabhängige Infrastruktur in der abgelegenen Region ermöglicht.

Laut Angaben des Instituts dient das Labor der Untersuchung von Proben aus lokalen Gesundheitszentren auf zoonotische Erreger. Nachdem die Einweihung Ende 2025 stattfand, wurde die Ankunft der ersten systematisch erhobenen Proben für den Zeitraum ab November 2025 avisiert. Der Direktor des HIOH, Fabian Leendertz, betonte in diesem Zusammenhang die Bedeutung intakter Tropenwälder. Diese fungierten als natürliche Barrieren, die das Risiko eines Übertritts von Erregern aus der Tierwelt auf den Menschen verringern könnten.

Feldforschung und das Projekt INFORBIO

Die klinischen Programme sind eingebettet in längerfristige Forschungsprojekte wie das Vorhaben INFORBIO, das für den Zeitraum von 2024 bis 2030 angesetzt ist und durch die Internationale Klimaschutzinitiative (IKI) gefördert wird. Im Rahmen einer ersten Feldmission im Oktober 2025 konnten Forscher in der Zentralafrikanischen Republik sowie in Kamerun über 200 Nagetiere und Fledermäuse fangen. Die gewonnenen Proben werden spezifisch auf Krankheitserreger wie Mpox untersucht.

Diese Aktivitäten bauen auf früheren Erkenntnissen auf. Bereits im Jahr 2024 berichteten Wissenschaftler des HIOH in den „EMBO Reports“ über die Relevanz eines kontinuierlichen Wildtiermonitorings. Ein Langzeitmonitoring von Menschenaffen habe in der Vergangenheit bereits zur Entdeckung bedeutender Erreger geführt. Die methodische Früherkennung steht zudem im Fokus medialer Dokumentationen, wie einer Produktion des ZDF aus dem Jahr 2024, die die Arbeit zur Identifizierung von Zoonosen begleitete.

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Institutionalisierung und Standorterweiterung in Deutschland

Parallel zu den internationalen Programmen baut das HIOH seine Kapazitäten am Hauptstandort in Greifswald sowie in nationalen Netzwerken aus. Das Land Mecklenburg-Vorpommern stellte im Sommer 2023 zusätzliche Mittel in Höhe von 15 Millionen Euro für einen Institutsneubau bereit. Die Gesamtkosten des Projekts, das auch Hochsicherheitslabore der Schutzstufe BSL-3 umfassen soll, belaufen sich auf 38 Millionen Euro. Derzeit sind bereits 65 Wissenschaftler am Institut tätig.

Auf nationaler Ebene koordiniert das HIOH zudem die im Dezember 2023 gestartete One Health Platform, die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert wird. Das Institut übernimmt dabei die Leitung in den Bereichen Internationalisierung sowie Umwelt- und Klimaforschung. Für seine Forschungs- und Arbeitsstrukturen erhielt das Team der One Health Surveillance Gruppe im Juni 2025 zudem die Auszeichnung als „Best Research Environment 2024“ der Jungen Akademie, die mit einem Preisgeld von 10.000 Euro dotiert war.

Internationale Vernetzung und Diagnostik

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Die Aktivitäten in der Zentralafrikanischen Republik sind Teil einer breiteren internationalen Vernetzungsstrategie. Bereits im Juni 2023 eröffnete das HIOH gemeinsam mit dem Robert Koch-Institut (RKI) ein molekularbiologisches Labor in Côte d'Ivoire. Das dortige PAcCI-Projekt ist auf drei Jahre angelegt und zielt auf die Stärkung der genomischen Überwachung ab.

Zusätzlich zur praktischen Feldarbeit wird das Institut durch einen internationalen wissenschaftlichen Beirat unterstützt, der sich im April 2025 erstmals persönlich in Greifswald traf. Neun Experten beraten das HIOH bei der strategischen Ausrichtung seiner Programme zur globalen Gesundheitsüberwachung. Für seine Verdienste um den One-Health-Ansatz und interkulturelle Kooperationsprojekte wurde Fabian Leendertz zudem bereits im Jahr 2023 mit dem mit 100.000 Euro dotierten Hamburger Wissenschaftspreis geehrt.

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