PAIS nach Atemwegsinfektionen: Jeder Fünfte betroffen
Veröffentlicht am: 23.09.2026 um 13:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine Analyse der Universitätsmedizin Halle, veröffentlicht im Deutschen Ärzteblatt, liefert einen umfassenden Überblick über die Symptomatik des Post-Akuten Infektionssyndroms (PAIS) nach Atemwegsinfektionen. Grundlage ist die bundesweite DigiHero-Studie, die das Krankheitsbild jenseits einzelner Erreger untersucht – von anhaltender Erschöpfung über geringe Belastbarkeit bis hin zu Atemnot.
Breite Datenbasis mit fast 47.000 Teilnehmern
Für die Auswertung wurden im Zeitraum zwischen September 2024 und August 2025 fast 47.000 Teilnehmer der DigiHero-Studie befragt, die insgesamt mehr als 128.000 Menschen registriert hat. Damit gehört die Untersuchung zu den größeren Datensätzen, die zu Langzeitfolgen von Atemwegsinfektionen in Deutschland erhoben wurden. Fast die Hälfte der Befragten, 48 Prozent, gab an, im untersuchten Zeitraum mindestens eine Atemwegsinfektion durchgemacht zu haben.
Rund jeder Fünfte mit anhaltenden Beschwerden
Von den Infizierten berichteten rund 4.300 Personen – etwa 19 Prozent – über Beschwerden, die zwölf Wochen oder länger anhielten. Studienautor Jonas Frost ordnete diese Zahl ein und bezifferte das eigentliche PAIS-Risiko auf 16 Prozent.
Die Wahrscheinlichkeit, an dem Syndrom zu erkranken, steigt dabei mit dem Lebensalter deutlich: Während bei den 20- bis 29-Jährigen 13 Prozent betroffen waren, lag der Anteil bei den 60- bis 69-Jährigen bei 21 Prozent.
Ähnliches Beschwerdebild nach unterschiedlichen Erregern
Die Analyse beschreibt geringere Belastbarkeit, Atemnot und Erschöpfung als die häufigsten Symptome des PAIS. Bemerkenswert ist, dass sich das Beschwerdebild nach einer Corona-Infektion und nach einer Influenza-Erkrankung ähnelt – ein Hinweis darauf, dass es sich möglicherweise um ein übergreifendes Phänomen nach Atemwegsinfektionen handelt und nicht um eine erregerspezifische Besonderheit einzelner Viren.
Nach einer Atemwegsinfektion bleiben viele länger erschöpft als erwartet: In einer bundesweiten Befragung berichtete fast jeder Fünfte der Infizierten über Beschwerden, die zwölf Wochen oder länger anhielten — und fast 90 Prozent von ihnen fühlten sich im Alltag mäßig bis stark eingeschränkt. Unser kostenloser Leitfaden hilft Ihnen, Ihre eigenen Symptome einzuordnen und den nächsten Schritt vorzubereiten. Kostenlosen Leitfaden anfordern
Erhebliche Belastung im Alltag
Die Auswirkungen auf die Betroffenen sind der Auswertung zufolge beträchtlich: Fast 90 Prozent derjenigen, die von anhaltenden Beschwerden berichteten, gaben an, im Alltag mäßig bis stark eingeschränkt zu sein. Innerhalb von zwölf Monaten waren jedoch auch nicht alle Fälle chronisch – rund 17 Prozent der Betroffenen galten nach diesem Zeitraum als vollständig genesen.
Medizinische Versorgung nicht immer ausreichend
Von den Betroffenen suchten 58 Prozent ärztliche Hilfe auf. Davon wiederum wurden 82 Prozent tatsächlich behandelt. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass ein Teil der Betroffenen trotz Kontakt zum Gesundheitssystem ohne konkrete Behandlung blieb – ein Umstand, der auf Lücken in der Versorgung von PAIS-Patienten hindeuten könnte.
Ursachen weiterhin ungeklärt
Trotz der umfangreichen Datenlage bleibt laut der Analyse offen, welche biologischen Mechanismen dem Post-Akuten Infektionssyndrom zugrunde liegen. Die Ursachen gelten als unerforscht, was die Einordnung der Beschwerden für Ärzte und Betroffene weiterhin erschwert.
Wenn Ihr Arztbesuch nach einer Infektion ohne konkreten Befund endet, liegt das nicht an Ihnen: Von den Betroffenen suchten 58 Prozent medizinische Hilfe, doch nicht alle erhielten eine Behandlung — auch weil die Ursachen des Post-Akuten Infektionssyndroms weiterhin als unerforscht gelten. Unser Leitfaden zeigt Ihnen, wie Sie Ihr Gespräch strukturiert vorbereiten und Ihre Belastbarkeit in kontrollierten Schritten wieder aufbauen. Leitfaden für Ihr Arztgespräch sichern
Die Originalpublikation ist in Deutsches Ärzteblatt International erschienen (Dtsch Arztebl Int. 2026 Sep 18;123(19)) und liefert damit eine Grundlage für weitere Forschung zu einem Krankheitsbild, das angesichts der beschriebenen Häufigkeit und der teils erheblichen Alltagsbeeinträchtigungen zunehmend Aufmerksamkeit im Gesundheitswesen finden dürfte.
