PAIS nach Atemwegsinfekt: Nur 17 Prozent werden binnen eines Jahres gesund
Veröffentlicht am: 27.09.2026 um 17:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine Untersuchung der Universitätsmedizin Halle liefert neue Daten zu einem Phänomen, das lange unterschätzt wurde: gesundheitliche Beschwerden, die weit über eine akute Atemwegsinfektion hinaus bestehen bleiben. Grundlage ist die DigiHero-Studie, für die zwischen September 2024 und August 2025 Daten von über 50.000 Befragten ausgewertet wurden. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Scientific Reports veröffentlicht.
Ein relevanter Anteil entwickelt Langzeitsymptome
Von den Studienteilnehmenden hatten 37 Prozent, umgerechnet rund 18.700 Personen, im untersuchten Zeitraum mindestens einen Atemwegsinfekt durchgemacht. Bei 8,6 Prozent dieser Betroffenen – etwa 4.300 Personen – bestanden Symptome noch mehr als zwölf Wochen nach der Infektion fort. Die Forschenden bezeichnen dieses Muster als PAIS, ein Sammelbegriff für anhaltende Beschwerden nach akuten Atemwegsinfektionen.
Bei der Suche nach Auslösern zeigte sich ein bemerkenswertes Bild: Nur bei 17,2 Prozent der PAIS-Fälle ließ sich Sars-CoV-2 als Erreger nachweisen, bei 3,7 Prozent Influenza und bei 1,3 Prozent RSV. Bei den übrigen 75,5 Prozent blieb der auslösende Erreger unbekannt. Das deutet darauf hin, dass Langzeitfolgen keineswegs ausschließlich mit Covid-19 in Verbindung stehen, sondern offenbar bei einer Vielzahl von Atemwegserregern auftreten können.
Geringe Heilungsrate und ungleiche Betroffenheit
Besonders auffällig ist der Verlauf: Nach den Daten der Universitätsmedizin Halle heilten nur 17 Prozent der PAIS-Fälle innerhalb eines Jahres vollständig aus. Für den überwiegenden Teil der Betroffenen bedeutet das offenbar eine langwierige Beeinträchtigung ohne absehbares Ende.
Die Studie zeigt zudem deutliche Unterschiede zwischen Bevölkerungsgruppen. Frauen sind demnach doppelt so häufig betroffen wie Männer, und Menschen über 50 Jahre erkranken doppelt so oft an Langzeitfolgen wie jüngere Personen. Diese Verteilung legt nahe, dass Alter und Geschlecht eine Rolle bei der Anfälligkeit für anhaltende Beschwerden spielen könnten.
Viele spüren nach einem Atemwegsinfekt wochenlang Erschöpfung, Husten oder Konzentrationsprobleme — und wissen nicht, ob das noch normal ist. Nur 17 Prozent der Betroffenen werden binnen eines Jahres vollständig gesund, doch mehr als vier von zehn suchen trotz Belastung keinen Arzt auf. Unser kostenloser Leitfaden hilft Ihnen, Ihre Symptome einzuordnen und den nächsten Schritt zu gehen. Kostenlosen Leitfaden jetzt anfordern
Hohe Belastung, aber seltene ärztliche Abklärung
Auffällig ist auch die Diskrepanz zwischen subjektivem Leidensdruck und tatsächlicher Inanspruchnahme medizinischer Versorgung. 87 Prozent der Betroffenen gaben an, sich mäßig bis sehr stark durch ihre Symptome belastet zu fühlen.
Dennoch suchten nur 58 Prozent von ihnen einen Arzt auf. Diese Lücke könnte darauf hindeuten, dass viele Betroffene ihre Beschwerden entweder nicht klar zuordnen können oder das Gesundheitssystem für diese diffusen Langzeitfolgen bislang wenig spezialisierte Anlaufstellen bietet.
Einordnung für die Versorgung
Die Zahlen aus Halle fügen sich in ein größeres Bild ein, das seit einiger Zeit in Fachkreisen diskutiert wird: Atemwegsinfektionen können unabhängig vom konkreten Erreger zu langwierigen gesundheitlichen Folgen führen, die medizinisch oft schwer greifbar sind.
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Für die Versorgungspraxis ergibt sich daraus die Frage, wie Betroffene mit unklaren, aber belastenden Langzeitsymptomen besser erkannt und begleitet werden können – insbesondere angesichts der Beobachtung, dass mehr als vier von zehn Betroffenen trotz erheblicher Belastung keine ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. Angesichts der geringen Spontanheilungsrate innerhalb eines Jahres dürfte das Thema auch in kommenden Untersuchungen relevant bleiben.
