PAIS nach Atemwegsinfekt: DigiHero-Analyse beziffert Risiko auf 16 Prozent
Veröffentlicht am: 24.09.2026 um 08:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Anhaltende Erschöpfung, Konzentrationsprobleme oder Atemnot Wochen nach einer eigentlich überstandenen Erkältung, Grippe oder Corona-Infektion – solche Beschwerden betreffen offenbar deutlich mehr Menschen, als bislang angenommen.
Eine Analyse der Universitätsmedizin Halle im Deutschen Ärzteblatt liefert nun belastbare Zahlen zu diesem Phänomen, das Fachleute als PAIS (Post-Acute Infection Syndrome) bezeichnen. Grundlage ist die DigiHero-Studie, für die im Zeitraum September 2024 bis August 2025 fast 47.000 Menschen befragt wurden.
Fast jeder Fünfte betroffen
Von den Befragten gaben 48 Prozent an, im Untersuchungszeitraum mindestens eine Atemwegsinfektion durchgemacht zu haben, wobei jüngere Menschen häufiger betroffen waren. Unter diesen Infizierten berichteten 19 Prozent – umgerechnet rund 4.300 Personen – von Beschwerden, die mindestens zwölf Wochen anhielten.
Nach genauerer statistischer Einordnung gehen die Forscher der Universitätsmedizin Halle von einem tatsächlichen PAIS-Risiko von 16 Prozent aus. Studienautor Frost bezifferte dieses Risiko, nach einer Atemwegsinfektion langanhaltende Beschwerden zu entwickeln, entsprechend auf 16 Prozent.
Risiko steigt mit dem Alter
Die Auswertung zeigt einen klaren Zusammenhang zwischen Lebensalter und Erkrankungsrisiko: Während bei 20- bis 29-Jährigen 13 Prozent von PAIS betroffen waren, lag der Anteil bei 60- bis 69-Jährigen bei 21 Prozent.
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Bemerkenswert ist zudem, dass sich Symptome und Krankheitsdauer nach Corona- und Influenza-Infektionen laut der Analyse stark ähnelten. Allerdings war der auslösende Erreger nur bei etwa einem Viertel der Infektionen überhaupt bekannt – ein Umstand, der die Abgrenzung einzelner Erkrankungsbilder erschwert.
Langer Weg zur Genesung
Die Daten der Universitätsmedizin Halle deuten darauf hin, dass eine vollständige Genesung oft lange dauert: Innerhalb von zwölf Monaten waren nur rund 17 Prozent der länger Erkrankten wieder vollständig beschwerdefrei. Von den Betroffenen suchten 58 Prozent medizinische Hilfe, von diesen wiederum erhielten 82 Prozent eine Behandlung.
Die Belastung im Alltag scheint erheblich zu sein: Fast 90 Prozent der Betroffenen berichteten von mäßiger bis sehr starker Alltagsbeeinträchtigung, neun von zehn fühlten sich dadurch in ihrem täglichen Leben eingeschränkt.
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Datengrundlage und offene Fragen
Die Analyse ist Teil der breiter angelegten DigiHero-Studie der Universitätsmedizin Halle, die mehr als 128.000 registrierte Personen umfasst und damit eine der umfangreichsten Datenbasen zu diesem Thema in Deutschland darstellt.
Trotz der hohen Fallzahlen bleibt vieles ungeklärt: Die genauen Ursachen von Long Covid und PAIS sind nach Angaben der Forscher noch nicht ausreichend erforscht. Eine spezifische Therapie existiert bislang nicht, die medizinische Behandlung konzentriert sich derzeit auf die Linderung einzelner Symptome statt auf eine ursächliche Heilung.
Die Ergebnisse aus Halle unterstreichen damit, dass langanhaltende Folgen von Atemwegsinfektionen kein Randphänomen sind, sondern einen relevanten Anteil der Bevölkerung betreffen – mit spürbaren Auswirkungen auf Alltag, Arbeitsfähigkeit und Gesundheitsversorgung, deren vollständige Erforschung nach Einschätzung der Studienautoren noch aussteht.
