PAIN, Wochen

PAIN 2.0: Zehn Wochen Therapie zeigen Wirkung noch neun Monate später

Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 13:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Interdisziplinäre Therapien zeigten anhaltende Verbesserungen; bei Migräne schnitten Erenumab und Atogepant besser ab als Topiramat.
Ein minimalistischer, lichtdurchfluteter Raum in einer medizinischen Einrichtung mit einem leeren Sessel und Blick ins Grüne. Illustration mit AI erstellt.

Auf dem Deutschen Schmerzkongress 2026 in Mannheim, der vom 21. bis 24. Oktober unter dem Motto „Wandel bewegt“ stattfand, diskutierten rund 1.800 Experten über zeitgemäße Strategien in der Behandlung chronischer Beschwerden.

Im Zentrum der Fachgespräche standen Methoden, mit denen Betroffene durch psychologisches Training und physikalische Therapien ihre Toleranz gegenüber Schmerzen aktiv steigern können. Kongressdaten verdeutlichen die Relevanz dieser Ansätze: Rund 17 Prozent aller Menschen leiden an lang anhaltenden chronischen Schmerzen, wobei die durchschnittliche Leidensdauer etwa sieben Jahre beträgt.

Die Prävalenz von Fibromyalgie liegt bei über 2 Prozent. Drei von vier Menschen mit chronischen Schmerzen berichten zudem über Schlafstörungen; bei chronischer Insomnie gilt die kognitive Verhaltenstherapie als Behandlungsform der ersten Wahl.

Interdisziplinäre Programme und umfeldbezogene Faktoren

Einen Schwerpunkt der Debatte bildeten multimodale Behandlungsprogramme, die körperliche und psychologische Interventionen kombinieren. Das am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) in Lübeck durchgeführte und vom Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) geförderte Projekt PAIN 2.0 untersuchte ein zehnwöchiges Programm zur ambulanten interdisziplinären multimodalen Schmerztherapie (A-IMST).

Die Maßnahme verbesserte die Gesundheitskompetenz und senkte Schmerzen sowie Risikofaktoren. Studienleiterin Dr. Ulrike Kaiser berichtete, dass diese Verbesserungen bis zu neun Monate nach dem Abschluss nachweisbar blieben.

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Ein Konsortium aus der Deutschen Schmerzgesellschaft und der Barmer, an dem 22 Einrichtungen beteiligt sind, hat den entsprechenden Ergebnisbericht dem G-BA vorgelegt und strebt eine Übernahme des Konzepts in die Regelversorgung an.

Ergänzend wurden auf dem Kongress technische und lebensweltliche Ansätze thematisiert. Erste Untersuchungen zum Einsatz von Virtual Reality zeigten signifikante Schmerzreduktionen, wenngleich die Datenlage zur Wirksamkeit derzeit noch begrenzt ist.

Eine Studie des UKSH Kiel mit 30 gesunden Erwachsenen legte zudem dar, dass ein Spaziergang im Grünen schmerzbezogene Ängste signifikant stärker linderte als ein Gang durch bebaute Stadtgebiete, während sich bei der reinen Schmerzintensität keine signifikanten Unterschiede zeigten.

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Neurobiologische Mechanismen und medikamentöse Therapien

Die Mechanismen hinter Schmerzreaktionen beleuchtete unter anderem eine Beobachtungsstudie der University of California San Diego mit 114 Erwachsenen, die seit mindestens drei Monaten an Rückenschmerzen litten. Nach einer bewegungsinduzierten Schmerzverstärkung durch zehnsekündiges Beinheben stieg die angegebene Schmerzintensität um durchschnittlich 23 Prozent.

Mittels funktioneller Magnetresonanztomographie stellten die Forschenden eine erhöhte Aktivität im sogenannten Default-Mode-Netzwerk fest, während ein kurzer Hitzereiz an den Waden zu einer verringerung der Aktivität in einem Teil des Netzwerks führte. Die Studienautoren betonten, dass es sich hierbei um eine Korrelation und nicht um einen Kausalitätsnachweis handelt.

Neben verhaltenstherapeutischen und physikalischen Verfahren diskutierten die Fachleute in Mannheim auch medikamentöse Fortschritte bei spezifischen Schmerzsyndromen.

Bei Migräne, von der in Deutschland 15 Prozent der Frauen und 6 Prozent der Männer – unter den berufstätigen Frauen 25 bis 30 Prozent – betroffen sind, zeigten Vergleichsstudien Vorteile für neuere Behandlungsoptionen: Der CGRP-Rezeptorantikörper Erenumab sowie das Gepant Atogepant erwiesen sich dem Wirkstoff Topiramat sowohl in der Wirksamkeit als auch in der Verträglichkeit als überlegen.

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de | wissenschaft | 70420105 |