Pacte Dutreil kostet Frankreich 111 Mrd. € in 30 Jahren
Veröffentlicht am: 22.09.2026 um 17:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Angesichts der angespannten Haushaltslage in Frankreich hat Oxfam France in Berichten vom 22. September 2026 eine weitreichende Reform der Erbschaftssteuer vorgeschlagen.
Die Organisation fordert eine stärkere steuerliche Belastung sogenannter Super-Erbschaften, um signifikante Mehreinnahmen für den staatlichen Haushalt zu generieren. Im Zentrum der Kritik steht dabei ein seit Jahrzehnten etablierter Mechanismus zur Steuererleichterung bei Unternehmensübertragungen.
Kritik am Pacte Dutreil und steuerliche Ungleichheit
Oxfam France stellt in seinen Analysen insbesondere den seit dem Jahr 2003 existierenden Pacte Dutreil infrage. Diese Regelung ermöglicht bei der Übertragung von Unternehmen eine Steuerbefreiung in Höhe von 75 Prozent.
Laut dem Bericht der Organisation lagen die durch diesen Pakt begünstigten Übertragungen im Durchschnitt der letzten vier Jahre bei rund 3 Mrd. € pro Jahr. Im Jahr 2024 wurde laut Angaben des Cour des comptes ein Spitzenwert von 5,5 Mrd. € erreicht.
Die Organisation prognostiziert, dass die Übertragung von Vermögen französischer Milliardäre im Alter von über 70 Jahren über das Dutreil-System den Staat in den kommenden 30 Jahren mehr als 111 Mrd. € kosten könnte. Cécile Duflot von Oxfam France bezeichnete den Mechanismus als ein Werkzeug für Super-Erbschaften und sprach von einer massiven Möglichkeit zur Steuerbefreiung für extrem hohe Vermögenswerte.
Ein wesentlicher Kritikpunkt ist die ungleiche Verteilung der Steuerersparnisse. Den Daten von Oxfam France zufolge sparten die 110 am stärksten begünstigten Empfänger – dies entspricht etwa einem Prozent der Betroffenen – im Jahr 2024 durchschnittlich jeweils 30 Mio. € an Steuern ein.
Im Gegensatz dazu lag die Ersparnis bei der ärmeren Hälfte der Begünstigten im Schnitt unter 40.000 €. Bei sogenannten Super-Erbschaften im obersten Promillebereich (Top 0,1%), die durchschnittlich 13 Mio. € betragen, liege der effektive Steuersatz bei rund 10 Prozent, obwohl der theoretische Spitzensteuersatz 45 Prozent beträgt.
Vorschläge zur Deckelung und Neuausrichtung
Zur Korrektur dieser Schieflage schlägt Oxfam France eine Deckelung der Dutreil-Befreiung auf 1 Mio. € pro Empfänger vor. Einer Analyse vom 22. September 2026 zufolge würden damit 90 Prozent der bisherigen Begünstigten außerhalb der Neuregelung bleiben, während der Staat jährlich über 3 Mrd. € zurückgewinnen könnte. Eine solche Deckelung würde die Kosten für den Staat um über 65 Prozent senken.
Der Pacte Dutreil befreit Unternehmensübertragungen seit 2003 zu 75 Prozent von der Steuer — laut Oxfam France könnten daraus über 111 Mrd. € Mindereinnahmen in 30 Jahren entstehen. Wer seine Nachfolge plant, sollte die Reformvorschläge kennen, bevor sie zum Gesetz werden. Kostenlosen Steuer-Report anfordern
Zusätzlich empfiehlt die Organisation, die Steuerbefreiung von 75 Prozent auf 50 Prozent zu senken und die Begünstigung auf rein berufliche Aktiva zu beschränken. Eine Reform sollte zudem an den Erhalt von Arbeitsplätzen gekoppelt werden und eine jährliche statistische Erfassung vorsehen.
Oxfam France wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass industrielle kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sowie mittelständische Unternehmen (ETI) – die eigentliche Zielgruppe des Pakts – lediglich 13 Prozent der übertragenen Unternehmen ausmachen.
Wirtschaftlicher Kontext und politischer Widerstand
Die Forderungen fallen in eine Phase erheblichen Konsolidierungsbedarfs. Laut der Direction générale du Trésor stieg das französische Defizit von 2025 auf 2026 von 5,1 Prozent auf 5,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP).
Die Schuldenquote kletterte im gleichen Zeitraum von 115,7 Prozent auf 119,3 Prozent des BIP. Amélie de Montchalin, die neue Präsidentin des Cour des comptes, prognostizierte für das Jahr 2026 einen Schuldendienst von fast 80 Mrd. €, der bis 2030 auf möglicherweise 100 Mrd. € steigen könnte.
Oxfam France argumentiert, dass eine Reform der Erbschaftssteuer einen Großteil der für den kommenden Haushalt geplanten Einsparungen in Höhe von 54 Mrd. € finanzieren könnte.
Zudem verwies die Organisation auf die sogenannte Zucman-Steuer, die eine zweiprozentige Abgabe auf Vermögen über 100 Mio. € vorsieht. Eine Umfrage aus dem Jahr 2024 verdeutlicht zudem den Rückhalt in der Bevölkerung: Demnach unterstützten 59 Prozent der Franzosen höhere Erbschaftssteuern für Ultra-Reiche.
Trotz des Drucks signalisierte die Politik bisher wenig Bereitschaft für fundamentale Änderungen. Laut Layla Abdelke Yakoub von Oxfam France beabsichtige Premierminister Sébastien Lecornu nicht, den Pacte Dutreil anzutasten.
Die 110 meistbegünstigten Empfänger sparten 2024 im Schnitt je 30 Mio. €, während die ärmere Hälfte unter 40.000 € blieb — und der Premierminister will den Mechanismus nicht antasten. Dieser Report zeigt, welche Spielräume die aktuelle Rechtslage Unternehmern und Erben noch lässt. Analyse zur Erbschaftsplanung sichern
Die französische Regierung hatte das Instrument im Budget 2026 bereits moderat verschärft, indem unter anderem Luxusgüter wie Yachten oder Rennpferde aus der Bemessungsgrundlage entfernt und die Haltefrist von vier auf sechs Jahre erhöht wurden.
Weitere Reformen lehnt die Regierung derzeit ab. Der Cour des comptes rief jedoch kurz vor der Prüfung des Haushalts 2027 erneut dazu auf, Steueroptimierungsmechanismen zu entfernen, um die staatlichen Mindereinnahmen zu begrenzen.
