P-Konto-Missstand: Banken blockieren Schutz für 5,7 Millionen
17.06.2026 - 08:31:52 | boerse-global.de
Rund 5,7 Millionen überschuldete Menschen in Deutschland sind auf ein sogenanntes P-Konto angewiesen – doch viele Banken missachten die gesetzlichen Vorgaben systematisch.
Sozialverbände und Verbraucherschützer schlagen Alarm. Anlässlich der bundesweiten Schuldnerberatungs-Aktionswoche (15. bis 19. Juni 2026) berichten Organisationen wie die Arbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung der Verbände (AG SBV) und die Arbeiterwohlfahrt (AWO) von gravierenden Missständen. Statt die gesetzlich vorgeschriebene Umwandlung in ein Pfändungsschutzkonto (P-Konto) zügig umzusetzen, blockieren oder verzögern viele Geldhäuser den Vorgang – mit existenziellen Folgen für die Betroffenen.
Verzögerungen und Schikanen als System
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Das Gesetz ist klar: Auf Antrag muss ein Girokonto innerhalb von vier Werktagen in ein P-Konto umgewandelt werden. Der Grundfreibetrag liegt aktuell bei 1.560 Euro monatlich – dieser Betrag ist vor Pfändungen geschützt und sichert das Existenzminimum für Miete, Strom und Lebensmittel.
Doch die Realität sieht anders aus. Verbraucherzentralen aus Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein berichten, dass Banken die Fristen regelmäßig reißen. Besonders perfide: Manche Institute verweigern die Umwandlung schlichtweg, wenn das Konto überzogen ist. Andere verlangen die sofortige Rückzahlung des Dispokredits – eine Forderung, die überschuldete Menschen kaum erfüllen können.
„Wir erleben Fälle, in denen Banken den Zugang zu den geschützten Guthaben wochenlang blockieren", kritisiert ein Sprecher der Verbraucherzentrale Krefeld. Teilweise würden Bankkarten gesperrt oder unzulässige Gebühren für die P-Konto-Führung verlangt.
Jeden Monat bis zu 350.000 Kontopfändungen
Die Dimension des Problems ist gewaltig. Bundesweit werden schätzungsweise 300.000 bis 350.000 Konten pro Monat gepfändet. Allein in Schleswig-Holstein gelten rund 200.000 Menschen – etwa acht Prozent der Bevölkerung – als überschuldet.
Die Koordinierungsstelle Schuldnerberatung des Landes berichtet von akuten Notlagen: „Wenn die Konto-Umstellung zu lange dauert, fehlt den Menschen buchstäblich das Geld fürs Nötigste", so ein Sprecher. Dabei sei die Rechtslage eindeutig: Auch Konten mit negativem Saldo müssten umgewandelt werden, um Sozialleistungen oder Lohn zu schützen.
Politik fordert schärfere Kontrollen
Die Sozialverbände fordern nun Konsequenzen. Roman Schlag, Sprecher der AG SBV, betont: „Banken müssen ihre gesetzlichen Pflichten endlich ernst nehmen. Der Pfändungsschutz darf kein Glücksspiel sein." Die AWO in Halle-Merseburg und andere Regionalverbände verlangen verbindliche Branchenstandards und spürbare Sanktionen für wiederholte Verstöße.
Unterstützung kommt aus der Landespolitik. Sachsens Sozialministerin Petra Köppling sprach sich während der Aktionswoche für klarere Regeln und eine wirksamere Durchsetzung aus. Konkret schlagen die Verbände verpflichtende Schulungen für Bankmitarbeiter und den Ausbau unabhängiger Schuldnerberatungen vor. Denn nur etwa zehn Prozent der Überschuldeten erhalten derzeit professionelle Hilfe.
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Neue Kostenfallen am Horizont
Die Probleme rund um die P-Konten sind nur ein Teil einer angespannten finanziellen Lage für viele Haushalte. Während etwa die neuen Versicherungsregeln ab dem 19. Juni 2026 bestimmte Rechte für Altverträge wahren, zeichnen sich anderweitig Kostensteigerungen ab. Mehrere große Geldhäuser planen ab 2027 gestaffelte Abo-Modelle für Girokonten – eine Entwicklung, die den Zugang zu Bankdienstleistungen für Geringverdiener weiter erschweren könnte.
Hinzu kommen mögliche Änderungen beim Elternunterhalt und die durchschnittlichen Pflegeheimkosten von 3.245 Euro monatlich. Die Schere zwischen Einkommen und Lebenshaltungskosten dürfte sich weiter öffnen – und damit die Zahl derer steigen, die auf den Schutz eines P-Kontos angewiesen sind.
