Ozempic, Wegovy

Ozempic und Wegovy: 43 Prozent der Anwender nehmen zu wenig Eiweiß auf

Veröffentlicht am: 02.11.2026 um 12:45 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Untersuchungen verbinden GLP-1-Behandlungen mit Defiziten bei Eiweiß und Vitaminen sowie Fällen von Mangelernährung.
Eine Nahaufnahme von frischen, gesunden Lebensmitteln wie Mandeln, Brokkoli und Quinoa auf einem Holztisch. Illustration mit AI erstellt.

Medikamente zur Gewichtsreduktion auf Basis von GLP-1-Rezeptoragonisten wie Semaglutid, Ozempic oder Wegovy dämpfen das Hungergefühl massiv. Berichten zufolge verringern diese Präparate die tägliche Kalorienzufuhr um durchschnittlich 16 bis 39 Prozent.

Was vordergründig den gewünschten Gewichtsverlust herbeiführt, birgt jedoch erhebliche gesundheitliche Risiken: Die drastische Drosselung der Nahrungsaufnahme kann direkt in einen Mangel an essenziellen Nährstoffen führen. Die Relevanz dieser Entwicklung ist hoch, da allein in Deutschland rund 4 Millionen Haushalte GLP-1-Medikamente nutzen oder deren Einnahme planen.

Defizite bei Proteinen, Ballaststoffen und Vitaminen

Wissenschaftliche Erhebungen verdeutlichen das Ausmaß der Nährstoffunterversorgung. Eine gemeinsame Untersuchung der Harvard T.H. Chan School of Public Health und der Universität Kopenhagen, veröffentlicht im Journal of Nutrition, belegt einen Mangel an Vitamin B12, Protein und Ballaststoffen unter GLP-1-Anwendern.

Demnach nehmen 43 Prozent der behandelten Personen unzureichend Eiweiß zu sich. Dies hat unmittelbare Folgen für die Körperzusammensetzung: Etwa 25 Prozent des durch GLP-1-Präparate verlorenen Gewichts entfallen auf Muskelmasse.

Zudem zeigen sich deutliche Defizite beim Mikronährstoffhaushalt. Einer Studie der Northwestern University zufolge litt fast jedes sechste Kind im Alter von 10 bis 17 Jahren unter einer GLP-1-Behandlung an einem Vitamin-D-Mangel. Bei über 480.000 untersuchten Erwachsenen trat ein solcher Mangel nach einem Jahr der Behandlung bei 13,6 Prozent auf.

Steigende Klinikfälle durch extreme Kalorienrestriktion

Die Verhaltensänderungen durch Präparate wie Wegovy oder Mounjaro führen mitunter dazu, dass Betroffene kaum noch Nahrung aufnehmen. Liegt der tägliche Energiebedarf beispielsweise bei 1.300 Kilokalorien, die tatsächliche Zufuhr jedoch nur bei 700 Kilokalorien, kann trotz bestehenden Übergewichts eine akute Mangelernährung entstehen. Teilweise müssen Patienten ausdrücklich zum Essen ermutigt werden.

In Südkorea verzeichnete der National Health Insurance Service in den vergangenen drei Jahren einen Anstieg der Mangelernährungsfälle bei 20- bis 30-Jährigen um etwa 45 Prozent. Bei den 20-Jährigen betrug das Plus 49 Prozent, bei den 30-Jährigen 42 Prozent.

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Als Ursache nannte Prof. Oh Sang-woo von der Dongguk University die Nutzung von Abnehmmedikamenten wie Wegovy und Mounjaro bei gleichzeitiger Beschränkung auf teils nur noch eine Mahlzeit am Tag. Betroffene dieser Altersgruppe wurden infolge mangelnder Nahrungszufuhr hospitalisiert.

Gefahren treten auch im Rahmen von Off-Label-Verordnungen zur kosmetischen Gewichtsreduktion auf. Die japanische Arzneimittelbehörde PMDA erfasste in diesem Zusammenhang 28 Fälle gastrointestinaler Symptome (19 unter Mounjaro, 8 unter Rybelsus oder Ozempic, einer unter Victoza), 14 Fälle von Hypoglykämie (13 unter Mounjaro, einer unter Victoza) sowie 11 Pankreatitiden (7 unter Mounjaro, 4 unter Rybelsus oder Ozempic).

Berichtet wurde zudem über drei junge Frauen in ihren 20ern, die infolge einer Off-Label-Nutzung eine Hungerketose beziehungsweise Ketoazidose entwickelten. Eine Betroffene wies zu Beginn einen Body-Mass-Index von 18 auf, bezog das Präparat über einen Online-Dienst und fiel unter schwerer Übelkeit auf einen Wert von 16 ab; alle drei Patientinnen erholten sich.

Die sogenannte Nährstofffalle und Gegenmaßnahmen

In der Fachwelt wird das Phänomen als Nährstofffalle bezeichnet: Wer infolge der Medikation deutlich weniger isst, hat schlicht weniger Gelegenheiten, Protein, Ballaststoffe, Kalzium, Eisen, essenzielle Fette und Vitamine zuzuführen. Ernährungsfachleute weisen darauf hin, dass die Zufuhr von Ballaststoffen meist unzureichend ausfällt.

Während täglich 25 Gramm für Frauen und 30 Gramm für Männer empfohlen werden, erreicht der Durchschnitt der Anwender lediglich die Hälfte dieser Menge. Eine Steigerung könnte gastrointestinale Beschwerden wie Übelkeit, Blähungen oder Verstopfung lindern, wenngleich Protein für den Erhalt der Muskulatur vorrangig bleibt.

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Die alleinige Einnahme von Multivitaminpräparaten reicht nach Einschätzung von Experten nicht aus, um Fehlentwicklungen zu verhindern. Notwendig seien eine gezielte Ernährungsumstellung, gesicherte Proteinzufuhr, Bewegung sowie professionelle Beratung.

Dass der Lebensstil dauerhaft angepasst werden muss, unterstreicht zudem die STEP-1-Studie von Wilding et al. aus dem Jahr 2022: Teilnehmer nahmen im ersten Jahr nach dem Absetzen von Semaglutid durchschnittlich etwa zwei Drittel des verlorenen Gewichts wieder zu.

Bei Personen, die ihre Ernährung konsequent auf protein-, kalzium- und ballaststoffreiche Kost umstellten und begleitend Krafttraining aufnahmen, besserte sich das Wohlbefinden hingegen deutlich.

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