Ovarien, Kernproteine

Ovarien im Alter: 17 Kernproteine zeigen den Umbau nach der Menopause

Veröffentlicht am: 14.10.2026 um 14:02 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Untersuchungen belegen altersbedingte Umbauten und stärkere Immunaktivität in postmenopausalen Ovarien; eine vorbeugende Entfernung gesunder Organe wird nicht empfohlen.

Studien zeigen: Eierstöcke bleiben nach der Menopause biologisch aktiv
Abstrakte, organische Zellstrukturen und mikroskopische Gewebemuster in sanftem, natürlichem Licht. Illustration mit AI erstellt.

Lange galt die Annahme, dass die weiblichen Eierstöcke nach den Wechseljahren ihre biologische Funktion weitgehend einstellen und als inaktives Gewebe im Körper verbleiben. Wissenschaftliche Untersuchungen widerlegen diese Vorstellung zunehmend.

Eine Untersuchung der Northwestern University und des Buck Institute, veröffentlicht im Fachjournal Aging Cell, zeigt, dass postmenopausale Ovarien weiterhin biologisch aktiv sind, sich im Laufe des Alterns strukturell umbauen und eine verstärkte Entzündungs- sowie Immunaktivität entwickeln.

Tiefgreifender molekularer Wandel über Jahrzehnte

Für die Arbeit analysierten die Forschungsteams der Northwestern University und des Buck Institute insgesamt 28 Ovarien von Frauen im Alter zwischen 50 und 75 Jahren. Im Rahmen der molekularbiologischen Untersuchung wurden 5.812 Proteingruppen erfasst. Dabei zeigte sich eine signifikante Verschiebung der Gewebezusammensetzung über die Altersgruppen hinweg.

Während bei Frauen in den 50ern vor allem Strukturproteine dominierten, wiesen Proben von Frauen ab 70 Jahren eine deutlich stärkere Entzündungs- und Immunaktivität sowie einen Abbau der extrazellulären Matrix auf. Die ausgeprägtesten Unterschiede bestanden zwischen Frauen in ihren 50ern und jenen ab 70 Jahren.

Insgesamt charakterisieren 17 Kernproteine diesen biologischen Übergang. Bei den 50- bis 59-Jährigen standen Prozesse der RNA- und DNA-Regulation sowie Strukturproteine im Vordergrund. Im Gegensatz dazu dominierten bei Proben von Frauen ab 70 Jahren Proteine des Lipidmetabolismus, der angeborenen Immunität und der Entzündungsreaktion.

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Zudem wiesen die Wissenschaftler Seneszenz-Signaturen in den postmenopausalen Organen nach. Proteine, die mit Eierstockkrebs in Verbindung gebracht werden, traten bei Frauen in den 60ern am stärksten hervor; bösartige Veränderungen wurden in den untersuchten Geweben jedoch nicht festgestellt.

Wandel zu einem immunähnlichen Organ

Ergänzende Befunde liefert eine Untersuchung im Fachblatt Molecular Human Reproduction. Demnach verharren die Ovarien nach der Menopause nicht in einem Ruhezustand, sondern wandeln sich funktionell in ein immunähnliches, entzündliches Organ um. Die darin ansässigen Immunzellen produzieren pro-inflammatorische Signale, die nach Einschätzung der Fachleute zu altersbedingten Beschwerden beitragen können.

Diese chronische, niedriggradige Entzündung – in der Forschung oft als Inflammaging bezeichnet – steht in Verbindung mit der Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Morbus Alzheimer und Typ-2-Diabetes. Dadurch gerät die traditionelle Sichtweise, post-reproduktive Ovarien seien inert, grundlegend ins Wanken.

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Systemische Effekte und klinische Konsequenzen

Zu ähnlichen Erkenntnissen gelangte die Oklahoma Medical Research Foundation. Wie Dr. Stout von der Stiftung darlegt, setzen die Ovarien nach den Wechseljahren pro-inflammatorische Botenstoffe frei, die über den Blutkreislauf in andere Körperbereiche gelangen. Diese systemische Inflammation sei eng mit kardiovaskulären und weiteren chronischen Erkrankungen verknüpft.

Trotz der nachgewiesenen entzündlichen Prozesse sehen Fachleute keinen Anlass für vorschnelle operative Schritte. Vonseiten der Northwestern University wird betont, dass die aktuellen Resultate keine Rechtfertigung für eine präventive Entfernung gesunder Ovarien liefern.

Auch Dr. Stout von der Oklahoma Medical Research Foundation unterstreicht, dass ein solcher chirurgischer Eingriff bei postmenopausalen Frauen nicht erforderlich sei; stattdessen bedürfe es nun gezielter weiterer Forschung, um die genauen Wechselwirkungen der postmenopausalen Organaktivität vollständig zu verstehen.

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