Otto Group und Sereact: Bis zu 25 KI-Roboter für Logistikzentrum in Polen
Veröffentlicht am: 29.10.2026 um 14:00 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie Otto Group und das Robotik-Unternehmen Sereact haben den zweiphasigen Einsatz von bis zu 25 KI-gesteuerten Doppelarm-Robotern vereinbart. Die Systeme sollen in einem Logistikzentrum des Handelskonzerns in Polen zum Einsatz kommen. Vorgesehen ist zunächst die Implementierung von zehn Systemen, bevor in einer zweiten Phase weitere 15 Roboterarme folgen könnten. Dieser zweite Schritt hängt von den Ergebnissen und Erfahrungen der ersten Phase ab.
Autonome Objekterkennung ohne Vorab-Anlernen
Die eingesetzten Doppelarm-Roboter nutzen das von Sereact entwickelte Modell Cortex für physische künstliche Intelligenz. Die Software ermöglicht es den Maschinen, zuvor unbekannte Objekte im laufenden Prozess zu erkennen und zu handhaben, ohne dass eine produktspezifische Anlernung erforderlich ist. Das Modell wird im Rahmen eines Robotics-as-a-Service-Konzepts durch Sereact betrieben.
Für das Training sowie die Validierung der Systeme greift das Robotik-Unternehmen auf Isaac Sim, Isaac Lab und Cosmos von NVIDIA zurück. Die Ausführung neuer Steuerungsrichtlinien erfolgt dabei auf NVIDIA-Blackwell-Grafikprozessoren.
Teil einer umfassenden Technologieinvestition
Das Vorhaben ist Teil einer mittelfristigen Investitionszusage der Otto Group, die 350 Millionen Euro für Technologie und künstliche Intelligenz vorsieht. Konkrete finanzielle Rahmenbedingungen wie der Vertragswert oder die laufenden Servicekosten für das Projekt in Polen wurden nicht bekannt gegeben. Ebenso nannten die Unternehmen bisher weder einen konkreten Termin für den Beginn des regulären Betriebs noch spezifische Leistungsdaten.
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Für Sereact reiht sich die Kooperation in mehrere jüngere Vereinbarungen ein. Anfang Oktober 2026 hatte das Unternehmen bereits ein Retourenprojekt mit dem Onlinehändler Zalando und dem Logistikdienstleister CEVA Logistics angekündigt. Zudem verständigte sich Sereact im selben Zeitraum auf eine Zusammenarbeit mit Teradyne Robotics beziehungsweise Universal Robots.
Parallele Automatisierungsprojekte in der Industrie
Der Vorstoß der Otto Group fällt in eine Phase, in der Unternehmen der Handels- und Fahrzeuglogistik verstärkt KI-gestützte Systeme im operativen Ablauf erproben:
- Audi und Agile Robots: Auf der NVIDIA GTC Berlin stellten Audi, Agile Robots, Dassault Systèmes und NVIDIA ein gemeinsames Pilotprojekt vor. Im Ingolstädter Werk sollen mobile humanoide Roboter von Agile Robots mit zwei Armen und Rollbasis Teile der Materialsequenzierung im Audi Production Lab automatisieren. Audi verzeichnet täglich rund eine Million Pickvorgänge für die bedarfsgesteuerte Materialversorgung. Vor dem realen Einsatz wird die Intralogistik virtuell über Dassaults DELMIA auf der 3DEXPERIENCE-Plattform sowie NVIDIA Omniverse simuliert. Der KI-Assistent LEO soll dabei Testprozesse von Monaten auf Tage verkürzen.
- AutoLog-Projekt: Volkswagen, die Deutsche Telekom, Unikie und das BIBA schlossen nach einer mehr als zweijährigen Testphase das vom Bundesverkehrsministerium geförderte Projekt AutoLog am Hafen Emden ab. Auf Basis der Norm ISO 23374 für automatisiertes Valet-Parken wurde das autonome Fahren im Mischverkehr erprobt. Unikies Marshalling Solution koordinierte die Fahrzeuge über ein digitales Geländemodell per Edge-Computing im öffentlichen 5G-Netz der Telekom. Im Audi-Werk Ingolstadt wurde zudem das automatisierte Beladen von Bahnwaggons erfolgreich getestet. Die Projektpartner wollen die Ergebnisse für künftige Logistiklösungen nutzen.
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