Osteosarkopenie, Knochen-

Osteosarkopenie: Knochen- und Muskelschwund erhöhen Sturzrisiko um 50 Prozent

Veröffentlicht am: 21.10.2026 um 19:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Digitale Auswertung ergänzt die Knochendichtemessung; Bewegung und koordinierte Nachsorge sind zentrale Bausteine der Versorgung.
Ein heller, minimalistischer medizinischer Untersuchungsraum mit einer leeren Untersuchungsliege und einfallendem Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Anlässlich des Welt-Osteoporose-Tags rücken medizinische Fachkreise und Gesundheitsbehörden aktuelle Strategien zur Erkennung, Behandlung und Nachsorge des Knochenschwunds in den Mittelpunkt. Neben etablierten Messverfahren gewinnen dabei digitale Technologien und der Einsatz von Künstlicher Intelligenz an Bedeutung, um das individuelle Frakturrisiko früher zu identifizieren und schwerwiegende Folgeschäden abzuwenden.

Früherkennung zwischen Standardmessung und Algorithmen

Weltweit wächst die Zahl der Erkrankungen: Lag die globale Prävalenz im Jahr 2022 noch bei 19,7 Prozent, werden für 2030 rund 263 Millionen Betroffene prognostiziert, darunter 154 Millionen Frauen.

In Deutschland leben rund 6 Millionen Menschen mit der Erkrankung, während in Österreich etwa 550.000 Betroffene gezählt werden, von denen nach Angaben der Klinik Güssing 80 Prozent weiblich sind.

Die Basisdiagnostik stützt sich vor allem auf die vom Dachverband Osteologie empfohlene DXA-Knochendichtemessung. Gemäß den Kriterien der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gilt ein T-Wert bis -1 als normal, Werte zwischen -1 und -2,5 definieren eine Osteopenie und Werte ab -2,5 eine Osteoporose. Als reine Früherkennungsmaßnahme ohne vorangegangenen Knochenbruch bleibt die Messung in Deutschland eine Individuelle Gesundheitsleistung (IGeL).

Dass eine rechtzeitige Identifikation herausfordernd bleibt, belegen internationale Erhebungen: Einer Untersuchung aus dem Jahr 2025 zufolge wiesen 80 Prozent der Patienten mit Fragilitätsfrakturen zuvor keine formelle Osteoporose-Diagnose auf, da viele Brüche bereits im Stadium der Osteopenie auftreten.

Forscher der Klinik Universidad de Navarra weisen zudem auf das Phänomen der Osteosarkopenie hin – das gleichzeitige Auftreten von Knochen- und Muskelschwund. Diese Kombination erhöhe das Sturzrisiko um 50 Prozent und verdopple das Frakturrisiko mehr als.

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Da bislang keine Medikamente beide Krankheitsbilder simultan therapieren, setzen wissenschaftliche Ansätze zunehmend auf Algorithmen, die Röntgen- und CT-Aufnahmen automatisiert auf Knochendichte, Muskelverlust und Fetteinlagerungen prüfen.

Medikamentöse Therapien und Sekundärprävention

Nach ersten Knochenbrüchen droht eine Kaskade weiterer Verletzungen: Das Risiko für eine erneute Wirbelfraktur steigt um das Sieben- bis Zehnfache. Im Februar publizierten 64 Spezialisten aus sieben spanischen Fachgesellschaften in den „Archives of Osteoporosis“ einen Konsens zum Management osteoporotischer Wirbelfrakturen. In 44 von 45 Empfehlungen sprachen sich die Experten für eine konsequente Sekundärprävention, frühe Mobilisation und integrierte Nachsorge aus.

Medikamentös kommen antiresorptive Substanzen wie Bisphosphonate oder Denosumab sowie osteoanabole Wirkstoffe wie Teriparatid und Romosozumab zum Einsatz. Fachleute verweisen darauf, dass Denosumab nicht eigenmächtig abgesetzt werden darf, da ein abruptes Beenden zu raschem Knochenverlust führen kann.

Um Behandlungslücken zu schließen, setzen koordinierte Versorgungsmodelle wie die FLS-Einheit am Universitätsklinikum Nuestra Señora de Candelaria auf eine systematische ambulante Betreuung von jährlich fast 2.500 Patienten nach einem Sturzereignis.

Bewegung und Schulung als Basis

Die medizinische Grundlage jeder Therapie bildet die Lebensstilintervention. Da der maximale Aufbau von Knochenmasse etwa bis zum 30. Lebensjahr erfolgt, sind Erwachsene im weiteren Lebensverlauf auf eine tägliche Zufuhr von rund 1.000 Milligramm Kalzium sowie Vitamin D und Bewegung angewiesen.

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Körperliches Training reduziert Frakturen nachweislich um 40 bis 50 Prozent, sofern es über mindestens zwölf Wochen hinweg durchgeführt wird. Eine im Fachjournal „Osteoporosis International“ erschienene Metaanalyse von 19 Studien bestätigt, dass gezielte Bewegung Rumpfkraft, Schmerzwerte und Lebensqualität messbar verbessert.

Programme wie die der hessischen Ersatzkassen verbinden medikamentöse Therapien daher eng mit Sturzprävention und Patientenschulungen. Ergänzend betonen Fachmediziner, dass die WHO-Richtlinie von wöchentlich 150 bis 300 Minuten moderater Bewegung sowie zweitägigem Krafttraining einen zentralen Pfeiler darstellt, um die funktionelle Mobilität langfristig zu sichern.

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