Osteoporose-Diagnostik, SpineQ

Osteoporose-Diagnostik: SpineQ erkennt Frakturen aus vorhandenen CT-Bildern

Veröffentlicht am: 01.10.2026 um 15:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die ausgezeichnete Software wertet vorhandene CT-Aufnahmen aus; Bonescreen meldet den Einsatz in knapp 100 radiologischen Praxen.

Bonescreen erhält Preis für KI-gestützte Osteoporose-Früherkennung
Ein minimalistischer, klinisch sauberer Radiologieraum mit einem modernen bildgebenden Gerät in einer hellen, professionellen Umgebung. Illustration mit AI erstellt.

Die medizinische Diagnostik von Knochenerkrankungen steht vor einem technologischen Wandel. Wie aus Berichten von Ende September 2026 hervorgeht, wurde das Unternehmen Bonescreen für seine innovative Softwarelösung ausgezeichnet, die eine frühzeitige Erkennung von Osteoporose ermöglichen soll.

Der Fachverband VDE DGBMT und die Stiftung Familie Klee verliehen den mit 15.000 Euro dotierten Preis, der alle zwei Jahre vergeben wird, für eine KI-gestützte Technologie zur Auswertung bestehender Bilddaten.

Effiziente Nutzung vorhandener Bilddaten

Die CE-zertifizierte Software SpineQ von Bonescreen setzt an einem zentralen Problem der aktuellen Versorgung an: Laut dem internationalen Osteoporose-Report mit Stand 2021 werden rund 90 % der Fälle in Deutschland und sogar 95 % in der Schweiz erst spät diagnostiziert. Die Lösung analysiert bereits vorhandene Routine-Computertomographien (CT), die ursprünglich aus anderen medizinischen Gründen erstellt wurden.

Dadurch kann die Knochendichte bestimmt und Wirbelkörperfrakturen erkannt werden, ohne dass eine zusätzliche Bildgebung oder eine weitere Strahlenexposition für die Patienten erforderlich ist. Nach Unternehmensangaben wird die Software bereits in knapp 100 radiologischen Praxen in Deutschland eingesetzt. Das Unternehmen plant zudem die Entwicklung einer Patienten-App und prüft die Ausweitung des Screenings auf weitere Krankheitsbilder.

Wissenschaftliche Validierung und technologische Alternativen

Die Wirksamkeit der automatisierten Analyse wurde in mehreren Untersuchungen belegt. Eine im Jahr 2026 veröffentlichte Studie, an der auch Mitgründer des Unternehmens beteiligt waren, untersuchte 3.548 Brust- und Lendenwirbel von 331 Personen. Die Ergebnisse zeigten, dass die Frakturerkennung der Software vergleichbar mit der Beurteilung durch erfahrene Fachleute war oder diese teilweise übertraf.

In einer weiteren Studie mit 192 Personen erwiesen sich die CT-basierten Knochendichtewerte als stärker mit vorhandenen Wirbelfrakturen assoziiert als die herkömmlichen DXA-Werte. Dennoch betonen Fachleute, dass ein solches Screening eine vollständige klinische Diagnostik nicht ersetzt.

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Parallel dazu treibt das Fraunhofer IGD im Verbundprojekt BMDNow die Entwicklung einer ähnlichen Software voran. Das Projekt, an dem auch die Goethe-Universität Frankfurt beteiligt ist, zielt darauf ab, die Knochendichte einzelner Wirbelkörper aus bestehenden CT-Bildern ohne zusätzliches Personal zu bestimmen.

Während der aktuelle Prototyp auf Dual-Energy-CT-Daten basiert, soll künftig auch die Auswertung normaler Single-Energy-CTs möglich sein. Eine Medizinproduktzulassung wird hier in ein bis zwei Jahren angestrebt.

Versorgungsdefizite und Forschungsansätze

Die Relevanz solcher Früherkennungssysteme wird durch aktuelle Marktdaten unterstrichen. Laut dem SCOPE-Report der International Osteoporosis Foundation lebten bereits im Jahr 2019 rund 5,66 Mio. Menschen in Deutschland mit Osteoporose.

Die Deutsche Rheuma-Liga beziffert die Zahl der Betroffenen auf mehr als 4 Mio. Personen. Problematisch bleibt die therapeutische Abdeckung: Eine Fachpublikation zu deutschen Leitlinien weist darauf hin, dass 71 % der Betroffenen keine entsprechende Behandlung erhalten.

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Neben der radiologischen Diagnostik werden derzeit weitere Ansätze erforscht. So untersuchen Wissenschaftler am Universitätsklinikum Würzburg am Beispiel des Multiplen Myeloms, wie mechanische Belastung die Knochenregeneration beeinflussen kann.

In experimentellen Mausstudien konnte gezeigt werden, dass gezielte Belastung die Knochenbildung fördert und das Tumorwachstum bremsen kann. Ein direkter klinischer Nutzen für den Menschen ist hier jedoch noch nicht belegt.

Empfehlungen zur Prävention und Basisversorgung

Für die allgemeine Prävention und Basisversorgung geben Fachgesellschaften klare Richtlinien vor. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) nennt für Erwachsene einen Richtwert von 1.000 mg Kalzium täglich, wobei der Bedarf bei diagnostizierter Osteoporose laut Fachärzten auf bis zu 1.500 mg steigen kann.

Zur Vitamin-D-Versorgung empfiehlt der OSD täglich 400 bis 1.000 IE, während die DGE 800 IE für Erwachsene veranschlagt, sofern keine ausreichende Eigenbildung durch Sonnenlicht erfolgt. Neben der medikamentösen Versorgung bleibt körperliche Bewegung ein wesentlicher Bestandteil der Behandlungsempfehlungen.

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de | wissenschaft | 70210802 |