Osteopenie, TBS

Osteopenie: TBS stuft das Frakturrisiko in bis zu 30 Prozent der Fälle neu ein

Veröffentlicht am: 31.10.2026 um 06:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
DXA bleibt zentral für die langfristige Kontrolle; TBS und Knochenmarker können zusätzliche Hinweise auf Frakturrisiken und Therapieverläufe geben.
Detailaufnahme der porösen, schwammartigen Struktur von Knochengewebe in einer medizinischen Umgebung. Illustration mit AI erstellt.

Die Bestimmung der Knochendichte bildet das zentrale Fundament für die frühzeitige Erkennung und gezielte Behandlung von Knochenstoffwechselstörungen. Eine verringerte Knochenmineraldichte bleibt im klinischen Alltag häufig über lange Zeit symptomlos, bis es zu spontanen Brüchen oder Frakturen bei geringer Belastung kommt.

Fachberichte und wissenschaftliche Übersichtsarbeiten verdeutlichen die Bandbreite der verfügbaren diagnostischen Methoden sowie deren Kriterien zur Risikobeurteilung.

Diagnostische Methoden im technischen Vergleich

Zur Erfassung der Knochenmineraldichte, die den Gehalt an Kalzium und Phosphor pro Knochenvolumen abbildet, stehen unterschiedliche Verfahren zur Verfügung:

  • DEXA (Dual-Energy X-Ray Absorptiometry): Die DXA-Messung gilt in der klinischen Praxis als Referenz- und Goldstandard. Sie erfasst die Knochendichte üblicherweise an der Lendenwirbelsäule und der Hüfte. Das Verfahren zeichnet sich durch eine sehr geringe Strahlenexposition aus, die etwa einem Dreißigstel einer klassischen Thorax-Röntgenaufnahme und rund einem Hundertstel einer quantitativen Computertomographie entspricht.
  • Quantitative Computertomographie (QCT): Dieses Schnittbildverfahren liefert eine echte dreidimensionale Darstellung der Knochendichte und erlaubt die differenzierte Beurteilung von kortikalem und trabekulärem Knochengewebe (Spongiosa). Dem diagnostischen Zugewinn steht eine vergleichsweise höhere Strahlenbelastung gegenüber.
  • Quantitativer Ultraschall (QUS): Ultraschallbasierte Parameter wie die Schallleitungsgeschwindigkeit (SOS) und die Frequenzdämpfung (BUA) bieten eine vollkommen strahlungsfreie Alternative. Die Methode wird vorrangig als Screening-Verfahren eingesetzt, da der genaue Bezug zur absoluten Knochenmasse im Vergleich zu radiologischen Verfahren weniger eindeutig ist.
  • Historische Verfahren: Frühere Techniken wie die Single-Photon-Absorption (SPA), die meist am distalen Radius oder der Ulna angewendet wurde, erfassten lediglich die Kortikalis. Die Dual-Photon-Absorption (DPA) an Wirbelsäule, Hüfte oder Ganzkörper wurde inzwischen weitgehend durch moderne DXA-Systeme abgelöst.

Interpretation von T-Score und Z-Score

Die diagnostische Einordnung der Messergebnisse erfolgt über standardisierte statistische Abweichungswerte. Der T-Score setzt den individuellen Messwert ins Verhältnis zur Knochendichte junger, gesunder Erwachsener:

  • Normalbefund: Ein T-Score von -1,0 oder höher.
  • Osteopenie: Ein T-Score zwischen -1,0 und -2,5 signalisiert eine verminderte Knochendichte als Vorstufe der Osteoporose.
  • Osteoporose: Ein T-Score von -2,5 oder niedriger belegt das Vorliegen einer Osteoporose. Treten bei diesem Wert zusätzlich Fragilitätsfrakturen auf, liegt definitionsgemäß eine schwere Form der Erkrankung vor.

Bei Frauen vor den Wechseljahren sowie bei Männern unter 50 Jahren wird anstelle des T-Scores der Z-Score herangezogen, welcher die Abweichung im Vergleich zu Personen derselben Altersgruppe abbildet.

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Risikofaktoren und klinische Relevanz

Ein erhöhtes Risiko für den Verlust an Knochensubstanz tragen insbesondere postmenopausale Frauen – vor allem ab einem Alter von 65 Jahren – sowie Männer über 70 Jahre. Zu den weiteren Risikofaktoren zählen ein Mangel an Kalzium und Vitamin D, Bewegungsmangel, Untergewicht, Nikotin- und Alkoholkonsum sowie vorangegangene Fragilitätsfrakturen.

Zudem können chronische Grunderkrankungen wie Typ-2-Diabetes, primärer Hyperparathyreoidismus, rheumatoide Arthritis, chronische Nierenerkrankungen und Schilddrüsenstörungen den Knochenabbau beschleunigen. Eine längerfristige Therapie mit Glukokortikoiden steigert das Frakturrisiko ebenfalls.

Kommt es zu Frakturen, erfordert das klinische Management ein dreigleisiges Vorgehen aus adäquater Schmerztherapie, konsequenter medikamentöser Behandlung der Grunderkrankung und gezieltem Rehabilitationstraining. Fachleute betonen dabei, dass verordnete Osteoporose-Präparate keinesfalls eigenmächtig abgesetzt werden dürfen.

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Erweiterte Parameter: Trabekulärer Knochenscore und Umbaumarker

Neben der reinen Flächendichte gewinnen strukturbezogene Parameter an Bedeutung. Ein Positionspapier der Egyptian Academy of Bone and Muscle Health zum trabekulären Knochenscore (TBS) verdeutlichte, dass dieser Strukturwert bei Patientengruppen mit Osteopenie in etwa 25 bis 30 Prozent der Fälle eine präzisere Neueinstufung des Frakturrisikos ermöglicht.

Insbesondere bei sekundären Formen wie der steroidinduzierten Osteoporose oder bei Typ-2-Diabetes weist der TBS oft früher Veränderungen auf als die reine Mineraldichte. Unter osteoanabolen Wirkstoffen wie Romosozumab oder Teriparatid stieg der TBS in Studien über 12 bis 24 Monate um 3,0 bis 5,0 Prozent, während orale Bisphosphonate stabile Werte oder Zuwächse von 1,0 bis 2,0 Prozent zeigten.

Zur kurzfristigen Therapiekontrolle werden zudem biochemische Knochenumbaumarker wie CTX und PINP erforscht. Eine randomisierte Untersuchung an 108 postmenopausalen Frauen unter Bisphosphonattherapie zeigte, dass Marker wie CTX und PINP bereits nach drei Monaten bei über 90 Prozent der therapietreuen Patientinnen ein klares Signal lieferten, während signifikante Veränderungen der Mineraldichte an Hüfte und Wirbelsäule erst nach längeren Beobachtungszeiträumen messbar wurden. Dennoch bleibt die radiologische Densitometrie die unverzichtbare Grundlage für die langfristige Verlaufsbeurteilung.

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