Osteoarthrose: Hemmung von 15-PGDH stößt Knorpelregeneration bei Mäusen an
Veröffentlicht am: 15.10.2026 um 10:30 Uhr | Redaktion boerse-global.deIn der Erforschung von Therapiemöglichkeiten gegen Osteoarthrose gilt der Verlust von Knorpelgewebe bislang als weitgehend irreversibel. Eine im Fachjournal Science publizierte Untersuchung von Forschenden der Stanford Medicine rückt nun einen biologischen Mechanismus in den Mittelpunkt: das Enzym 15-PGDH.
Die wissenschaftliche Arbeit um Nidhi Bhutani und Helen Blau belegt, dass die gezielte Hemmung dieses Proteins Regenerationsprozesse im Knorpelgewebe anstoßen kann.
Altersbedingter Anstieg des Enzyms als Ansatzpunkt
Das Enzym 15-PGDH hemmt natürlicherweise die Knorpelregeneration und verdoppelt sein Vorkommen im Zuge des Alterungsprozesses nahezu. Arthrose gehört zu den häufigsten Gelenkerkrankungen weltweit; nach Angaben der Stanford Medicine ist in den USA etwa jeder fünfte Erwachsene betroffen. In Deutschland leiden laut der Deutschen Arthrose-Hilfe rund fünf Millionen Menschen an Arthrose.
In Versuchen mit gealterten Mäusen verabreichten die Forschenden einen Hemmstoff über den Bauch und direkt in das Kniegelenk. Infolgedessen nahm die Knorpeldicke zu, und es bildete sich neuer hyaliner Knorpel. Neben dem altersbedingten Abbau untersuchte das Team auch posttraumatische Schädigungen.
Bei Mäusen mit einer Läsion, die einem Riss des vorderen Kreuzbandes ähnelt, senkte die Blockade von 15-PGDH die Wahrscheinlichkeit für die Entstehung einer Arthrose erheblich. Bei Menschen führen derartige Verletzungen nach aktuellen Erkenntnissen in rund 50 Prozent der Fälle innerhalb von etwa 15 Jahren zu Gelenkproblemen.
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Effekte in menschlichen Gewebeproben
Die regenerative Wirkung wurde zudem an menschlichem Knorpel überprüft, der Patienten im Rahmen einer Kniegelenkersatz-Operation (Knie-TEP) entnommen worden war. Bereits nach einer Woche zeigte sich im Labor eine reduzierte Aktivität von Genen, die für den Knorpelabbau verantwortlich sind.
Stattdessen setzten gewebliche Aufbauprozesse ein, bei denen echter hyaliner Knorpel entstand. Bemerkenswert ist dabei der zelluläre Mechanismus: Die Regeneration ging von den vorhandenen Knorpelzellen (Chondrozyten) aus und erforderte keine Stammzellen.
Stand der Wirkstoffentwicklung und klinische Studien
Trotz der vielversprechenden Laborbefunde betonen die Forschenden, dass eine Wirksamkeit am lebenden Menschen noch nicht nachgewiesen ist. Hierfür sind gesonderte klinische Studien erforderlich.
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Erste Grundlagen zur Verträglichkeit von 15-PGDH-Inhibitoren liegen jedoch bereits vor. Wie Helen Blau darlegte, belegten Phase-1-Studien zu einem Hemmstoff bei Muskelschwäche bereits die Sicherheit der Substanzklasse bei gesunden Freiwilligen. Das Unternehmen Epirium Bio lizenzierte den oralen 15-PGDH-Hemmer MF-300, für den die US-Gesundheitsbehörde FDA den Status als Prüfpräparat (IND) erteilte.
Nach einer Serie-A-Finanzierungsrunde über 85 Millionen US-Dollar im Dezember 2019 begann im Januar 2025 eine Phase-1-Studie an gesunden Probanden. Im Januar 2026 vorgelegte Ergebnisse mit älteren Teilnehmenden bestätigten, dass der Wirkstoff sicher und biologisch aktiv ist.
Parallel dazu startete die Assiut University in Ägypten am 2. August 2026 eine Beobachtungsstudie (NCT07751263), die die Rolle von 15-PGDH bei Arthrose und Spondylitis ankylosans näher untersucht. Ob der Ansatz künftig als therapeutische Option für betroffene Patienten zur Verfügung stehen wird, hängt von den ausstehenden klinischen Wirksamkeitsstudien zur Knorpelregeneration ab.
