Orthostatische Hypotonie: Bis zu 50 Prozent älterer Menschen betroffen
Veröffentlicht am: 28.10.2026 um 11:09 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie Behandlung von Patienten, die trotz einer bekannten Hypertonie unter episodisch stark abfallendem Blutdruck und Synkopen leiden, erfordert eine sorgfältige Abwägung im klinischen Alltag. Ein Beitrag der Ärztezeitung stellt hierzu ein pragmatisches Vorgehen für die Diagnostik und Therapie vor.
Die Herausforderung besteht darin, kardiovaskuläre Folgeschäden durch dauerhaft erhöhten Blutdruck zu verhindern, ohne gleichzeitig lebensgefährliche Ohnmachten oder Stürze durch akute Hypotonie zu provozieren.
Ursachen und Risiken ausgeprägter Blutdruckschwankungen
Eine zentrale Rolle bei kurzzeitigen Blutdruckabfällen spielt die orthostatische Hypotonie. Wie Universimed berichtete, tritt diese bei bis zu 10 Prozent der Diabetespatienten und bei bis zu 50 Prozent der älteren Menschen auf. Sie ist definiert als ein Abfall des systolischen Blutdrucks um mehr als 20 mmHg oder des diastolischen Werts um mehr als 10 mmHg innerhalb von ein bis drei Minuten nach dem Aufstehen.
Laut Intersana definiert die American Heart Association bereits Werte unter 90 zu 60 mmHg als zu niedrigen Blutdruck. Sinkt der Wert weiter, etwa auf 60 zu 40 mmHg, steigen nach Angaben der Cleveland Clinic die Risiken für Stürze durch Schwindel oder Ohnmacht sowie für eine mangelnde Organversorgung; das MSD Manual warnt in schweren Fällen vor einem Schock.
Auch autonome Fehlregulationen können die Homöostase beeinträchtigen. Nach Angaben von Pro-Nee äußert sich eine Dysautonomie auf Intensivstationen durch unvorhersehbare Wechsel von Hypertonie zu Hypotonie innerhalb von Minuten, oft begleitet von abrupten Herzfrequenzwechseln.
Zudem verweist ein Bericht von Xinhua auf die kardiale Synkope, die durch Herzrhythmusstörungen, organische Herzkrankheiten, koronare Herzkrankheit, Lungenembolie oder Aortendissektion ausgelöst werden kann.
Diagnostische Differenzierung und Überwachungsmethoden
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Für eine verlässliche Beurteilung ist die Abgrenzung von Fehlmessungen und situativen Reaktionen entscheidend. China Medical Hub verweist auf reaktive Tachykardien und Gefäßverengungen durch Sympathikus-Aktivierung beim Weißkittel-Syndrom, weshalb fünf bis zehn Minuten Ruhe und eine Messung auf Herzhöhe erforderlich sind; bei Diskrepanzen zwischen Praxis- und Heimmessungen empfiehlt sich eine 24-Stunden-Langzeitmessung.
Bei unklaren Synkopen liefern erweiterte EKG-Verfahren wichtige Anhaltspunkte. Auf dem ESC-Kongress 2026 vorgestellte Ergebnisse der im New England Journal of Medicine veröffentlichten ASPIRED-Studie untersuchten 2.234 Erwachsene nach einem Notaufnahmeaufenthalt.
Der Vergleich eines 14-tägigen EKG-Wearables mit der Standardversorgung zeigte bei den Synkopenrezidiven nach zwölf Monaten mit 1,37 gegenüber 1,58 Episoden zwar keinen statistisch signifikanten Unterschied. Allerdings wurden in der Wearable-Gruppe klinisch relevante Arrhythmien bei 22 Prozent der Teilnehmenden detektiert, verglichen mit 9 Prozent in der Standardgruppe.
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Die mediane Zeit bis zur Diagnose verkürzte sich von 55 auf 22 Tage. In der Interventionsgruppe erhielten 6,8 Prozent einen Schrittmacher (Standardgruppe: 4,6 Prozent) und 10,8 Prozent Antiarrhythmika (Standardgruppe: 7,3 Prozent).
Feinabstimmung der medikamentösen Therapie
Beim Vorliegen von Blutdruckkrisen und hypotone Phasen warnen Fachberichte davor, Medikamente eigenmächtig abzusetzen. Bei Diabetespatienten empfiehlt Universimed eine antihypertensive Therapie ab Werten von 130/80 mmHg, üblicherweise als Zweifachkombination aus einem Renin-Angiotensin-System-Blocker mit einem Kalziumkanalblocker oder Diuretikum, gefolgt von Laborkontrollen des Kreatinins und Kaliums nach zwei bis vier Wochen.
Zur Einnahmezeit von Antihypertensiva verweisen Auswertungen darauf, dass der Zeitpunkt zwischen morgendlicher und abendlicher Gabe keinen wesentlichen Einfluss auf Herzinfarkte, Schlaganfälle oder das Sterberisiko hat.
Eine Verlegung der Dosis auf den Abend kann zwar bei fehlendem nächtlichen Blutdruckabfall erwogen werden, birgt jedoch bei älteren Personen die Gefahr, das nächtliche Sturzrisiko zu erhöhen. Eine Anpassung sollte daher immer auf fundierten Langzeitmessungen beruhen.
