Organspende: 85% befürworten, aber nur 45% dokumentieren Willen
05.06.2026 - 20:31:07 | boerse-global.de
85 Prozent der Deutschen befürworten Organspenden – aber nur 45 Prozent haben ihren Willen dokumentiert.
Die Jahresbilanz 2025 der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) zeigt die ganze Dramatik: 985 postmortale Spender gaben 3.020 Organe frei. Auf der Warteliste stehen 8.202 Patienten. 679 Menschen starben 2024, während sie auf ein Organ warteten.
Mit rund 12 Spendern pro Million Einwohner liegt Deutschland weit hinter Spitzenreiter Spanien (53,9). Das Universitätsklinikum Würzburg startete im Juni 2026 eine Online-Umfrage. Ziel: herausfinden, warum so viele Befürworter ihre Entscheidung nicht dokumentieren.
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Politischer Druck für die Widerspruchslösung
Die Forderung nach einem Systemwechsel wird lauter. Statt der aktuellen Entscheidungslösung soll künftig jeder automatisch als Spender gelten – es sei denn, er widerspricht aktiv.
Der Bundesrat sprach sich bereits 2024 mit großer Mehrheit dafür aus. Niedersachsens Gesundheitsminister Andreas Philippi drängt auf die Umstellung. Auch der Verein „Leben Spenden e.V.“ unterstützt einen überparteilichen Gesetzentwurf aus der Parlamentsmitte.
Verfassungsbeschwerde gegen neues Transplantationsgesetz
Parallel zur politischen Debatte eskaliert der juristische Streit. Das Bündnis ProTransplant reichte Anfang Juni 2026 Verfassungsbeschwerde ein. Grund: die Novellierung des Transplantationsgesetzes zur Lebendorganspende, die am 1. Juni in Kraft trat.
Das Bündnis hält die neuen Regeln für unzureichend. Sprecherin Zazie Knepper: Die Neuregelung könne die bestehenden Defizite nicht beheben. Die staatliche Schutzpflicht werde verletzt.
Kliniken stemmen sich gegen den Mangel
Trotz der schwierigen Lage arbeiten die Transplantationszentren auf Hochtouren. Das Universitätsklinikum des Saarlandes (UKS) in Homburg transplantierte 2025 unter anderem 21 Lungen und 27 Nieren. Hinzu kamen 724 Hornhautübertragungen. Das angeschlossene Dialysezentrum zählt mit über 10.000 Verfahren jährlich zu den größten Deutschlands.
Am 5. Juni 2026 besuchte Ministerpräsidentin Anke Rehlinger das UKS. Dr. David Schmit betonte auch dort die Bedeutung der Widerspruchslösung für die klinische Praxis.
Das Universitätsklinikum Jena meldete eine intensive Phase im Mai 2026: Innerhalb von acht Tagen gelangen vier Lungentransplantationen. Insgesamt wurden dort bisher neun Lungen transplantiert.
Die Knappschaft Kliniken in Bochum führen bundesweit bei Pankreastransplantationen – 23 Eingriffe im Jahr 2025. Dazu kamen 74 Nierentransplantationen.
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Regionale Diskrepanzen bleiben krass
Die Zahlen aus Niedersachsen sprechen Bände: Ende April 2026 warteten 745 Menschen auf ein Organ. Im gleichen Zeitraum wurden nur 98 Organe gespendet.
Am UKW Würzburg standen bis Ende Mai 2026 rund 200 Patienten auf der Warteliste. Transplantiert wurden 16 Nieren und 11 Lebern. Der Bedarf übersteigt das Angebot dramatisch – und die Politik sucht weiter nach Lösungen.
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