Organalter im Blut: Stanford-Test schätzt Alzheimer-Risiko bis zu 10 Jahre voraus
Veröffentlicht am: 21.10.2026 um 22:35 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie Bestimmung des biologischen Alters einzelner Organe über Blutmarker liefert zunehmend präzise Einblicke in individuelle Gesundheitsrisiken. Forschende der Stanford University stellten in Studien aus den Jahren 2025 und 2026 im Fachjournal Nature Medicine ein Verfahren vor, das über die Analyse von Proteinen im Blut das biologische Alter von elf Organen bestimmt.
Die Analysen zeigen, dass sich das Risiko für Alzheimer, Herzinsuffizienz sowie das allgemeine Sterberisiko auf dieser Grundlage bis zu 10 Jahre im Voraus abschätzen lässt.
Organalterung und Risiken für neurodegenerative Erkrankungen
In einer ersten Untersuchung analysierte das Team der Stanford University Blutproben von fast 45.000 Menschen im Alter zwischen 40 und 70 Jahren. Dabei zeigte sich, dass bei etwa jedem Dritten mindestens ein Organ biologisch deutlich älter oder jünger war als das kalendarische Alter der jeweiligen Person.
Besondere Relevanz besitzen die Erkenntnisse für neurologische Erkrankungen. Bei Personen mit einem stark gealterten Gehirn lag das Alzheimer-Risiko mehr als dreimal so hoch wie bei einem durchschnittlichen Profil.
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In den Daten der UK Biobank, die 44.498 Erwachsene und 2.916 Plasmaproteine für die Bestimmung der elf Organalter umfasste, entsprach dies einer Hazard Ratio von 3,1 für Alzheimer bei einem stark gealterten Gehirn.
Verfügte eine Person hingegen über ein biologisch sehr junges Gehirn, lag der Wert bei einer Hazard Ratio von 0,26. Zudem war das Sterberisiko in den folgenden 15 Jahren bei einem stark gealterten Gehirn fast dreimal so hoch.
Ein beschleunigter Alterungsprozess betrifft jedoch nicht nur das zentrale Nervensystem: Ein gealtertes Muskelprofil ging in einer Folgestudie der Universität mit einer fast 13-mal häufigeren Diagnose von amyotropher Lateralsklerose (ALS) einher.
Einfluss auf die Sterblichkeit und Grenzen der Methode
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Die Auswertungen belegen zudem einen deutlichen Zusammenhang zwischen dem Organstatus und der Lebenserwartung. Ein biologisch junges Gehirn wies in den Daten eine Hazard Ratio für das Sterberisiko von 0,60 auf, was einem Rückgang um rund 40 Prozent entspricht.
Für ein biologisch junges Immunsystem lag der Wert bei 0,58. Waren sowohl Gehirn als auch Immunsystem jung, sank die Hazard Ratio auf 0,44, was einer Verringerung um rund 56 Prozent entspricht.
Traten dagegen mehrere gealterte Organe gleichzeitig auf, stieg das Risiko deutlich an: Bei zwei bis vier alten Organen betrug die Hazard Ratio für das Sterberisiko 2,3, bei fünf bis sieben gealterten Organen 4,5 und bei acht oder mehr gealterten Organen 8,3.
Trotz der deutlichen statistischen Zusammenhänge handelt es sich um eine Beobachtungsstudie ohne Kausalnachweis. Studienleiter Tony Wyss-Coray von der Stanford University verwies darauf, dass der Bluttest derzeit noch nicht klinisch verfügbar sei; ein Einsatz sei möglicherweise in zwei bis drei Jahren denkbar.
Da die Modelle überwiegend an Menschen über 50 Jahren entwickelt wurden, gelten etwaige Handlungsempfehlungen vorerst nur für diese Altersgruppe. Vor einer breiten klinischen Anwendung seien zudem weitere Studien erforderlich.
