Orforglipron, Typ-2-Diabetes

Orforglipron bei Typ-2-Diabetes: Studie zeigt Nichtunterlegenheit zu Insulin

Veröffentlicht am: 02.10.2026 um 18:56 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die Studie belegt vergleichbare kardiovaskuläre Sicherheit gegenüber Insulin glargin; weitere Analysen und Kombinationstherapien ergänzen Lillys klinische Daten.

Eli Lilly: Orforglipron zeigt kardiovaskuläre Nichtunterlegenheit in Phase 3
Ein minimalistisches, modernes klinisches Labor mit wissenschaftlichen Glaswaren auf einem Edelstahltisch. Illustration mit AI erstellt.

Das Pharmaunternehmen Eli Lilly erweitert sein klinisches Profil über die reine Gewichtsreduktion hinaus. Bei der Entwicklung neuer Stoffwechselpräparate rückt die langfristige Behandlung chronischer Erkrankungen in den Mittelpunkt, insbesondere der Einfluss auf das kardiovaskuläre System. Aktuelle Daten aus klinischen Studien verdeutlichen diesen therapeutischen Schwerpunkt.

Studiendaten zu Orforglipron bei Typ-2-Diabetes

Im Rahmen der Phase-3-Studie ACHIEVE-4 untersuchte Eli Lilly den oralen Wirkstoff Orforglipron (Foundayo) im Vergleich zu Insulin glargin. An der Untersuchung nahmen 2.749 Erwachsene mit Typ-2-Diabetes, Übergewicht oder Adipositas sowie einem erhöhten kardiovaskulären Risiko teil. Die mediane Nachbeobachtungszeit betrug 104 Wochen.

Die Ergebnisse, die auf der Jahrestagung der European Association for the Study of Diabetes (EASD) vorgestellt und gleichzeitig in der Fachzeitschrift The Lancet veröffentlicht wurden, zeigten beim kombinierten Endpunkt schwerer kardiovaskulärer Ereignisse (MACE-4) eine Rate von 4,2 Prozent unter Orforglipron gegenüber 5,0 Prozent unter Insulin glargin (Hazard Ratio 0,84; 95%-Konfidenzintervall 0,59–1,20). Damit wurde die Nichtunterlegenheit belegt, eine statistische Überlegenheit zeigte sich jedoch nicht.

Beim MACE-3-Endpunkt lag die Hazard Ratio bei 0,77 (95%-Konfidenzintervall 0,52–1,13; P=0,18). Vorab geplante Analysen ergaben zudem ein um 53 Prozent niedrigeres Risiko für kardiovaskulären Tod sowie ein um 57 Prozent niedrigeres Risiko für Tod jeglicher Ursache.

Hinsichtlich der Stoffwechselkontrolle senkte Orforglipron den HbA1c-Wert nach 104 Wochen um 1,46 Prozentpunkte gegenüber 0,96 Prozentpunkten unter Insulin glargin (nach 52 Wochen: ?1,6 Prozent gegenüber ?1,0 Prozent). Das Körpergewicht verringerte sich nach 104 Wochen um 7,79 Prozent, während es in der Vergleichsgruppe um 1,12 Prozent anstieg (nach 52 Wochen: ?8,8 Prozent gegenüber +1,7 Prozent).

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Unerwünschte Ereignisse führten bei 15,4 Prozent unter Orforglipron und bei 5,4 Prozent unter Insulin glargin zum Therapieabbruch; gastrointestinale Nebenwirkungen traten bei 62,1 Prozent beziehungsweise 14,2 Prozent auf.

Schweregradige Hypoglykämien verzeichneten 6,8 Prozent der Behandelten unter Orforglipron und 19,2 Prozent unter Insulin glargin. In der mindestens 52-wöchigen Behandlungszeit führten unerwünschte Ereignisse bei 10,6 Prozent der Foundayo-Gruppe zum Abbruch. Weitere kardiologische Daten sollen in der Studie ATTAIN-OUTCOMES erhoben werden.

Modellierte Risikoreduktion und Kombinationstherapien

Weitere Befunde lieferte eine in der Fachzeitschrift Diabetes, Obesity and Metabolism veröffentlichte Post-hoc-Analyse der Phase-3-Studie ATTAIN-1 mit 3.127 übergewichtigen oder adipösen Erwachsenen ohne Diabetes über 72 Wochen.

Demnach sank das modellierte 10-Jahres-Risiko für Typ-2-Diabetes gegenüber Placebo um geschätzte 45 Prozent bei 5,5 mg, 50 Prozent bei 9 mg und 57 Prozent bei 17,2 mg Orforglipron.

Bei der Dosierung von 17,2 mg verringerte sich das modellierte 10-Jahres-Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen um geschätzte 18 Prozent; diese Werte beruhen auf Modellrechnungen und nicht auf beobachteten klinischen Ereignissen.

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Parallel dazu treibt das Unternehmen Kombinationstherapien voran. Eine Phase-2-Studie mit 367 Erwachsenen mit Typ-2-Diabetes und Übergewicht oder Adipositas untersuchte EloraTZP (Tirzepatid plus Eloralintid) im Vergleich zu Tirzepatid über 48 Wochen.

Bei wöchentlicher Gabe von 9 mg EloraTZP lag der Gewichtsverlust bei bis zu 23,3 Prozent gegenüber 14,8 Prozent unter 15 mg Tirzepatid. Der HbA1c-Wert sank im Mittel um 2,9 gegenüber 2,4 Prozentpunkten.

Die Abbruchrate bei der wirksamsten EloraTZP-Dosis belief sich auf 27 Prozent, vor allem bedingt durch gastrointestinale Beschwerden, verglichen mit 2,9 Prozent unter Tirzepatid und 16,7 Prozent unter Placebo. In den Kombinationsgruppen lagen die Abbrüche insgesamt zwischen 10,8 und 27,0 Prozent. Phase-3-Studien dazu sind vor Jahresende 2026 geplant.

Globale Initiativen und strategischer Ausbau

Flankierend zu den klinischen Entwicklungen kündigte Eli Lilly das Programm „Change the Course Commitment“ an. Bis 2040 beabsichtigt der Konzern, in ressourcenarmen Regionen ebenso viele Menschen mit innovativen Diabetes- und Adipositasmedikamenten zu versorgen wie in Ländern mit hohem Einkommen.

Nach Unternehmensangaben leben vier von fünf Erwachsenen mit Diabetes sowie sieben von zehn mit Adipositas in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen. Das frühere Programm Lilly 30x30 erreichte im Jahr 2025 rund 40 Millionen Menschen.

Zur Erweiterung des Portfolios vereinbarte Lilly zudem im April die Übernahme von Kelonia für bis zu 7 Milliarden US-Dollar, davon 3,25 Milliarden US-Dollar als Vorabzahlung.

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