Orales Allergiesyndrom: 70% der Pollenallergiker betroffen
Veröffentlicht am: 22.09.2026 um 06:23 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Sensibilisierung für Lebensmittelunverträglichkeiten hat in den vergangenen Jahren deutlich zugennen. Experten weisen jedoch darauf hin, dass neben einer tatsächlichen Zunahme klinisch relevanter Fälle auch die Zahl der rein subjektiv empfundenen Unverträglichkeiten gestiegen sei.
Berichte vom September 2026 verdeutlichen die Komplexität der Diagnose und geben Einblicke in moderne Bewältigungsstrategien bei Reaktionen auf Milch, Brot oder Obst.
Differenzierung zwischen Allergie und Unverträglichkeit
Ein wesentlicher Aspekt bei der Einordnung von Beschwerden ist die Unterscheidung zwischen einer echten Lebensmittelallergie und einer Unverträglichkeit. Während bei einer Allergie das Immunsystem auf bestimmte Inhaltsstoffe reagiert, liegt einer Unverträglichkeit häufig ein Mangel an spezifischen Enzymen zugrunde.
Laut Fachleuten sind in Deutschland lediglich etwa 4 % der Bevölkerung von einer tatsächlichen Lebensmittelallergie betroffen. Demgegenüber leiden rund 21 % der Erwachsenen an einer Nahrungsmittelallergie oder einer Unverträglichkeit.
Bei einer Gemüseunverträglichkeit treten Symptome wie Blähungen, krampfartige Bauchschmerzen, Durchfall oder Völlegefühl meist erst Stunden nach dem Verzehr auf, da die Reaktion primär im Dickdarm erfolgt. Als besonders schwer verdaulich gelten Kohlarten, Zwiebelgewächse und Hülsenfrüchte.
Eine Sonderform stellt das orale Allergiesyndrom dar, das etwa 70 % der Baumpollenallergiker betrifft. Hierbei führen hitzeempfindliche Proteine in rohem Obst oder Gemüse zu Brennen auf der Zunge oder Schwellungen im Rachenraum; gekochte Speisen werden hingegen meist problemlos vertragen.
Herausforderungen bei Gluten-Reaktionen und Diagnostik
Ein zentrales Thema der aktuellen Forschung ist die Wirkung von Gluten, einem Gemisch aus Prolaminen und Glutelinen, das in Getreidesorten wie Weizen, Dinkel oder Roggen vorkommt. Experten unterscheiden hier drei Reaktionstypen: die genetisch bedingte Autoimmunerkrankung Zöliakie, die Nicht-Zöliakie-Gluten- bzw. Weizensensitivität sowie die IgE-vermittelte Weizenallergie.
Für eine fundierte Diagnose der Zöliakie sind laut Fachberichten Blutuntersuchungen auf Antikörper sowie eine Dünndarmspiegelung notwendig. Diese Untersuchungen seien jedoch nur aussagekräftig, wenn im Vorfeld ausreichend glutenhaltige Lebensmittel konsumiert wurden.
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Experten raten dringend davon ab, auf Internet-Selbsttests zu vertrauen. Bei Beschwerden sollte stets der Weg über den Hausarzt gewählt werden. Apotheken bieten zudem spezialisierte Beratung an, wenn Unverträglichkeiten gegenüber Hilfsstoffen in Medikamenten wie Laktose oder Sorbitol vorliegen.
Ernährungsstrategien und glutenfreies Backen
Der Verzicht auf glutenhaltige Lebensmittel erfordert eine gezielte Auswahl von Ersatzprodukten. Diese seien oft reicher an Fett und Zucker, dafür jedoch ärmer an Ballaststoffen, B-Vitaminen und Eisen. In der klinischen Forschung werden derzeit Enzyme und Medikamente untersucht, die künftig neue Therapieansätze bieten könnten.
Beim Backen ohne Gluten stellt die fehlende elastische Struktur des Klebereiweißes eine Hürde dar. Als Bindemittel gelten Flohsamenschalen als technischer Goldstandard, alternativ können Xanthan oder Chiasamen genutzt werden.
Für optimale Ergebnisse wird eine Mehlmischung aus 30 % Vollkornmehl, 40 % neutralem Mehl und 30 % Stärke empfohlen. Da glutenfreie Teige klebriger sind, sei der Einsatz einer Küchenmaschine sowie ein Dampfstoß beim Backvorgang für die Krustenbildung ratsam.
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Einfluss der Ernährung auf die allgemeine Gesundheit
Unabhängig von spezifischen Unverträglichkeiten unterstreichen Ernährungsmediziner die präventive Kraft der Nahrungswahl. Matthias Riedl erläuterte in diesem Zusammenhang, dass die Ernährung die Blutfettwerte im Durchschnitt um 10 bis 20 %, in Einzelfällen sogar um bis zu 50 % senken könne.
Zur Förderung der Gesundheit und Senkung des kardiovaskulären Risikos wird der tägliche Verzehr einer Handvoll ungesalzener Nüsse sowie die Aufnahme von mindestens 30 Gramm Ballaststoffen pro Tag empfohlen. Letzteres sei insbesondere bei einer glutenfreien Ernährung von hoher Bedeutung, um Nährstoffdefizite auszugleichen.
