Oraler, PCSK9-Hemmer

Oraler PCSK9-Hemmer: Lipfendra senkt LDL nach 24 Wochen um bis zu 59 Prozent

Veröffentlicht am: 11.10.2026 um 01:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Lipfendra senkte LDL in Studien um 56 bis 59 Prozent; Obicetrapib erhielt die EU-Zulassung, während Evolocumab-Auswertungen Nutzen und Grenzen zeigen.

Neue Cholesterinsenker: Orale PCSK9-Tablette und weitere Therapien im Fokus
Ein klinisches Labor mit medizinischen Analysegeräten und einer Zentrifuge in einer sterilen Umgebung. Illustration mit AI erstellt.

Pharmaunternehmen intensivieren die Entwicklung neuartiger Wirkstoffe zur Reduktion von LDL-Cholesterin, um das Risiko kardiovaskulärer Ereignisse nachhaltiger zu senken. Im Fokus stehen dabei insbesondere orale Darreichungsformen von PCSK9-Inhibitoren.

Mit der im Jahr 2026 erteilten Genehmigung für Lipfendra durch die US-amerikanische Food and Drug Administration (FDA) steht der weltweit erste orale PCSK9-Inhibitor bereit. Das Präparat wurde für Patienten mit schwer kontrollierbarem Cholesterinspiegel zugelassen, insbesondere für Betroffene mit heterozygoter familiärer Hypercholesterinämie.

Orale PCSK9-Hemmung erreicht Effekte injizierbarer Therapien

Klinische Phase-Studien mit 3.207 erwachsenen Teilnehmern belegen das Potenzial des neuen oralen Ansatzes. Bei einer einmal täglichen Einnahme über einen Zeitraum von 24 Wochen senkte Lipfendra das LDL-Cholesterin um 56-59 Prozent.

Diese Reduktion trat auch bei Patienten auf, die bereits die maximal tolerierte Dosis an Statinen einnahmen. Damit erzielt die Tablette eine Senkung, die mit den etablierten, injizierbaren PCSK9-Inhibitoren vergleichbar ist.

Fachleute ordnen das Medikament jedoch vorerst nicht als Erstlinientherapie ein. Kardiologen wie Dr. Ambuj Roy vom AIIMS Delhi verweisen auf eine erreichbare LDL-Senkung von etwa 50-60 Prozent, sehen den Einsatz aber vor allem in spezifischen Behandlungssituationen. Die Verfügbarkeit außerhalb der USA bleibt zudem schrittweise: Für eine Markteinführung in Indien ist beispielsweise eine eigenständige Zulassung durch die Behörde CDSCO erforderlich.

Zulassung für CETP-Hemmer und neue Daten zu Antikörpern

Parallel zur oralen PCSK9-Blockade erweitern andere Substanzklassen das therapeutische Spektrum. Die EU-Kommission erteilte die Zulassung für den First-in-class-CETP-Hemmer Obicetrapib.

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Das Medikament wurde sowohl als Monotherapie unter dem Namen Ubeslo (10 mg) als auch als Fixkombination mit Ezetimib (10 mg + 10 mg) unter dem Namen Evlarco freigegeben. Die Zulassung gilt für Erwachsene mit primärer Hypercholesterinämie, einschließlich heterozygoter familiärer Hypercholesterinämie, sowie mit gemischter Dyslipidämie.

In den Phase-III-Studien BROADWAY, BROOKLYN und TANDEM verringerte Obicetrapib als Monotherapie das LDL-Cholesterin im Vergleich zu Placebo um bis zu 40 Prozent. In Kombination mit Ezetimib lag die Senkung bei rund 50 Prozent.

Zudem reduzierte der Wirkstoff Apolipoprotein B um 20-30 Prozent und Lipoprotein(a) um 40-50 Prozent, steigerte das HDL-Cholesterin und zeigte ein Nebenwirkungsprofil auf Placeboniveau. Die Phase-III-Studie PREVAIL, welche die kardiovaskulären Endpunkte (MACE) untersucht, läuft derzeit noch.

Auch für bereits etablierte Injektionstherapien liegen umfassende Auswertungen vor. Eine in der Fachzeitschrift Health Science Reports veröffentlichte Meta-Analyse untersuchte den PCSK9-Hemmer Evolocumab bei etablierter kardiovaskulärer Erkrankung.

Die Analyse umfasste neun randomisierte Studien mit 67.662 Patienten – davon 34.618 unter Evolocumab und 33.044 unter Placebo oder Standardtherapie –, darunter die Studien FOURIER, FOURIER-OLE und EVOPACS.

Evolocumab senkte das LDL-Cholesterin um 57,73 mg/dl, das Gesamtcholesterin um 52 mg/dl und die Triglyceride um 21 mg/dl. Das HDL stieg um 3,7 mg/dl, während die Senkung von Lipoprotein(a) um 11 mg/dl statistisch nicht signifikant ausfiel.

Hinsichtlich kardiovaskulärer Endpunkte ergab sich ein MACE-Risikoverhältnis von 0,53, das nach dem Ausschluss kleinerer Studien bei 0,84 lag. Herzinfarkte nahmen um 26 Prozent ab, koronare Revaskularisationen um 20 Prozent und Schlaganfälle um 14 Prozent, wobei letzteres grenzwertig signifikant war.

Die kardiovaskuläre Mortalität und Klinikaufnahmen wegen instabiler Angina sanken nicht signifikant. Bezüglich der Sicherheit über mehr als 56.000 Patienten zeigten sich keine Unterschiede bei schweren unerwünschten Ereignissen, Therapieabbrüchen, neurokognitiven oder muskulären Beschwerden sowie neu auftretendem Diabetes.

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Herausforderungen bei Zielwerten und kardiovaskulärem Risiko

Die Bedeutung neuer medikamentöser Optionen unterstreichen aktuelle Daten zur Versorgungslage. Wie der Kardiologe Christoph Weiser am 8. Oktober 2026 bei den Praevenire Gesundheitstagen in Eisenstadt darlegte, beträgt der durchschnittliche LDL-Wert in Österreich 135 mg/dl, während der empfohlene Richtwert für gesunde Personen unter 116 mg/dl liegt. Bei einem Wert von 125 mg/dl trete ein erster Herzinfarkt statistisch im Schnitt mit 64 Jahren auf, bei einem Wert von 80 mg/dl erst mit 100 Jahren.

Allerdings erreichen nach einem Infarkt, Kathetereingriff oder Bypass lediglich 44 Prozent der betroffenen Herzpatienten den geforderten Zielwert von unter 55 mg/dl. Lipide tragen zu 49 Prozent zum Herz-Kreislauf-Risiko bei, gefolgt von Rauchen mit 36 Prozent, psychosozialen Faktoren mit 33 Prozent, Bauchfett mit 20 Prozent, Bluthochdruck mit 18 Prozent und Diabetes mit 10 Prozent.

Therapeutisch senken Statine der ersten Generation den LDL-Wert um 30 Prozent, hochwirksame Statine um 50 Prozent, die Ergänzung mit Ezetimib um 65 Prozent und eine Kombination mit PCSK9-Hemmern um bis zu 85 Prozent. Laut einer IHS-Studie verursacht eine unzureichende Cholesterinkontrolle in Österreich jährlich einen volkswirtschaftlichen Schaden von 1,17 Milliarden Euro.

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