Oracle und Swift: Blockchain soll tokenisierte Einlagen in Zahlungen integrieren
Veröffentlicht am: 30.09.2026 um 02:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Auf der Eröffnungsplenarsitzung der Finanzkonferenz Sibos 2026 in Miami haben Finanzforscher und Technologieanbieter über die Neugestaltung globaler Zahlungssysteme debattiert.
Im Zentrum der Gespräche standen die Auswirkungen von Stablecoins, tokenisierten Einlagen und die Integration von Künstlicher Intelligenz (KI) in Wallet-Funktionen. Ein wesentlicher Fokus lag dabei auf der Interoperabilität zwischen bestehenden Zahlungsnetzen und neuen technologischen Ansätzen.
Effizienzgewinne durch Künstliche Intelligenz im Zahlungsverkehr
Christopher J. Waller, Gouverneur der US-Notenbank Federal Reserve, erörterte die Rolle von Large Language Models (LLMs) bei der Verbesserung von Sicherheitsprozessen. Laut Waller könnten diese Modelle dazu beitragen, Fehlalarme bei Sanktionsprüfungen und der Bekämpfung von Geldwäsche zu reduzieren. KI solle die traditionelle Anomalieerkennung ergänzen, jedoch nicht vollständig ersetzen.
Besondere Aufmerksamkeit widmete Waller sogenannten KI-Agenten, die grenzüberschreitende Zahlungswege und den Devisenumtausch optimieren könnten. Er unterschied dabei zwischen einem agentengestützten Modell, bei dem der Käufer die endgültige Entscheidung trifft, und einem delegierten Modell, in dem Agenten innerhalb vorgegebener Grenzen autonom Transaktionen durchführen.
Während B2B-Einkäufe für solche Automatisierungen prädestiniert seien, verwies Waller auf Risiken durch hohe Transaktionswerte sowie offene Fragen bei Authentifizierung, Haftung und Betrugsschutz.
Dan Katz, Vizegeschäftsführer des Internationalen Währungsfonds (IMF), bezifferte das Volumen grenzüberschreitender Zahlungen auf nahezu 1 Billiarde US-Dollar jährlich. KI-Agenten könnten hierbei Gebühren und Wechselkurse vergleichen sowie Compliance-Aufgaben automatisieren.
Katz betonte jedoch, dass eine sofortige Abwicklung durch tokenisierte Vermögenswerte den Liquiditätsbedarf der Institute erhöhen könnte, da Transaktionen vorab finanziert werden müssten. Zudem warnte er vor Cyberrisiken durch die Konzentration auf wenige Technologieanbieter.
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Integration von Blockchain-Technologie und Tokenisierung
Im Rahmen der Konferenz gab das Technologieunternehmen Oracle am 28. September 2026 bekannt, seine Blockchain-Plattform mit dem Ledger des Finanznetzwerks Swift zu integrieren. Diese Kooperation soll es Banken ermöglichen, tokenisierte Einlagen in bestehende grenzüberschreitende Zahlungsabläufe einzubinden.
Die endgültige Abwicklung der Transaktionen soll dabei weiterhin über traditionelle Korrespondenzbanken oder Echtzeit-Bruttoabrechnungssysteme (RTGS) erfolgen. Einige Funktionen dieser Integration sind für das Geschäftsjahr 2027 geplant.
Swift selbst gab an, das Netzwerk von mehr als 11.500 Instituten in über 200 Ländern weiterzuentwickeln. Bereits im Juli bereiteten sich demnach 17 Banken weltweit auf Pilotprojekte für Live-Transaktionen vor.
Jane Fraser, CEO der Citigroup, wies darauf hin, dass rund 70 % der von Kunden gemeldeten Probleme auf gebundene Liquidität zurückzuführen seien, wobei rechtliche Rahmenbedingungen und Authentifizierungsfragen weiterhin Herausforderungen darstellten.
Regulatorische Entwicklungen und der digitale Euro
Auch die Europäische Zentralbank (EZB) nutzt den Zeitraum der Konferenz für Fortschritte bei digitalen Währungen. Die EZB startete eine neue Innovationsphase zur Vorbereitung eines möglichen digitalen Euro.
Organisationen aus der EU können sich bis zum 9. November 2026 für die Teilnahme an Tests bewerben, die von Januar bis Juni 2027 geplant sind. Dabei sollen Anwendungen wie Mikropayments, bedingte Zahlungen und die Interaktion mit KI-Agenten geprüft werden.
Ein Pilotprojekt mit 36 Zahlungsdienstleistern soll in der zweiten Jahreshälfte 2027 beginnen. Eine Entscheidung über die tatsächliche Ausgabe eines digitalen Euro steht jedoch noch unter dem Vorbehalt der EU-Gesetzgebung.
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Marktrisiken und wirtschaftliche Auswirkungen
Ein Bericht von Capgemini vom 24. September 2026 warnt unterdessen vor erheblichen Erlösrisiken für traditionelle Finanzinstitute. Bis zu 230 Milliarden US-Dollar oder etwa 10 % der weltweiten Zahlungserlöse könnten durch den Aufstieg von Stablecoins und digitalen Zentralbankwährungen (CBDCs) gefährdet sein. Betroffen seien insbesondere Devisenmargen und Transaktionsgebühren.
Torsten Slok, Chefökonom von Apollo, warnte zudem vor den Folgen automatisierter Finanzentscheidungen durch KI. Er erläuterte, dass KI-Agenten Haushaltsgelder automatisiert von niedrig verzinsten Girokonten mit durchschnittlich 0,1 % Zinsen in höher verzinsliche Angebote von bis zu 5 % umschichten könnten. Dies könne Banken den Zugang zu günstigen Einlagen entziehen.
Schätzungen zufolge könnte der Markt für KI-Agenten im Finanzsektor von rund 7,78 Milliarden US-Dollar im Jahr 2026 auf über 43 Milliarden US-Dollar bis 2031 anwachsen.
