Optische Cochlea-Implantate: Göttinger Studie zeigt präzisere Nervensignale
Veröffentlicht am: 05.11.2026 um 22:44 Uhr | Redaktion boerse-global.deForschende der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) unter der Leitung von Prof. Tobias Moser haben im Tiermodell an Mongolischen Rennmäusen nachgewiesen, dass optische Cochlea-Implantate präzisere und besser voneinander unterscheidbare Nervensignale erzeugen als herkömmliche elektrische Systeme.
Die wissenschaftlichen Resultate wurden in der Fachzeitschrift EMBO Molecular Medicine (2026, DOI 10.1038/s44321-026-00541-2) veröffentlicht. Als Erstautor der Forschungsarbeit zeichnet Niels Albrecht verantwortlich.
Limitierungen herkömmlicher Stimulationsverfahren
Klassische Cochlea-Implantate stimulieren den Hörnerv mittels elektrischer Impulse und stellen für viele gehörlose oder hochgradig schwerhörige Menschen die Standardversorgung dar. Diese etablierten Systeme verfügen in der Regel über 12–24 Stimulationskanäle.
Bedingt durch die physikalische Ausbreitung des elektrischen Stroms in der Hörschnecke kommt es jedoch zu Überlagerungen, sodass für die Betroffenen meist maximal zehn dieser Kanäle tatsächlich getrennt voneinander unterscheidbar sind. Diese breite Streuung begrenzt die klangliche Auflösung und erschwert das Sprachverstehen in geräuschvoller Umgebung.
Gezielte Reizung durch optogenetische Technologie
Um diese räumliche Unschärfe zu überwinden, setzte das Forschungsteam auf lichtbasierte Reize. Die an der UMG entwickelten optischen Cochlea-Implantate arbeiten mit bis zu zehn LEDs und erwiesen sich im Experiment als hochgradig selektiv: Sie lösten bereits bei sehr geringer Lichtenergie gezielt voneinander unterscheidbare Nervensignale aus.
Herkömmliche Cochlea-Implantate bieten 12–24 Stimulationskanäle, von denen meist nur maximal zehn getrennt unterscheidbar sind — das begrenzt die klangliche Auflösung und erschwert das Sprachverstehen im Störgeräusch. Der Göttinger Tiermodell-Befund zu lichtbasierter Stimulation ist für Ihre Beratung relevant: Dieser kostenlose Leitfaden ordnet ein, wie optische Systeme Nervensignale trennschärfer auslösen und was die vorausgehende Gentherapie bedeutet. Kostenlosen Leitfaden jetzt anfordern
In der Intensität standen die Lichtreize den etablierten Reizmustern nicht nach. Die durch die LEDs hervorgerufenen Signale fielen etwa so stark aus wie jene, die durch herkömmliche elektrische Impulse oder durch einen akustischen Ton mit einem Schalldruckpegel von 51 dB erzeugt werden.
Für die optogenetische Hörwiederherstellung ist ein zweistufiges Vorgehen erforderlich. Da Nervenzellen von Natur aus nicht auf Licht reagieren, stattete das Göttinger Team den Hörnerv der Versuchstiere gentechnisch mit lichtempfindlichen Ionenkanälen aus.
Zum Einsatz kam hierbei das Channelrhodopsin ChReef. Die optogenetische Wiederherstellung des Hörvermögens setzt somit zwingend eine vorangehende Gentherapie voraus, um die Zielzellen im Innenohr lichtempfindlich zu machen.
Breites Forschungskonsortium
Die Studie entstand im Rahmen einer institutionsübergreifenden Zusammenarbeit. Neben der Universitätsmedizin Göttingen waren auch die Universität Göttingen, das Deutsche Primatenzentrum, das Max-Planck-Institut für Multidisziplinäre Naturwissenschaften sowie die Universität Freiburg an den Untersuchungen beteiligt.
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Die zugrundeliegende Schlüsseltechnologie erfuhr unlängst auch höchste wissenschaftliche Anerkennung: Wie das Nobelpreis-Komitee mitteilte, erhielten die Pioniere der Optogenetik im Jahr 2026 den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin. Die aktuellen Ergebnisse aus dem Tiermodell verdeutlichen, wie dieses biophysikalische Prinzip auf künftige medizinische Anwendungen in der Hörtherapie übertragen werden könnte.
