Opioid-Obstipation, Apotheker

Opioid-Obstipation: Apotheker erhalten neue Fortbildung seit 26. Mai

27.05.2026 - 18:01:07 | boerse-global.de

Der Bundestag beschließt erweiterte Kompetenzen für Apotheker, darunter Impfungen und Blutentnahmen. Digitale Schulungen bereiten auf die neuen Aufgaben vor.

Opioid-Obstipation: Apotheker erhalten neue Fortbildung seit 26. Mai - Foto: über boerse-global.de
Opioid-Obstipation: Apotheker erhalten neue Fortbildung seit 26. Mai - Foto: über boerse-global.de

Mai 2026 das Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG) verabschiedet. Es erweitert die Kompetenzen von Apothekern deutlich. Künftig dürfen sie Impfungen mit Totimpfstoffen durchführen, venöse Blutentnahmen vornehmen und Schnelltests auf Infektionskrankheiten wie Influenza oder Norovirus anbieten.

Das erfordert neues Wissen. Spezialisierte digitale Fortbildungsformate gewinnen daher an Bedeutung. Ein aktuelles Beispiel: Seit dem 26. Mai 2026 steht eine Schulung zur opioid-induzierten Obstipation (OIC) bereit.

Anzeige

Während Apotheken ihre Kompetenzen in der Schmerztherapie erweitern, suchen viele Betroffene nach ergänzenden, natürlichen Wegen zur Linderung. Dieser kostenlose Guide zeigt Ihnen, wie Sie mit gezielten Handgriffen Schmerzen selbst aktiv lindern können. 101 Druckpunkte gegen Arthrose jetzt kostenlos entdecken

Fortbildung für die Schmerztherapie

In einem 18-minütigen Video vermittelt Apothekerin Julia Kohler Wissen zur Pathophysiologie dieser Nebenwirkung. Die Plattform Azerta organisiert das Angebot, unterstützt vom Unternehmen Viatris. Es orientiert sich an aktuellen Leitlinien.

Im Fokus steht die Wirkstoffgruppe der PAMORA – peripher wirkende My-Opioid-Rezeptor-Antagonisten. Herkömmliche Abführmittel helfen bei opioidbedingter Verstopfung oft nicht. Die Kenntnis dieser spezialisierten Medikamentenklasse ist für die Beratung essenziell.

Solche digitalen Formate erlauben zeitlich flexible, evidenzbasierte Vorbereitung auf komplexe Fragen. Angesichts von Fachkräftemangel und hoher Arbeitsbelastung wird das immer wichtiger.

Was die Reform konkret bringt

Das ApoVWG wurde mit der Mehrheit von Union und SPD verabschiedet. Gesundheitsministerin Nina Warken sprach von einem wichtigen Schritt. Das Gesetz stärkt Apotheken finanziell, baut Bürokratie ab und weist neue Kompetenzen zu.

Strukturelle Erleichterungen gibt es auch: Die Gründung von Zweigapotheken wird vereinfacht. PTA dürfen die Apothekenleitung an bis zu 20 Tagen im Jahr übernehmen. Der Notdienst-Zuschuss steigt von 21 auf 41 Cent pro Packung. Für Teilnotdienste abends gibt es einen zusätzlichen Aufschlag.

Anzeige

Die Beratung zu Schmerzmitteln gehört zum Kerngeschäft jeder Apotheke, doch auch die Prävention durch Bewegung gewinnt für Patienten an Bedeutung. Erfahren Sie in diesem Ratgeber, wie einfache Übungen für zuhause Gelenkschmerzen vorbeugen und die Muskulatur stärken. Kostenlosen PDF-Ratgeber mit 6 Übungen hier herunterladen

Doch die finanzielle Situation bleibt angespannt. Seit 2008 mussten bundesweit über 4.000 Apotheken schließen.

Kritik und Forderungen der Verbände

Standesvertreter fordern deutlich mehr Geld. Tatjana Zambo, Präsidentin des Landesapothekerverbandes (LAV), verlangt eine schnelle Anhebung des Apothekenhonorars auf 9,50 Euro pro Packung. Hansjörg Fabritz, Vizepräsident der Landesapothekerkammer (LAK), weist Kritik der Krankenkassen zurück. Die geforderte Erhöhung um 875 Millionen Euro sei ein minimaler Bruchteil der GKV-Ausgaben.

Auch Opposition und Ärzteverbände kritisieren das Gesetz. Mediziner sehen die Ausweitung von Blutentnahmen und Impfungen in Apotheken kritisch.

Rechtliche Hürden bei Fortbildungskosten

Ein Urteil des Bundesarbeitsgerichts vom 12. Oktober 2025 (9 AZR 266/24) schafft Klarheit: Klauseln, die Arbeitnehmer zur Rückzahlung von Fortbildungskosten verpflichten, sind unwirksam, wenn sie auch bei Kündigung wegen dauerhafter Arbeitsunfähigkeit greifen. Solche Regelungen schränken die Berufswahlfreiheit unangemessen ein.

Für Apothekeninhaber bedeutet das: Vereinbarungen über Zusatzqualifikationen müssen rechtlich präzise formuliert sein.

Digitalisierung setzt sich durch

Das Sozialgericht München gab einer Apotheke recht, die über das digitale System Scanacs abrechnete. Die AOK Nordost hatte Zahlungen verweigert. Das Gericht bestätigte: Scanacs ist ein zulässiges Rechenzentrum, die parallele Abrechnung von E-Rezepten und Papierrezepten war rechtmäßig.

Technologische Innovationen in der Apothekenverwaltung werden zunehmend gerichtlich abgesichert.

Europäische Perspektive

Am 27. Mai 2026 wählte der Zusammenschluss der Apotheker in der EU (ZAEU) Mathias Arnold aus Halle an der Saale zum Präsidenten für 2027. Arnold, aktuell Vizepräsident der ABDA, will sich auf den „Critical Medicines Act“ und besseres Management von Lieferengpässen konzentrieren. Das betrifft den Apothekenalltag direkt – die mangelnde Verfügbarkeit von Arzneimitteln bindet derzeit erhebliche Ressourcen.

Die Apotheke im Spannungsfeld

Die Gleichzeitigkeit von neuen Fortbildungen, einer Reform und wirtschaftlichem Druck zeigt eine Branche im Paradoxon. Politik und Gesellschaft fordern die Transformation zur klinischen Dienstleistungsstelle. Formate wie die OIC-Fortbildung sind notwendige Bausteine für diesen Rollenwechsel.

Gleichzeitig bleibt die strukturelle Basis fragil. Die Erleichterungen bei PTA-Vertretung und Zweigapotheken mildern den Fachkräftemangel, lösen aber nicht das Problem sinkender Betriebszahlen. Hinzu kommt: Laut einer Umfrage des IFH Köln (APOkix) bewerten 65 Prozent der Apotheken die Cannabis-Legalisierung negativ. Sie befürchten, dass hinter Medizinalcannabis-Verschreibungen oft Freizeitkonsum steckt.

Ausblick

Die Union kündigte bereits an, im Falle einer Regierungsverantwortung das Skonto-Verbot aufzuheben und die Fixumserhöhung in zwei Schritten bis zum 1. Januar 2027 auf 9,50 Euro umzusetzen. Bis dahin müssen Apotheken die bestehenden Möglichkeiten des ApoVWG nutzen.

Die Professionalisierung durch digitale Fortbildung wird dabei entscheidend sein. Wenn Apotheken flächendeckend Impfungen und Schnelltests anbieten sollen, muss die Expertise in die Breite getragen werden. Der Erfolg der Reform hängt davon ab, ob sich die neuen Aufgaben in wirtschaftlich tragfähige Modelle integrieren lassen – ohne die Kernaufgabe der Arzneimittelversorgung zu vernachlässigen.

So schätzen die Börsenprofis Aktien ein!

<b>So schätzen die Börsenprofis Aktien ein!</b>
Seit 2005 liefert der Börsenbrief trading-notes verlässliche Anlage-Empfehlungen – dreimal pro Woche, direkt ins Postfach. 100% kostenlos. 100% Expertenwissen. Trage einfach deine E-Mail Adresse ein und verpasse ab heute keine Top-Chance mehr. Jetzt abonnieren.
Für. Immer. Kostenlos.
de | wissenschaft | 69427110 |