Operation Hermes: 62 Festnahmen wegen Smartphone-Steuerbetrugs über 410 Millionen Euro
Veröffentlicht am: 09.10.2026 um 09:45 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Bei einem großangelegten Schlag gegen die grenzüberschreitende Wirtschaftskriminalität sind im Rahmen der internationalen Ermittlungen unter dem Codenamen „Hermes“ insgesamt 62 Personen festgenommen worden.
Den Beschuldigten wird ein groß angelegter Umsatzsteuerbetrug beim Handel mit Smartphones und elektronischen Geräten vorgeworfen. Nach Angaben der Europäischen Staatsanwaltschaft (EPPO) belaufen sich die verursachten Umsatzsteuerausfälle in mehreren Mitgliedstaaten der Europäischen Union auf mindestens 410 Millionen Euro.
Die Festnahmen verteilten sich auf drei Länder: 39 Personen wurden in Portugal festgesetzt, 20 in Spanien und drei in Italien. Für alle Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung.
Durchsuchungen in acht europäischen Ländern
Die EPPO koordinierte im Zuge der Operation „Hermes“ mehr als 300 Durchsuchungen in insgesamt acht Staaten. Neben Deutschland, Österreich, Frankreich und den Niederlanden waren auch Italien, Malta, Portugal und Spanien von den Razzien betroffen.
Im Verlauf der Maßnahmen wurden EU-weit Vermögenswerte im Wert von bis zu 310 Millionen Euro beschlagnahmt oder vorläufig eingefroren. Zudem stellten die Einsatzkräfte Bargeld und Goldmünzen im Gesamtwert von bis zu 9 Millionen Euro sicher.
Ein Schwerpunkt der operativen Maßnahmen lag in Portugal. Wie Berichte vom 8. Oktober 2026 darlegen, führten die dortigen Behörden allein 248 Durchsuchungen durch. Dabei beschlagnahmten die Ermittler unter anderem 26 Immobilien, 80 Fahrzeuge sowie Beteiligungen an 18 Unternehmen. Die portugiesische Kriminalpolizei bezifferte den finanziellen Schaden für die Staatskasse des Landes auf mehr als 150 Millionen Euro.
Systematischer Karussellbetrug und Firmengeflechte
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Nach Erkenntnissen der Ermittler agierten im Hintergrund mutmaßlich zwei eng zusammenarbeitende Netzwerke. Diese sollen systematisch sogenannte Missing-Trader-Firmen genutzt haben, um über grenzüberschreitende Lieferketten Umsatzsteuern zu hinterziehen und unberechtigte Steuererstattungen geltend zu machen. Bei den Recherchen ergaben sich zudem Überschneidungen mit den vorangegangenen Großermittlungen „Admiral“ und „Moby Dick“.
Auch in Italien griffen die Behörden ein. Im dortigen Teil der Hermes-Ermittlungen wurden sechs Personen mit Auflagen belegt: Zwei Beschuldigte kamen in Untersuchungshaft, eine Person in Hausarrest, während gegen drei weitere Aufenthaltsauflagen verhängt wurden.
Italienische Ermittler ordneten den präventiven Zugriff auf Vermögenswerte in Höhe von rund 11 Millionen Euro bei acht Beschuldigten und drei Unternehmen an. Dabei wurden auch Gelder auf Schweizer Bankkonten gesichert.
Nach Angaben der italienischen Behörden waren 93 Firmen beteiligt, deren mutmaßliches Volumen an falschen Rechnungen zwischen 2022 und 2025 bei über 450 Millionen Euro lag. Die involvierten Gesellschaften stammten unter anderem aus den Provinzen Bergamo, Mailand, Rom, Salerno, Como und Brescia.
In Abhörmaßnahmen soll ein Beschuldigter damit geprahlt haben, das eigene Unternehmen erwirtschafte 300 Millionen Euro Umsatz, ohne praktisch Umsatzsteuer zu entrichten; die Ermittler wiesen darauf hin, dass es sich dabei um ein abgehörtes Zitat und keinen gerichtlich festgestellten Sachverhalt handelt.
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Ermittlungen der spanischen Steuerbehörden
Parallel dazu berichtete die spanische Steuerbehörde AEAT laut Berichten vom 9. Oktober 2026 über eigene Verfahren in diesem Kontext. Die Behörde untersucht einen mutmaßlichen Umsatzsteuerbetrug von knapp 12 Millionen Euro im Zeitraum von 2019 bis 2025. Ein entsprechendes Firmengeflecht soll Mobiltelefone, Tablets und weitere Hardware vertrieben und die fällige Umsatzsteuer mutmaßlich nicht an den Fiskus abgeführt haben.
Ein Gericht in Málaga prüft den Vorgang, in dem eine in Torre del Mar ansässige Gesellschaft eine Rolle spielt. Gegenstand der Prüfungen sind unter anderem Abwicklungen über E-Commerce-Plattformen, Weiterverkäufe sowie verdächtige Zahlungsströme an Paketdienstleister.

