OpenAI-Werbung: ChatGPT-Anzeigen starten in Japan und Südkorea
19.06.2026 - 15:51:37 | boerse-global.de
Seit dem 19. Juni 2026 können Nutzer der kostenlosen Versionen in Japan und Südkorea gesponserte Inhalte sehen – ein strategischer Schritt zur Finanzierung der teuren KI-Infrastruktur.
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Expansion mit starken Partnern
In Japan setzt OpenAI auf etablierte Größen der Werbebranche. Kooperationen mit Dentsu Digital, Hakuhodo DY ONE und CyberAgent sollen die Vermarktung vorantreiben. Die Anzeigen erscheinen kontextbezogen: Wer etwa nach Rezepten sucht, bekommt Vorschläge von Lebensmittelherstellern.
Der Preis liegt bei umgerechnet rund 5.000 Yen pro 1.000 Einblendungen – ein Wert, der über dem liegt, was Google oder Meta üblicherweise verlangen. Angesprochen werden volljährige Nutzer der Tarife Free und Go, wobei letzterer in Japan etwa 1.400 Yen monatlich kostet.
In Südkorea richtet sich das Pilotprogramm ebenfalls an die unteren Tarifstufen. Der Go-Plan schlägt dort mit umgerechnet rund 13.000 Won (etwa 8 Euro) zu Buche. Höherwertige Abos wie ChatGPT Plus, Pro oder Enterprise bleiben weiterhin werbefrei.
Kim Kyoung-hoon, Sprecher von OpenAI Korea, betont den Grundgedanken: „Werbung soll den Zugang zu KI-Funktionen erweitern, ohne die Nutzer finanziell stärker zu belasten."
Datenschutz als oberste Priorität
OpenAI hat drei Grundsätze für sein Werbeexperiment festgelegt: Die Unabhängigkeit der KI-Antworten muss gewahrt bleiben, der Datenschutz der Nutzer ist zu schützen, und die Kontrolle liegt beim Anwender.
Die Anzeigen sind klar als „gesponserte Inhalte" gekennzeichnet und von den eigentlichen KI-Ergebnissen getrennt. Werbetreibende erhalten keine individuellen Nutzerdaten oder Gesprächsverläufe – nur aggregierte Kennzahlen wie Aufrufe und Klicks.
Besonders wichtig: Bei Minderjährigen oder in Gesprächen über sensible Themen wie Gesundheit, Politik oder Finanzen werden grundsätzlich keine Anzeigen ausgespielt. Nutzer können zudem einzelne Werbeanzeigen ausblenden.
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Globale Expansion und neue Buchungsmodelle
Parallel zum Asien-Start hat OpenAI sein Ads Manager-System nun auch im Vereinigten Königreich geöffnet. Damit ist Großbritannien der fünfte Markt für die Selbstbuchungsplattform – nach den USA, Kanada, Australien und Neuseeland.
Neu eingeführt wurde zudem ein Cost-per-Click-Modell (CPC), das neben dem bisherigen Cost-per-Thousand-Impressions-Modell (CPM) genutzt werden kann. Werbetreibende zahlen also entweder pro Klick oder pro tausend Einblendungen.
Der Werbevorstoß folgt auf einen erfolgreichen US-Pilotversuch, der Berichten zufolge bereits nach sechs Wochen eine jährliche Umsatzrate von 100 Millionen Dollar erzielte. Intern peilt der Konzern für 2030 Werbeeinnahmen von 100 Milliarden Dollar an.
Vom Notnagel zur Einnahmequelle
Die Hinwendung zu Werbung markiert einen bemerkenswerten Strategiewechsel. Noch 2024 hatte CEO Sam Altman Werbung als „letztes Mittel" bezeichnet. Doch der Druck wächst: Die Kosten für KI-Entwicklung und Recheninfrastruktur sind immens.
Hinzu kommt der harte Wettbewerb mit Rivalen wie Google und Anthropic. In manchen Regionen liegt der Marktanteil von ChatGPT unter 50 Prozent, während das Unternehmen weiterhin hohe Verluste schreibt. Die Diversifizierung der Einnahmen gilt als Vorbereitung auf einen möglichen Börsengang.
Frühere Studien zeigten zudem, dass Werbung auf der Plattform durchaus effektiv sein kann: Fast die Hälfte der befragten Nutzer hatte vor der Interaktion mit einer Anzeige keine konkrete Kaufabsicht – die Werbung weckte also erst das Interesse.
