OpenAI-Klage: 19 Zeitungen verlangen die Zerstörung von KI-Modellen
Veröffentlicht am: 12.10.2026 um 23:44 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Verlagsgruppe USA Today Co. und 13 verbundene Unternehmen haben am 8. Oktober 2026 eine umfassende Urheberrechtsklage gegen OpenAI eingereicht. Die beim US District Court for the Southern District of New York anhängige Klage richtet sich gegen sieben Entitäten des KI-Unternehmens (USA Today Co. v. OpenAI Foundation, No. 1:26-cv-08892). Die Kläger fordern Schadenersatz von mehr als 250 Millionen US-Dollar sowie die Vernichtung von betroffenen KI-Modellen und Trainingsdaten.
Umfangreiche Nutzung redaktioneller Texte beanstandet
In der 79-seitigen Klageschrift werfen die Verlage OpenAI vor, urheberrechtlich geschützte redaktionelle Artikel systematisch und unter Umgehung von Bezahlschranken für das Training von Sprachmodellen kopiert zu haben. Laut Klage finden sich allein im Trainingskorpus WebText über 160.000 Einträge aus 19 Zeitungen des Verlagsnetzwerks, wovon rund 83.300 auf USA Today entfallen.
Auch im Datensatz C4 aus dem Jahr 2019 seien über 122 Millionen Tokens der Gruppe enthalten; rund 23 Millionen Tokens entfallen dabei auf usatoday.com, während verknüpfte Domain-Listen sich auf rund 115 Millionen Tokens summieren.
Zudem stützt sich die Klage auf den Digital Millennium Copyright Act (DMCA) mit dem Vorwurf, OpenAI habe Verwaltungsinformationen zum Urheberrecht (Copyright Management Information, CMI) vorsätzlich entfernt.
Die Verlagsgruppe, deren Mutterkonzern ehemals als Gannett firmierte und rund 200 Tages- und Wochenzeitungen umfasst, führt an, dass Modelle wie GPT-5.6 vollständige Artikel reproduzieren. Dies betreffe unter anderem Beiträge von Publikationen wie dem Indianapolis Star und der Detroit Free Press. Indem die Systeme Inhalte wiedergäben oder paraphrasierten, würden Abonnements und Werbeeinnahmen der Medien untergraben.
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Forderung nach Zerstörung von KI-Modellen
Die Kläger verlangen einen Prozess vor einer Geschworenenjury, eine gerichtliche Unterlassungsverfügung, die Abschöpfung erwirtschafteter Gewinne sowie die Übernahme der Anwaltskosten.
Die geforderten Schadenersatzzahlungen belaufen sich auf bis zu 150.000 US-Dollar pro vorsätzlicher Urheberrechtsverletzung sowie 25.000 US-Dollar pro unzulässiger Entfernung urheberrechtlicher Kennzeichnungen. Darüber hinaus fordern die Medienhäuser die Zerstörung sämtlicher GPT-Modelle und Trainingsdaten, die unter Verwendung ihres Materials erstellt wurden.
OpenAI beruft sich in urheberrechtlichen Streitigkeiten auf die US-Doktrin des Fair Use und verweist auf Lizenzvereinbarungen mit anderen Medienhäusern, darunter News Corp, Axel Springer und AP.
Im Jahr 2024 hatte OpenAI Verlagen Lizenzvergütungen von 1 bis 5 Millionen US-Dollar pro Jahr angeboten; mit News Corp kam eine Vereinbarung über 250 Millionen US-Dollar über fünf Jahre zustande. Im Verfahren mit USA Today Co. gibt es bislang weder ein Urteil noch eine außergerichtliche Einigung oder einen Lizenzabschluss.
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Wachsender juristischer Druck auf KI-Entwickler
Das Verfahren reiht sich in eine wachsende Zahl von Klagen ein. The New York Times reichte im Dezember 2023 Klage gegen OpenAI und Microsoft ein. Es folgten Klagen von Autoren wie George R.R. Martin und Jodi Picoult sowie von Medien und Plattformen wie The Intercept, Ziff Davis, CBC/Radio-Canada, Encyclopaedia Britannica, Merriam-Webster, Seattle Times, Newsday, Wikihow und Editorial Perfil.
Zudem klagten mehr als 30 US-Lokalzeitungen mit rund 400 Titeln sowie Verlage wie Emmerich Newspapers, Ojai Media und Coopwood Publishing. Die Verfahren berühren zentrale Fragen über die Grenzen des Fair Use, die Vergütung journalistischer Inhalte und die wirtschaftlichen Folgen automatisierter Antworten, die Besuche auf Verlags-Websites ersetzen.
