Open-Source-Plattform: Sechs Länder bündeln ihre Schul-IT
Veröffentlicht am: 03.11.2026 um 05:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWSSechs Länder bündeln ihre Schul-IT
- Berlin, Bremen, Hamburg, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz vereinbarten einen gemeinsamen Rahmenvertrag.
- Nextcloud liefert die Softwarebasis, Ionos stellt die technische Infrastruktur bereit.
- Die Beschaffung läuft über Govdigital eG und erfordert deshalb keine erneuten Ausschreibungen der Länder.
Sechs Länder bündeln ihre Schul-IT
Berlin, Bremen, Hamburg, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz haben sich auf einen Rahmenvertrag für eine digital souveräne Open-Source-Bildungsplattform geeinigt. Die Lösung soll im Schulalltag weniger Abhängigkeit von Microsoft und Google schaffen und basiert technisch auf Software von Nextcloud.
Nextcloud und Ionos bilden technische Basis
Der Berliner Hosting-Anbieter Ionos stellt die Infrastruktur bereit. Die Beschaffung läuft über die Genossenschaft Govdigital eG, sodass die Länder die Plattform ohne erneute Ausschreibungsverfahren beziehen können.
Die Vereinbarung wurde am Rande des Digital-Gipfels der Bundesregierung in Berlin bekannt. Govdigital eG ist das zentrale Kooperationsbündnis öffentlicher IT-Dienstleister in Deutschland.
Plattform soll viele Schulaufgaben abdecken
Das Angebot soll Dateiaustausch, Chat, Videokonferenzen, E-Mail, Kalender und Office-Anwendungen ermöglichen. Zugleich soll es die Anforderungen der Datenschutz-Grundverordnung erfüllen und den Zugriff von US-Behörden auf Schuldaten erschweren, wie er etwa durch den US Cloud Act ermöglicht wird.
Nextcloud-Gründer und Geschäftsführer Frank Karlitschek bezeichnete die Vereinbarung als strategische Weichenstellung. «Wir brauchen europäische Champions, um digitale Souveränität zu erreichen und den europäischen Softwaresektor zu stärken», sagte er der dpa.
Öffentliche Hand als Leitkunde
Karlitschek sieht den Staat als sogenannten Leuchtturm-Kunden, dessen Nachfrage europäische Softwarelösungen stärken könne. «Wir benötigen auch keine Fördergelder, sondern einfach nur Leuchtturm-Kunden», sagte er.
Die Plattform soll langfristig nicht nur im Bildungsbereich eingesetzt werden, sondern als Modell für den gesamten öffentlichen Dienst und die Privatwirtschaft dienen. Schleswig-Holstein nutzt bereits seit rund zwei Jahren eigenständig Nextcloud-Lösungen und ist deshalb nicht Teil des aktuellen Vergabepakets.
Die Vereinbarung der sechs Länder steht für einen Ansatz, digitale Infrastruktur nicht jeweils einzeln, sondern gemeinsam zu beschaffen. Das kann Kosten und Verwaltungsaufwand senken und zugleich die Verhandlungsmacht der öffentlichen Hand gegenüber großen Plattformanbietern erhöhen.
Open-Source-Software bedeutet dabei nicht, dass Schulen auf zentrale Funktionen verzichten müssen. Die geplante Plattform soll Kommunikation, Zusammenarbeit und Büroanwendungen in einer Umgebung bündeln. Entscheidend wird sein, ob die Länder einen verlässlichen Betrieb, ausreichenden Support und eine einfache Nutzung für Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler sicherstellen können.
Digitale Souveränität als Beschaffungsfrage
Der Schritt fügt sich in die Debatte über europäische digitale Souveränität ein. Beim Digital-Gipfel wurde die Abhängigkeit Europas von US-Technologie auch für andere digitale Schlüsselbereiche thematisiert. Offene Modelle und öffentliche Infrastruktur gelten dabei als Möglichkeit, sensible Daten stärker unter eigenen rechtlichen und technischen Bedingungen zu verarbeiten.
Für Schulen dürfte neben dem Datenschutz die Alltagstauglichkeit entscheidend sein. Ein Wechsel gelingt nur, wenn Dateien, Konten und Arbeitsabläufe zuverlässig übertragen werden und die Plattform mit vorhandenen Systemen zusammenspielt. Die gemeinsame Beschaffung kann dafür eine größere Nutzerbasis schaffen und das Angebot über den Bildungsbereich hinaus anschlussfähig machen.
Schrittweise Umsetzung erwartet
Die sechs Länder erhalten über den Rahmenvertrag die Möglichkeit, die Lösung ohne neue Ausschreibung zu beziehen. Das erleichtert den Einstieg, ersetzt aber nicht die Entscheidungen über konkrete Einführung, Finanzierung und Betreuung vor Ort. Schleswig-Holstein dient mit seinem früheren Einsatz von Nextcloud als Beispiel dafür, dass solche Lösungen bereits in der öffentlichen Verwaltung erprobt werden.
