Online-Therapie, Erkrankungen

Online-Therapie bei chronischen Erkrankungen: Begleitung kann Abbrüche verringern

Veröffentlicht am: 13.10.2026 um 13:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Ein digitales Acht-Wochen-Programm zeigte bei chronisch Erkrankten anhaltende Verbesserungen; fehlende therapeutische Begleitung erschwerte die Teilnahme.

Online-Mitgefühlstherapie verbessert Gesundheit, doch Abbrüche bleiben eine Hürde
Ein ruhiger, minimalistischer Raum mit einem leeren Sessel in sanftem Tageslicht, der eine Atmosphäre der Kontemplation vermittelt. Illustration mit AI erstellt.

Digitale psychologische Interventionen gewinnen bei der Unterstützung von Menschen mit körperlichen Langzeiterkrankungen an Bedeutung. Eine im Journal of Medical Internet Research vorgestellte Untersuchung analysiert die Wirksamkeit einer internetbasierten, bindungsorientierten Mitgefühlstherapie (Internet Attachment-Based Compassion Therapy, iABCT).

Die Ergebnisse geben Einblicke in das Potenzial selbstgeführter digitaler Trainings, verdeutlichen aber zugleich bestehende Hürden bei der praktischen Umsetzung und der langfristigen Nutzerbindung.

Studienergebnisse zur bindungsbasierten Online-Intervention

Die im Fachjournal veröffentlichte Untersuchung analysierte ein strukturiertes Programm aus acht Online-Modulen, das über einen Zeitraum von acht Wochen absolviert wurde. An der randomisierten Untersuchung in Spanien nahmen 146 Erwachsene mit chronischen Erkrankungen teil, die mit einer Kontrollgruppe verglichen wurden.

Nach drei Monaten zeigten sich bei den Teilnehmenden signifikante Verbesserungen der allgemeinen Gesundheit und der Lebensqualität im Vergleich zur Baseline sowie zur Kontrollgruppe.

Zudem dokumentierten die Forschenden eine signifikante Reduktion des bindungsbezogenen Musters „preoccupied attachment“. Diese positiven Veränderungen blieben auch bei einer Nachbeobachtung nach sechs Monaten stabil. Das selbstgeführte Format erwies sich damit prinzipiell als geeignet, um gesundheitsbezogene Parameter positiv zu beeinflussen.

Herausforderungen durch Abbrüche und methodische Limitationen

Trotz der gemessenen Effekte verzeichnete die Untersuchung deutliche methodische und praktische Grenzen. Berichtet wurden hohe Dropout-Raten unter den Teilnehmenden. Als wesentliche Barriere für das Engagement erwies sich der fehlende Kontakt zu Therapeutinnen und Therapeuten.

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Zudem wies das Studiendesign Einschränkungen auf: Es gab keinen aktiven Kontrollarm und keinen direkten Vergleich mit einer klassischen Face-to-Face-Therapie. Die Stichprobe war vergleichsweise klein, überwiegend weiblich, spanischsprachig und hochgebildet. Zudem birgt die Nutzung eines Wartelisten-Designs das Risiko, dass Effekte im Vergleich zur Kontrollbedingung überschätzt werden.

Einordnung durch übergeordnete Meta-Analysen

Die Beobachtungen decken sich mit Erkenntnissen aus größeren Auswertungen digitaler Psychotherapieverfahren. Eine im Jahr 2026 im Fachjournal PLOS Digital Health veröffentlichte systematische Übersicht und Meta-Analyse von Gordon, Kemp, Hope-Bell und Edwards untersuchte 147 randomisierte kontrollierte Studien mit insgesamt 26.391 Teilnehmenden zu digitalen Therapien der sogenannten dritten Welle.

Unmittelbar nach der Intervention ermittelten die Autoren moderate bis geringe Effektstärken über verschiedene Bereiche hinweg:
- Wohlbefinden (Wellbeing): g = 0,36 (46 Studien)
- Depression: g = 0,44 (110 Studien)
- Angst: g = 0,40 (93 Studien)
- Stress: g = 0,46 (66 Studien)
- Psychologische Flexibilität: g = 0,41 (51 Studien)
- Lebensqualität: g = 0,30 (32 Studien)

Die analysierten Populationen umfassten 61 Studien mit 15.770 gesunden Teilnehmenden, 41 Untersuchungen mit 6.130 psychisch erkrankten Personen sowie 46 Studien mit 4.491 medizinischen Patienten.

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Auch in der Meta-Analyse fielen die Effekte gegenüber aktiven Kontrollen geringer aus als im Vergleich zu Wartelisten, bei einer Heterogenität von I² über 75 Prozent. Die Evidenzsicherheit nach dem GRADE-System wurde für die meisten Zielgrößen als moderat eingestuft, für die Lebensqualität jedoch als niedrig. Mittelfristig blieben lediglich die Effekte auf Depression, Angst und Stress statistisch gestützt.

Bedeutsam für Online-Formate bleibt zudem der Betreuungsfaktor: Laut der Analyse moderierte menschliche Begleitung die kurzfristigen Effekte auf depressive Symptome signifikant (QM = 4,17, p = .048). Dies unterstreicht die Rolle professioneller Begleitung, um den in rein selbstgeführten Online-Programmen beobachteten Abbrüchen entgegenzuwirken.

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