Online-Sperren, VPN-Nutzung

Online-Sperren scheitern: VPN-Nutzung in Großbritannien um 1.400% gestiegen

06.06.2026 - 12:11:29 | boerse-global.de

Großbritannien verschärft Online Safety Act: Tech-Führungskräfte müssen bei unzureichendem Minderjährigenschutz mit bis zu fünf Jahren Haft rechnen.

Britische Regierung droht Tech-Chefs mit Haft bei Verstößen
Online-Sperren - A shadowy hand reaches for a glowing smartphone screen with a subtle lock icon, against a blurred futuristic city. 06.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

London – Tech-Chefs müssen künftig mit bis zu fünf Jahren Gefängnis rechnen, wenn ihre Plattformen Minderjährige nicht vor expliziten Inhalten schützen. Die britische Regierung verschärft ihren Kurs gegen Apple, Google und andere Konzerne drastisch.

Die geplanten Regelungen sehen vor, dass Unternehmen wie Apple und Google Systeme implementieren müssen, die Minderjährige daran hindern, Nacktbilder zu versenden, zu empfangen oder anzusehen. Bislang setzte London vor allem auf freiwillige Kooperation – damit ist nun Schluss.

Politischer Druck und verschärfte Gangart

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Der härtere Kurs ist auch eine Reaktion auf interne Spannungen. Im Mai 2026 traten Jess Phillips und Alex Davies-Jones aus Protest zurück – sie warfen der Regierung eine zu zögerliche Haltung in der Online-Sicherheit vor. Premierminister Keir Starmer untermauerte den neuen Kurs am 5. Juni 2026 mit einer deutlichen Warnung an die Tech-Riesen: Ihr Geschäftsumfeld werde sich grundlegend ändern.

Die Regierung erwägt sogar ein Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige. Die Aufsichtsbehörde Ofcom hatte bereits im April 2025 einen Kinderkodex mit über 40 Maßnahmen verabschiedet – darunter die Anpassung von Algorithmen für jüngere Nutzer und strenge Altersverifikationen.

Apple reagiert mit Altersprüfung

Der iPhone-Konzern zog bereits Konsequenzen. Mit dem Update auf iOS 26.4 im März 2026 führte Apple für britische Nutzer eine Altersverifikation ein. Per Kreditkarte oder offiziellem Ausweis müssen iPhone-Besitzer ihr Alter nachweisen.

Schlägt die Prüfung fehl oder wird der Nutzer als minderjährig identifiziert, aktiviert das Gerät automatisch Web-Inhaltsfilter. Ofcom lobte diesen Schritt als bedeutenden Fortschritt. Bürgerrechtler sehen das anders: „Big Brother Watch“ spricht von einem „Würgenetz für die Internetfreiheit“ und kritisiert die invasiven Identitätskontrollen.

Privatsphäre versus Kinderschutz

Die geplanten Blockaden auf Geräteebene entfachen eine Grundsatzdebatte. Organisationen wie die Electronic Frontier Foundation (EFF) warnen vor den Risiken für Datenschutz und Meinungsfreiheit. Ihre Prognose: Solche Maßnahmen seien kurzsichtig und könnten mehr Schaden anrichten als nutzen.

Ein Blick auf frühere Sperrversuche zeigt, wie Nutzer reagieren. Nach der Blockade von Erwachsenen-Webseiten in Großbritannien 2025 stieg die Nutzung von VPN-Diensten um satte 1.400 Prozent. Die Sperren verhindern also kaum den Zugang – sie verlagern ihn nur in schwer kontrollierbare Bereiche.

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Internationale Front gegen Online-Gefahren

Die Kinderbeauftragte für England, Dame Rachel de Souza, fordert noch weitergehende Maßnahmen. Sie verlangt ein Verbot aller Online-Dienste für Kinder – inklusive Gaming und KI-Chatbots – bis diese ihre Sicherheit nachweisen können. Ihre Behörde verweist auf alarmierende Zahlen: 15 Prozent der 13- bis 17-Jährigen stießen bereits auf Inhalte zu Essstörungen, 13 Prozent auf Material über Selbstverletzung oder Suizid.

Auf internationaler Ebene sucht Großbritannien Verbündete. Die G7-Staaten einigten sich im Juni 2026 auf gemeinsame Prinzipien zum Schutz Minderjähriger im Netz – mit Fokus auf „Safety-by-Design“ und datenschutzfreundlicher Altersprüfung. Zudem forderte London bei einer UN-Kommission Anfang Juni stärkere internationale Kooperation, insbesondere gegen Apps zur Erstellung nicht-einvernehmlicher expliziter Bilder.

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