Online-Betrug: Rentnerin verliert 185.000 Euro an Betrüger
Veröffentlicht am: 07.08.2026 um 16:34 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine Rentnerin aus Apolda verlor zwischen Mitte April und Anfang August 185.000 Euro an Online-Betrüger. Die Täter kombinierten persönliche Kontaktaufnahme mit technischer Manipulation, um das Opfer zu hohen Überweisungen zu bewegen. Die Polizei warnt vor einer zunehmenden Professionalisierung der Internetkriminalität.
Telefonbetrug und Phishing: Die aktuellen Maschen
Der Fall in Apolda zeigt eine neue Tendenz: langwierige Manipulationen statt schneller Abzocke. Die Täter kontaktierten ihre Opfer über Telefonate und Messenger-Dienste wie WhatsApp. Sie täuschten eine lukrative Geldanlage vor, die angeblich durch künstliche Intelligenz unterstützt wurde. Die Ermittler raten zu besonderer Vorsicht bei Werbeanzeigen mit unrealistischen Renditeversprechen.
Auch im Landkreis Sömmerda schlugen Betrüger Anfang August zu. Sie gaben sich als Polizeibeamte aus und erbeuteten bei zwei Senioren Bargeld und Münzen im Wert von über 13.000 Euro. Parallel dazu kursiert eine Phishing-Welle gegen Sparkassen-Kunden. In täuschend echten E-Mails drohen die Angreifer mit der Sperrung des Online-Bankings, um Bankleitzahlen und BIC-Daten abzugreifen.
Angreifer rüsten technologisch auf
Die Bedrohungslage hat sich durch automatisierte Werkzeuge massiv verschärft. Sogenannte Phishing-as-a-Service-Plattformen (PhaaS) wie „Kali365“ oder „Greatness“ vermieten ihre Infrastruktur gegen Monatsgebühren. Diese Dienste zielen auf Cloud-Umgebungen von Microsoft, Google oder Apple ab und umgehen sogar herkömmliche Multifaktor-Authentifizierung (MFA).
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Ein Erfolg gelang den Behörden Ende Juli in Frankfurt am Main: Sie beschlagnahmten über 200 Server der Plattform „Kratos“. Trotz der Verhaftung von Entwicklern in Indonesien warnen Sicherheitsexperten: Kopien des Schadcodes sind weiterhin im Umlauf. Die Tools stehlen Sitzungs-Cookies und verschaffen Angreifern so Zugriff auf Konten, ohne Passwort oder zweiten Faktor zu benötigen.
Quishing und Vishing: Die neuen Gefahren
Die Angriffszahlen explodieren. Business Email Compromise (BEC) stieg im ersten Halbjahr 2026 um 56 Prozent, QR-Code-Phishing (Quishing) sogar um 153 Prozent. Da die meisten URLs und Dateianhänge bei diesen Kampagnen einzigartig sind, stoßen herkömmliche Sicherheitssysteme an ihre Grenzen.
Auch „Vishing“ (Voice Phishing) erlebt ein Comeback. Die Gruppe UNC6671 hat den Finanz- und Rechtssektor im Visier. Die Angreifer geben sich als technischer Support aus und nutzen die Umstellung auf Passkeys als Vorwand, um Opfer auf gefälschte Anmeldeseiten zu locken.
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So schützen sich Nutzer und Unternehmen
Experten empfehlen die Umstellung auf FIDO2-basierte Verfahren und Passkeys. Diese gelten als weitgehend phishing-resistent und lassen sich nicht durch klassische Phishing-Seiten abfangen – anders als SMS-Codes oder App-basierte Einmalpasswörter.
Für Unternehmen bleibt der Faktor Mensch entscheidend. Organisationen mit systematischen Sicherheitsschulungen senken ihr Risiko für erfolgreiche Angriffe um bis zu 65 Prozent. Da 70 bis 90 Prozent aller Sicherheitsvorfälle auf Social Engineering zurückgehen, empfehlen Analysten ein kontinuierliches Risiko-Scoring, das Standort und Nutzerverhalten berücksichtigt.
