Online-Betrug, Asien

Online-Betrug in Asien: 300.000 Menschen in Zentren ausgebeutet

Veröffentlicht am: 28.07.2026 um 17:15 Uhr | Redaktion boerse-global.de

UN-Bericht belegt massive Ausbeutung in asiatischen Betrugszentralen. Myanmar führt Todesstrafe für Betreiber ein, während die Verluste auf über 88 Milliarden Euro steigen.

Myanmar droht Betrugszentren-Betreibern mit Todesstrafe
Reihen von Computermonitoren in einem dunklen Raum, die Zwangsarbeit in digitalen Betrugsoperationen darstellen. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Vereinten Nationen schlagen Alarm: Hunderttausende Menschen werden in Asien gegen ihren Willen in riesigen Betrugszentren ausgebeutet. Die kriminellen Netzwerke erzielen Milliardengewinne – und setzen zunehmend auf Künstliche Intelligenz.

Myanmar zieht jetzt die schärfste aller Strafen in Betracht: Die Militärregierung des Landes hat am heutigen Dienstag ein Gesetz verabschiedet, das die Todesstrafe für Betreiber von Online-Betrugszentralen vorsieht. Voraussetzung ist, dass diese Gewalt oder Zwang gegen ihre Opfer einsetzen. Wer solche Anlagen leitet oder massiven Kryptowährungsbetrug begeht, dem drohen zehn Jahre bis lebenslänglich Haft.

Die Internationale Organisation für Migration (IOM) und das UN-Büro für Drogen- und Kriminalitätsbekämpfung (UNODC) hatten zuvor eindringlich vor der Eskalation der Lage gewarnt. Allein im Jahr 2025 verursachten die Netzwerke in Ost- und Südostasien sowie Australien und Neuseeland geschätzte Verluste zwischen 88,3 und 114,1 Milliarden Euro. Das entspricht in etwa dem gesamten Jahresumsatz der Deutschen Telekom.

Zehntausende in Gefangenschaft

Die IOM schätzt, dass rund 300.000 Menschen derzeit in Betrugszentralen in Myanmar, Kambodscha und Laos arbeiten müssen. Nicht alle sind Opfer von Menschenhandel – aber ein erheblicher Teil wurde über gefälschte Stellenanzeigen in sozialen Netzwerken angelockt.

„Viele dieser Menschen sind hochqualifizierte Fachkräfte, die in einer milliardenschweren Industrie gefangen sind", erklärte IOM-Generaldirektorin Amy Pope. Die Opfer stammen aus über 80 Ländern, darunter Indonesien, Indien, Sri Lanka, Äthiopien, Kenia und Bangladesch. Zwischen 2022 und 2025 half die IOM rund 3.500 Betroffenen aus 39 Nationen.

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Folter, Zwangsarbeit und Erpressung

Die Zustände in den Lagern sind erschütternd. Berichte aus Myawaddy in Myanmar und dem berüchtigten „KK Park" schildern 18-Stunden-Arbeitstage, Isolation und Folter. Elektroschocks und Schläge sollen eingesetzt werden, um Produktionsvorgaben durchzusetzen. In manchen Fällen fordern die Entführer Lösegeld – umgerechnet bis zu 17.000 Euro – für die Freilassung ihrer Gefangenen.

Die Betrugsmethoden werden immer perfider. Die UNODC berichtet, dass die Netzwerke, die oft von chinesischstämmigen Syndikaten dominiert werden, zunehmend Künstliche Intelligenz einsetzen. Mit Deepfakes täuschen sie Anleger und machen Investitionsbetrug nahezu unerkennbar.

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Regionale Erfolge – aber auch Rückschläge

Die Strafverfolgungsbehörden in der Region gehen zunehmend gegen die Zentren vor. In Kambodscha wurden seit Juli 2025 bei einer Serie von Razzien 250 Betrugsstandorte und 91 Casinos geschlossen. Allein in den ersten beiden Monaten dieses Jahres führte die Polizei 190 Einsätze durch, nahm 2.500 Verdächtige fest und schob 10.000 ausländische Staatsbürger ab.

Doch Hilfsorganisationen schlagen Alarm: Die jüngsten Kürzungen internationaler Hilfsgelder – darunter auch Mittel der US-Behörde USAID – gefährden die Anti-Trafficking-Programme. Die Finanzierungslücke mache verwundbare Bevölkerungsgruppen noch anfälliger für die Rekrutierung durch die Netzwerke und erschwere die Rückführung und Rehabilitation der Überlebenden.

Die IOM hat als Reaktion eine Regionalstrategie für 2026 bis 2030 aufgelegt, um den Schutz der Opfer zu verbessern und die grenzüberschreitende Zusammenarbeit zu intensivieren. Ob dies angesichts der schieren Größe des Problems ausreicht, bleibt fraglich.

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