Online-Banking, Betrugssitzungen

Online-Banking: Neun von zehn Betrugssitzungen beginnen auf dem Smartphone

Veröffentlicht am: 04.10.2026 um 15:13 Uhr | Redaktion boerse-global.de

BioCatch meldet mehr Betrugsversuche im Bankensektor; Kaufbetrug führt, während Investmentbetrug die höchsten Durchschnittskosten verursacht.

Online-Banking-Betrug: 90 Prozent der Angriffe starten mobil
Ein menschenleerer, modern gestalteter Flur in einem Bürogebäude mit klaren Linien und gedimmtem Licht. Illustration mit AI erstellt.

Kriminelle konzentrieren ihre Angriffe beim Online-Banking zunehmend auf mobile Endgeräte. Wie das Sicherheitsunternehmen BioCatch in seinem Report 2026 darlegt, beginnen mittlerweile neun von zehn Betrugssitzungen im Banking auf dem Mobiltelefon. Der Anteil mobiler Betrugsversuche kletterte damit auf 90 Prozent, was einem Anstieg um fünf Prozentpunkte entspricht.

Gleichzeitig nahmen die versuchten Betrugsfälle im Bankensektor innerhalb von zwölf Monaten um 35 Prozent zu, nachdem der Wert im Vorjahr noch bei 65 Prozent gelegen hatte. Die Untersuchung stützt sich auf Daten von mehr als 370 Finanzinstituten aus 21 Ländern.

Kauf- und Anlagebetrug dominieren die Angriffe

Nach Angaben von BioCatch bildet der Kaufbetrug mit 33 Prozent aller Versuche das am häufigsten eingesetzte Vorgehen der Angreifer. Die schwersten finanziellen Folgen hat jedoch der Investmentbetrug, der im Schnitt Kosten von 6.600 US-dollar pro Versuch verursacht. Ein besonders starkes Wachstum verzeichnete die Analyse bei Stellenangebotsbetrug: Die Zahl der gemeldeten Betroffenen kletterte hier um 258 Prozent.

Jonathan Frost von BioCatch wies darauf hin, dass Angreifer Konten in vielen Fällen gar nicht mehr technisch knacken müssen. Stattdessen gelinge es ihnen zunehmend, die Bankkunden selbst zur Ausführung der jeweiligen Überweisungen zu verleiten.

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Das Unternehmen merkte zudem an, dass regulatorische Maßnahmen wie die Erstattungsregeln in Großbritannien die Opfer zwar finanziell entschädigen, die eigentliche Ausführung der betrügerischen Zahlung dadurch jedoch nicht verhindert werde.

Kombination aus Schadsoftware und Social Engineering

Die Gefahr für Smartphone-Nutzer speist sich sowohl aus technischer Schadsoftware als auch aus gezielter psychologischer Manipulation. So zielt der als hochriskant eingestufte Android-Banking-Trojaner Chameleon weltweit auf Banking- und Krypto-Anwendungen ab, um die vollständige Kontrolle über Konten oder Geräte zu erlangen.

Die Schadsoftware umgeht biometrische Authentifizierungen wie Fingerabdruck- oder Gesichtserkennung, erzwingt einen Rückfall auf die PIN-Eingabe und fängt Passwörter sowie Entsperrmuster per Keylogging ab. Verbreitet wird der Trojaner über Phishing-Websites und Dropper-Dienste, wobei er auch Schutzmechanismen modernerer Android-Versionen wie die eingeschränkten Einstellungen aushebelt.

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Parallel setzen Kriminelle weiterhin auf klassisches Social Engineering am Telefon. Zuletzt erbeuteten Täter in Weimar mehr als 6.500 Euro von einer 60-jährigen Frau, nachdem sie sich am Telefon als Bankmitarbeiter ausgegeben und eine angebliche Prüfung verdächtiger Kontobewegungen vorgeschoben hatten.

Da sich die Betrüger zuvor bereits Zugriff auf das Online-Banking verschafft hatten, verleiteten sie die Betroffene dazu, die Transaktion in ihrer Banking-App auf dem Mobiltelefon freizugeben.

Defizite bei der digitalen Basishygiene

Obwohl Smartphones intensiv genutzt werden, offenbart der Umgang mit Sicherheitsfunktionen Schwachstellen. Eine Erhebung des Sicherheitsanbieters Kaspersky unter 7.200 Befragten zeigt zwar, dass 77 Prozent der Smartphone-Nutzer ihr Betriebssystem und ihre Anwendungen auf dem aktuellen Stand halten – verglichen mit lediglich 53 Prozent bei PC-Nutzern.

Allerdings ändern nur 33 Prozent der Mobilgerätenutzer regelmäßig ihre Passwörter, und lediglich 20 Prozent prüfen die vergebenen App-Berechtigungen und Datenschutzeinstellungen.

Sicherheitsbehörden raten Bankkunden daher, niemals auf Links in SMS oder E-Mails zu klicken und Apps ausschließlich aus offiziellen Quellen zu beziehen. Zudem fragen Finanzinstitute Zugangsdaten oder Transaktionsfreigaben niemals unaufgefordert telefonisch ab.

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