Omega-6, Samenölen

Omega-6 aus Samenölen: 30 Studien finden keinen Anstieg von Entzündungsmarkern

Veröffentlicht am: 28.10.2026 um 05:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Untersuchungen finden keinen signifikanten Anstieg von Entzündungsmarkern durch Linolsäure; Fachleute empfehlen ein insgesamt ausgewogenes Ernährungsmuster.
Nahaufnahme verschiedener roher Samen und Nüsse auf einer dunklen Schieferplatte bei natürlichem Licht. Illustration mit AI erstellt.

Das Konzept einer gezielt entzündungshemmenden Ernährung steht zunehmend im Fokus der wissenschaftlichen Diskussion. Ernährungsexperten wie Lauren Ball von der University of Queensland und Jason Wu von der University of New South Wales stellen die wissenschaftliche Grundlage solcher pauschalen Diätkonzepte infrage.

Im Zentrum der Kontroverse stehen insbesondere pflanzliche Samenöle und deren Gehalt an Omega-6-Fettsäuren. Randomisierte Studien belegen jedoch keine Zunahme von Entzündungsprozessen oder Entzündungsmarkern im Blut durch diese Fettsäuren, da der menschliche Körper die Umwandlung in Arachidonsäure eigenständig reguliert.

Keine Zunahme von Entzündungsmarkern durch Omega-6

Der Epidemiologe Gideon Meyerowitz-Katz weist darauf hin, dass randomisierte Untersuchungen mit Omega-6-Fettsäuren keinen durch diese fette ausgelösten Anstieg von Entzündungen zeigen. Eine randomisierte Crossover-Studie habe zudem keinen Unterschied zwischen der Gabe von Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren hinsichtlich der Entzündungsmarker im Blut festgestellt.

Bestätigt wird dies durch eine Metaanalyse von Wissenschaftlern der chinesischen Jiangnan-Universität aus dem Jahr 2017 in der Fachzeitschrift Food & Function.

Bei der Auswertung von 30 randomisierten Studien mit 1377 Teilnehmern führte eine gesteigerte Zufuhr von Linolsäure zu keinem statistisch signifikanten Anstieg von Entzündungsmarkern wie dem C-reaktiven Protein (CRP) oder Interleukin-6; lediglich bei einem besonders starken Anstieg zeigte sich ein möglicher Zusammenhang mit erhöhten CRP-Werten.

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Ein Cochrane-Review aus dem Jahr 2018, der 19 randomisierte Studien mit 6461 Teilnehmern erfasste, lieferte ebenfalls keine überzeugenden Belege für eine Veränderung der Gesamtmortalität oder kardiovaskulärer Ereignisse durch eine höhere Omega-6-Zufuhr.

Wissenschaftliche Einordnung versus öffentliche Kritik

Trotz der Studienlage stehen Samenöle öffentlich in der Kritik; so bezeichnete etwa der US-Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. entsprechende Pflanzenöle als giftig und toxisch. Fachleute widersprechen dieser Einschätzung deutlich.

Sarah Berry vom King's College London und der Forschungsorganisation Zoe betont, dass es keine wissenschaftlichen Belege dafür gebe, dass Samenöle chronische Erkrankungen oder Entzündungen verursachen.

Der Ersatz tierischer Fette wie Butter durch Samenöle reduziere stattdessen das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Berry gab zugleich zu bedenken, dass etwa 60 Prozent der verzehrten Samenöle aus stark verarbeiteten Lebensmitteln stammen.

Auch Jason Wu führt an, dass die Evidenz konsistent auf gesundheitliche Vorteile hinweise: Eine höhere Aufnahme von Linolsäure sei mit einem deutlich geringeren Risiko für kardiovaskuläre Leiden verbunden, während Interventionsstudien keine größeren Schäden und teils leichte Vorteile dokumentierten.

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Lauren Ball ergänzt, dass keine überzeugenden Nachweise für Nachteile üblicher Mengen an Raps- oder Sonnenblumenöl vorlägen; der Austausch gesättigter gegen ungesättigte Fette senke das LDL-Cholesterin.

In einer 2025 in JAMA Internal Medicine veröffentlichten Beobachtungsstudie mit 221.054 US-Erwachsenen war ein höherer Pflanzenölkonsum mit einer niedrigeren, ein höherer Butterverzehr dagegen mit einer höheren Mortalität assoziiert.

Behörden wie das norwegische Helsedirektoratet stufen Raps-, Oliven- und Sonnenblumenöl als herzgesünder im Vergleich zu Butter ein, und Astrid Nilsson vom Forschungsinstitut Nofima hebt den Gehalt an Alpha-Linolensäure in Rapsöl hervor.

Zubereitung und Ernährungsmuster

In Bezug auf das Erhitzen zeigte eine Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2022 anhand von 33 Experimenten mit 21 Ölen, dass Temperaturen bis zu 200 Grad Celsius die Entstehung von Transfetten nur minimal beeinflussten; erst höhere Temperaturen oder längere Hitzeeinwirkung erhöhten deren Bildung.

Die Diätistin Tine Mejlbo Sundfør sieht Risiken primär im wiederholten, ausgedehnten Erhitzen wie beim Frittieren und rät zum Einsatz von Olivenöl für kalte und warme Gerichte.

Simon Nitter Dankel, Professor an der Universität Bergen, verzichtet zwar persönlich auf Mais-, Soja- und Sonnenblumenöl aufgrund des Fettsäureprofils, betont jedoch, dass dies keinen Beleg für Krankheitsrisiken bei moderaten Mengen darstelle.

Australische Ernährungsleitlinien stufen Samenöle als geeignet ein und empfehlen eine Mäßigung lediglich wegen der hohen Energiedichte. Ernährungswissenschaftler betonen, dass kein spezielles entzündungshemmendes Menü wissenschaftlich belegt sei. Wirksamer sei ein generelles gesundes Ernährungsmuster wie die mediterrane Kost, verbunden mit Bewegung und Gewichtskontrolle.

Eine Untersuchung in Current Developments in Nutrition mit über 2.225 Teilnehmenden beobachtete weniger Entzündungsbiomarker bei einem höheren Verzehr von Vollkorngetreide, während ein Verzicht auf Gluten oder Milchprodukte nur bei nachgewiesenen Unverträglichkeiten angeraten sei. Forschungen der Universidade Federal de Viçosa verweisen zudem auf günstige Effekte selenhaltiger Paranüsse und Cashewkerne auf den Darm.

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