Omega-3, DO-HEALTH-Studie

Omega-3: DO-HEALTH-Studie zeigt langsamere epigenetische Alterung

Veröffentlicht am: 03.11.2026 um 11:10 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Studien verbinden Omega-3 mit langsameren epigenetischen Veränderungen; DGLA löste in seneszenten Zellen Ferroptose aus und wirkte bei alten Mäusen.
Nahaufnahme von Leinsamenöl-Tropfen auf einer strukturierten Steinoberfläche bei natürlichem Licht. Illustration mit AI erstellt.

Die Erforschung von Biomarkern des Alterns gewinnt in der Biomedizin zunehmend an Bedeutung. Im Mittelpunkt wissenschaftlicher Untersuchungen stehen dabei unter anderem mehrfach ungesättigte Fettsäuren und deren Einfluss auf epigenetische Prozesse.

Ein zentraler Bezugspunkt der aktuellen Debatte sind Erkenntnisse aus der DO-HEALTH-Studie, die von Heike Bischoff-Ferrari an der Universität Zürich koordiniert wird.

Die Untersuchung mit über 2.000 gesunden Erwachsenen aus fünf europäischen Ländern über einen Zeitraum von zwei Jahren zeigte, dass die tägliche Einnahme von 1 g Omega-3 bestimmte epigenetische Alterungsprozesse, erfasst über Marker wie GrimAge und PhenoAge, bescheiden verlangsamte.

Epigenetische Uhren und klinische Biomarker

Die in der DO-HEALTH-Studie festgestellten Veränderungen spiegeln sich in spezifischen Biomarkern wider; Fachleute betonen, dass es sich hierbei nicht um eine tatsächliche Verjüngung handelt. Die Omega-3-Fettsäuren Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA) wirken vor allem über die Regulierung von Entzündungsprozessen.

Ältere Erwachsene, die über drei Jahre hinweg täglich Omega-3 einnahmen, wiesen bei der Messung epigenetischer Uhren ein biologisches Alter auf, das im Durchschnitt drei Monate unter ihrem chronologischen Alter lag.

Zusätzliche Effekte traten bei einer kombinierten Intervention auf: Die Verbindung von Omega-3 mit Vitamin D und körperlicher Bewegung ging mit weniger Stürzen, Infektionen, Gebrechlichkeit sowie seltenerem Auftreten von invasivem Krebs einher.

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Gleichzeitig mahnen Forschungsdaten zu einer differenzierten Betrachtung. Zwar sind höhere Omega-3-Spiegel mit einem verringerten Alzheimer-Risiko und einem größeren Hippocampus assoziiert, ein aktuelles Studium konnte jedoch keine Verbesserung kognitiver Leistungen durch Fischöl-Supplemente nachweisen.

Bezüglich der pflanzlichen Omega-3-Fettsäure Alpha-Linolensäure (ALA) liegt die empfohlene Zufuhr für Männer ab 14 Jahren bei 1,6 g pro Tag und für Frauen bei 1,1 g pro Tag; für Schwangere wird ein Richtwert von 1,4 g und für Stillende von 1,3 g pro Tag angegeben.

Zelluläre Seneszenz und Fettstoffwechselpfade

Neben EPA und DHA rücken weitere Fettsäuren und deren Rolle bei der zellulären Seneszenz in das Blickfeld der Forschung. Wissenschaftler der Universität Ostfinnland um Maija Vaittinen und Jussi Pihlajamäki stellten fest, dass der Polyensäure-Stoffwechsel in seneszenten Zellen verändert ist und die Konzentration an Dihomo-gamma-Linolensäure (DGLA) absinkt.

Eine Zufuhr von DGLA oder die Hemmung des Enzyms D5D führte dazu, dass seneszente Zellen gezielt durch Ferroptose abstarben, während gesunde Zellen intakt blieben. Bei alten Mäusen verringerte die orale Gabe von DGLA die Last seneszenter Zellen, senkte Entzündungen im Fett- sowie Lebergewebe und verbesserte die Leber- und Nierenfunktion.

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Ergänzende Ergebnisse einer Cell-Studie show, dass seneszente Zellen zwar mehrere ungesättigte Fettsäuren anreichern, aber selektiv an DGLA verarmen. Das durch DGLA ausgelöste Absterben seneszenter Zellen erfolgt über Ferroptose – vermittelt über CD36 sowie abhängig von ALOX15 und ACSL4 – und nicht über den klassischen Zelltod der Apoptose.

Bei alten Mäusen reduzierte verabreichtes DGLA-Ethyl die Marker p16INK4a, p21WAF1 sowie Komponenten des sekretorischen Phänotyps (SASP) in Fett, Leber und Niere und minderte Leberfibrose.

Beobachtungen in der KOBS-Kohorte stützen diese Stoffwechselzusammenhänge: Der FADS1-Genotyp rs174547 (CC) mit geringerer Desaturierung war mit höheren DGLA-Werten und einer niedrigeren P21-Expression im Fettgewebe assoziiert.

Lipide als aktive Regulatoren der Lebensspanne

Übersichtsarbeiten verdeutlichen, dass der Lipidstoffwechsel nicht nur eine passive Strukturfunktion besitzt, sondern als aktiver Regulator biochemischer Alterungswege fungiert. Zentrale Signalpfade wie Insulin/IGF, mTOR und AMPK modulieren die Aktivität von Fettsäuresynthasen, Desaturasen und Elongasen altersabhängig.

Dieser Zusammenhang zeigt sich auch in epidemiologischen Mustern: Bei Hundertjährigen lassen sich im Blutplasma häufig erhöhte Konzentrationen langkettiger Omega-3-Fettsäuren wie EPA und DHA sowie niedrigere Anteile gesättigter Fettsäuren und ein geringeres Verhältnis von Omega-6 zu Omega-3 nachweisen.

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