Omega-3 aus Pflanzen: Nur etwa ein Prozent wird zu EPA und DHA umgewandelt
Veröffentlicht am: 08.10.2026 um 07:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Deckung des weltweiten Bedarfs an Omega-3-Fettsäuren steht vor einem strukturellen Wandel. Auf dem Regenerate Symposium im kanadischen Halifax mit 140 Teilnehmenden forderte Branchenvertreter Andrew Hebard eine strategische Erweiterung der Rohstoffbasis über herkömmliches Fischöl hinaus. Pflanzliche Quellen seien als notwendige Ergänzung zu marinen Ölen zu verstehen, um den Druck auf die globalen Fischbestände nachhaltig zu verringern.
Rohstoffdiversifizierung und neue Trägerformen
Laut Hebard reicht es nicht aus, die vorhandene Rohstoffversorgung lediglich neu zu verteilen. Er sieht erhebliches ungenutztes Potenzial im Segment der angereicherten Lebensmittel und Getränke, was jedoch die Entwicklung neuer Verabreichungs- und Liefersysteme voraussetze. Gleichzeitig überprüfen Markenhersteller ihre Lieferketten verstärkt auf Rückverfolgbarkeit und Resilienz.
Neben rein pflanzlichen Alternativen treten zunehmend neuartige marine Kombinationen in den Markt. So kündigte das Unternehmen Lehvoss die Einführung des Präparats ZO?3GO an. Die Softgels kombinieren Calanusöl des Herstellers Zooca aus arktischen Ruderfußkrebsen mit Fischölkonzentrat aus südpazifischen Sardellen von Golden Omega.
Calanusöl speichert Energie in Form von Wachsestern und enthält neben Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA) über 40 weitere Fettsäuren sowie marine Policosanole und Astaxanthin.
Der Marktstart in Europa ist für den Herbst 2026 vorgesehen, in Schweden unter der Produktbezeichnung Holistic Omega-3 Fiskolja PRO. Konkrete Angaben zur exakten Dosierung von EPA und DHA in diesem Kombinationsprodukt wurden bislang nicht veröffentlicht.
Bedeutung von Dosierung und Umwandlungsraten
Ungeachtet neuer Trägerformen und pflanzlicher Quellen bleibt für den gesundheitlichen Nutzen vor allem die tatsächliche Konzentration von EPA und DHA entscheidend. Pflanzliche Öle liefern vor allem Alpha-Linolensäure (ALA).
Pflanzliche Öle liefern vor allem ALA — und die wird im Körper Schätzungen zufolge nur zu etwa einem Prozent in EPA und DHA umgewandelt. Entscheidend ist deshalb, wie viel EPA und DHA pro Tagesportion tatsächlich im Präparat steckt. Der kostenlose Leitfaden zeigt, wie Sie Dosierungsangaben Schritt für Schritt prüfen. Omega-3-Leitfaden jetzt anfordern
Zwar gilt ALA als essenziell und kommt reichhaltig in Lein-, Chia- und Hanfsamen vor, doch wird sie im menschlichen Körper nur in sehr begrenztem Umfang – Schätzungen zufolge zu etwa einem Prozent – in die langkettigen Fettsäuren EPA und DHA umgewandelt.
Für ALA liegt eine Bestätigung der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA Journal 2009;7(9):1252) vor, wonach eine tägliche Aufnahme von 2 Gramm zur Aufrechterhaltung eines normalen Cholesterinspiegels beiträgt.
Für EPA und DHA gelten andere Vorgaben: Bereits 250 Milligramm täglich tragen zur normalen Herzfunktion bei, während die gleiche Dosis DHA normale Gehirnfunktionen und Sehkraft unterstützt.
Spezifische gesundheitsbezogene Angaben existieren zudem für die Aufrechterhaltung normaler Triglyceridwerte (2 Gramm EPA und DHA täglich) sowie eines normalen Blutdrucks (3 Gramm täglich). Eine allgemeine Einnahmeempfehlung stellen diese Schwellenwerte jedoch nicht dar; die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt regulär ein bis zwei Fischmahlzeiten pro Woche.
Differenzierung im Endkundensegment
Die Produktzusammensetzungen auf dem Markt variieren entsprechend stark:
* Juice Plus+ weist je Tagesportion von zwei Kapseln 325 Milligramm Omega-3 aus (davon 175 Milligramm DHA und 100 Milligramm EPA).
* QLF Poseidon Fisch deklariert für vier Kapseln 1.500 Milligramm Omega-3 (1.000 Milligramm EPA und 500 Milligramm DHA), während die vegane Variante bei vier Kapseln 1.840 Milligramm Omega-3 enthält (500 Milligramm EPA und 1.000 Milligramm DHA).
* Zinzino Fischöl enthält in 12 Millilitern rund 2.478 Milligramm Omega-3 (1.283 Milligramm EPA und 683 Milligramm DHA); das vegane Pendant kommt auf 771 Milligramm EPA und 1.123 Milligramm DHA.
* ESN bietet drei Kapseln mit 1.200 Milligramm EPA und 900 Milligramm DHA an.
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Im Kraftsportbereich wird Verbrauchern häufig eine pauschale Dosierung von 1 bis 3 Gramm EPA und DHA täglich nahegelegt, meist in Kombination mit fettreicher Nahrung zur Steigerung der Aufnahme.
Wissenschaftliche Nachweise für konkrete Vorzüge beim Muskelaufbau oder bei der Regeneration werden bei solchen Empfehlungen allerdings oft nicht geliefert. Die Prüfung der genauen Wirkstoffmengen je Portion bleibt für Verbraucher daher der zentrale Orientierungspunkt.
