Omega-3 aus Algen: DSM-Firmenich setzt auf über 4500 Mikroalgenstämme
Veröffentlicht am: 29.09.2026 um 15:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Angesichts einer zunehmenden Volatilität auf den globalen Märkten für Fischöl gewinnen Algenöle als zuverlässige und nachhaltige Quelle für die essenziellen Fettsäuren Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA) an Bedeutung. Marken und Formulierer setzen verstärkt auf diese pflanzlichen Alternativen, um Lieferketten zu sichern und ökologische Standards zu erfüllen.
Im Rahmen des Welt-Herz-Tages am 29. September 2026 wiesen Fachleute wie die Diätologin Kate Save darauf hin, dass bei der Auswahl von Omega-3-Präparaten nicht nur der Gesamtölgehalt, sondern primär die EPA/DHA-Dosierung, die Molekülform sowie die Herkunft und wissenschaftliche Evidenz geprüft werden sollten.
Mikroalgen als Primärproduzenten und technologische Innovationen
Meeresmikroalgen gelten als die ursprünglichen Produzenten von EPA und DHA. Fische reichern diese Fettsäuren lediglich durch den Verzehr von Algen in ihrem Gewebe an. Die direkte Gewinnung aus Mikroalgen umgeht potenzielle Risiken durch Schwermetallbelastungen oder Mikroplastik, die in marinen Ökosystemen vorkommen können. Zudem eignet sich Algenöl für Allergiker und Personen, die eine vegetarische Ernährung bevorzugen.
In diesem Segment hat das Unternehmen DSM-Firmenich mit dem Produkt life’s OMEGA ein Algenöl entwickelt, das auf der Fermentation von Einzelalgen basiert. Laut Angaben des Anbieters wurden hierfür aus über 4500 lebenden Mikroalgen spezifische Stämme ausgewählt.
Das Verfahren ist durch über 500 Patente geschützt. Das resultierende Öl enthalte sowohl EPA als auch DHA und sei bioäquivalent zu herkömmlichem Fischöl. Zu den Abnehmern dieses Rohstoffs zählen namhafte Marken wie Nordic Naturals, Doppelherz, Nature's Bounty, Norsan und Swisse sowie die Unternehmen ??? und ??.
Differenzierung durch Krillöl und Bioverfügbarkeit
Neben Fisch- und Algenöl spielt Krillöl eine wesentliche Rolle in der Versorgung mit Omega-3-Fettsäuren. Aker BioMarine betont hierbei die besondere Bindungsform: Während Fischöl meist als Triglyceride oder Ethylester vorliegt, liefert Krillöl EPA und DHA überwiegend phospholipidgebunden. Eine Netzwerk-Metaanalyse aus dem Jahr 2024, die 26 Studien auswertete, deutet auf eine bessere Resorption von Krillöl bei Dosierungen unter 2000 mg hin.
Bereits eine kleinere Human-Crossover-Studie aus dem Jahr 2015 zeigte bei vergleichbarer EPA/DHA-Dosis eine signifikant höhere Einlagerung in Plasmaproteine innerhalb von 72 Stunden nach der Einnahme von Krillöl im Vergleich zu Fischöl.
Zudem belegte eine im Fachmagazin JAMA Network Open veröffentlichte randomisierte Studie aus dem Jahr 2022 bei 520 Erwachsenen mit schwerer Hypertriglyceridämie den klinischen Nutzen.
Viele Frauen mit Endometriose kennen den Kreislauf aus Regelschmerzen und der Sorge vor hormonellen Therapien. Eine im Juli 2026 veröffentlichte randomisierte Studie mit 46 Patientinnen zeigt: Nach zwölf Wochen Fischöl-Einnahme verbesserte sich die Schmerzintensität bei 73,9 Prozent der Teilnehmerinnen um mindestens einen Punkt – verglichen mit 34,8 Prozent in der Kontrollgruppe. Unser kostenloser Ratgeber ordnet die Ergebnisse ein und zeigt, wie Sie Dosierung und Präparate-Qualität für sich prüfen. Kostenlosen Ratgeber jetzt anfordern
Nach 12 Wochen sank der Triglyceridspiegel unter Gabe von Krill-Omega-3 um 26 %, während in der Placebogruppe lediglich ein Rückgang von 15,1 % verzeichnet wurde. Laut der Welternährungsorganisation FAO gelten die Bestände in antarktischen Gewässern derzeit als zu 100 % biologisch nachhaltig.
Richtwerte und therapeutische Erkenntnisse
Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) und die Spanische Herzstiftung nennen eine tägliche Mindestzufuhr von 250 mg EPA und DHA zur Aufrechterhaltung der normalen Herzfunktion. In der Schwangerschaft und Stillzeit erhöht sich dieser Bedarf laut EFSA um zusätzliche 200 mg DHA täglich.
Dr. Stefanie Ackermann erläuterte dazu, dass pflanzliche Quellen wie Leinöl oder Walnüsse zwar Alpha-Linolensäure (ALA) enthalten, die Umwandlungsrate in die aktiven Formen EPA und DHA jedoch lediglich zwischen 5 und 10 % liege. Mikroalgenöl (insbesondere aus Schizochytrium) sei die einzige pflanzliche Quelle, die diese Fettsäuren direkt bereitstellt.
Aktuelle klinische Forschung untersucht zudem den Einsatz bei spezifischen Krankheitsbildern. Eine im Juli 2026 in der Fachzeitschrift Nutrients veröffentlichte randomisierte kontrollierte Studie mit 46 Endometriose-Patientinnen untersuchte die Wirkung von Fischöl (0,5 ml/kg Körpergewicht) über zwölf Wochen.
In der Fischölgruppe stieg der Spiegel des entzündungshemmenden Interleukins IL-10 signifikant von anfangs 32,5 pg/ml auf 265 pg/ml an. Auch die Schmerzintensität, gemessen auf der Visuellen Analogskala (VAS), verbesserte sich bei 73,9 % der Teilnehmerinnen in der Fischölgruppe um mindestens einen Punkt, verglichen mit 34,8 % in der Kontrollgruppe.
Qualitätskriterien und Marktübersicht
Bei der Auswahl von Präparaten raten Experten zur Beachtung der deklarierten EPA/DHA-Mengen und des Oxidationsschutzes. Das Labor MundoNatural bewirbt beispielsweise die Oleomega-3-Reihe in Triglycerid-Form mit natürlichem Vitamin E als Antioxidans.
Fischöl, Algenöl oder Krillöl – welches Präparat passt zu Ihrem Alltag? Die Unterschiede liegen in der Molekülform: Krillöl liefert EPA und DHA überwiegend phospholipidgebunden, Fischöl meist als Triglyceride oder Ethylester. Eine Netzwerk-Metaanalyse aus 2024 deutet auf eine bessere Resorption von Krillöl bei Dosierungen unter 2000 mg hin. Unser kostenloser Ratgeber hilft Ihnen, deklarierte EPA/DHA-Mengen, Oxidationsschutz und Herkunft richtig zu bewerten. Qualitäts-Checkliste jetzt sichern
Ein Marktvergleich zeigt deutliche Preisunterschiede: Während Nordic Naturals Ultimate Omega 2X mit 98,19 € für 120 Kapseln im oberen Segment liegt, finden sich Produkte wie California Gold Nutrition Premium-Fischöl für 25,25 € (240 Kapseln) oder vegane Optionen wie BrainMD Omega-3 Power aus Algenöl für 61,11 € (60 Kapseln).
Fachleute wie der Mediziner Peter Attia weisen jedoch darauf hin, dass Studienresultate kritisch zu prüfen seien, da methodische Unterschiede, etwa bei der Wahl des Placebos, die Ergebnisse beeinflussen könnten.
