OMAD-Diät: Mediziner warnen vor Magenproblemen bei nur einer Mahlzeit
Veröffentlicht am: 21.10.2026 um 07:42 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie Praxis, täglich nur eine einzige Mahlzeit zu sich zu nehmen, sorgt immer wieder für Diskussionen in der Ernährungsmedizin. Bekanntheit erlangte dieser Ansatz zuletzt durch den Schauspieler Zhou Jie, der durch seine Rolle als Erkang in der Serie „Huan Zhu Ge Ge“ bekannt ist.
Der 56-Jährige behält laut Berichten seit zehn Jahren die Gewohnheit bei, täglich nur ein Mittagessen zu verzehren. Morgens esse er einen Apfel, während er in den übrigen 23 Stunden des Tages lediglich Wasser, Obst und kalorienfreie Getränke konsumiere. Was als Methode zur Gewichtskontrolle wahrgenommen wird, stufen Fachleute jedoch als gesundheitlich bedenklich ein.
Gefahren für das Verdauungssystem
Die von Zhou Jie praktizierte Ernährungsweise entspricht weitgehend dem Prinzip „One Meal A Day“ (OMAD), der strengsten Form des Intervallfastens. Si Caijuan, stellvertretende Chefärztin für Ernährungsmedizin am Zhejiang-Krankenhaus, warnt vor den Folgen einer solchen dauerhaften Belastung des Verdauungssystems. OMAD sei allenfalls als kurzfristige Anpassung der Ernährung für Normalpersonen geeignet und stelle keine langfristig gesunde Lebensweise dar.
Si erklärt, dass der Magen auch während langer Fastenphasen kontinuierlich Magensäure produziere. Dies begünstige Sodbrennen und reize die Magenschleimhaut erheblich. Zudem erhöhe ein Gallenstau das Risiko für die Bildung von Gallensteinen. Bei der anschließenden Nahrungsaufnahme könne es zu einer akuten Magendilatation kommen. In besonders schweren Fällen drohten Magenblutungen oder sogar eine Magenperforation.
Ernährungsmedizinische Leitlinien erkennen nach Angaben von Si zwar Formen des Intervallfastens wie „16+8“ oder „5+2“ an, diese unterschieden sich jedoch grundlegend von dem Modell mit nur einer Mahlzeit pro Tag.
Für das persönliche Zielgewicht verweist die Medizinerin auf eine einfache Standardformel: Körpergröße in Zentimetern minus 105, wobei eine Abweichung von plus/minus 10 Prozent als vernünftiger Bereich gelte. Ein Wert darunter gehe zulasten der Gesundheit. Statt einer reinen Gewichtszahl empfiehlt Si eine detaillierte Analyse der Körperzusammensetzung.
Wissenschaftliche Einordnung des Fastens
Auch andere internationale Experten mahnen bei extremem Verzicht zur Vorsicht. Benjamin Cook, Hausarzt bei der Jefferson City Medical Group und Experte des American Board of Obesity Medicine, erläutert, dass Intervallfasten üblicherweise 16 bis 72 Stunden Nahrungsverzicht umfasst, in manchen Fällen auch länger. In den ersten 6 bis 8 Stunden greife der Körper dabei zunächst auf seine Glykogenspeicher zurück, bevor die Fettverbrennung einsetze.
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Cook weist darauf hin, dass Fasten bei Beschwerden wie Bluthochdruck, früher Diabeteserkrankung, hohem Insulinspiegel, dem metabolischen Syndrom und PCOS helfen könne. Allerdings sei der Ansatz nicht für jeden geeignet und bedürfe einer ärztlichen Abklärung.
Eine Studie zeige zudem keine Überlegenheit des Intervallfastens gegenüber einer normalen Kalorienrestriktion. Eine strikte Mahlzeit am Tag in Kombination mit GLP-1-Medikamenten wie Wegovy oder Ozempic deutet laut Cook auf eine zu hohe Dosierung hin; bei der Einnahme dieser Präparate rät er ausdrücklich vom Fasten ab.
Sunil Kumar Mandal, leitender interventioneller Kardiologe am Kailash Hospital in Greater Noida, betont ergänzend kardiovaskuläre Risiken. Das Auslassen von Mahlzeiten führe häufig zu einem späteren Überessen und lasse in der Folge Blutdruck, Cholesterin sowie Blutzuckerwerte ansteigen.
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Alexei Moskalev, korrespondierendes Mitglied der Russischen Akademie der Wissenschaften und Direktor des Instituts für Biologie des Alterns und Medizin gesunder Langlebigkeit am RNZCh im.
Petrowski, hält ein Essensfenster von 8 bis 10 Stunden für sinnvoll. Er empfiehlt zwei bis drei vollwertige Mahlzeiten und rät davon ab, die Hauptkalorienmenge auf die letzte Stunde des Fensters zu verlegen. Abends übermäßig konsumierte Kalorien lagerten sich vermehrt als viszerales Fett an.
Trete abends regelmäßig starker Hunger auf, sei dies ein Grund, das Zeitfenster beispielsweise von 8 auf 10 Stunden zu erweitern. Für Schwangere, Stillende, Kinder, Jugendliche ohne medizinische Indikation sowie Menschen mit Essstörungen, Untergewicht oder Sarkopenie-Risiko sei eine Verkürzung des Essensfensters gänzlich ungeeignet.
Grundsätzlich warnen Experten vor unkritisch übernommenen Konzepten. Martin Smollich, Leiter der Arbeitsgruppe Pharmakonutrition am Institut für Ernährungsmedizin des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein in Lübeck, verweist auf typische Muster von Fehlinformationen bei Ernährungstrends. Diese zeichneten sich oft durch extreme Vereinfachung, Emotionalisierung und das Schaffen von Feindbildern wie Zucker, Kohlenhydraten oder Zusatzstoffen aus. Bedenkliche Strömungen zeigten sich derzeit unter anderem in der Verteufelung von Kohlenhydraten sowie Konzepten wie der Fleischdiät.
