Olympia-Bewerbung: DOSB wählt München mit 91 zu 50 Stimmen als Kandidatenstadt
Veröffentlicht am: 27.09.2026 um 10:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Nach der Entscheidung der außerordentlichen Mitgliederversammlung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) in Baden-Baden steht München als deutscher Kandidat für künftige Olympische und Paralympische Sommerspiele fest.
Die bayerische Landeshauptstadt setzte sich in der Abstimmung im September 2026 gegen das Mitbewerber-Konzept Köln/Rhein-Ruhr durch. Damit strebt Deutschland erstmals seit den Spielen von 1972 wieder eine Ausrichtung im eigenen Land an, wobei die Jahre 2036, 2040 oder 2044 als mögliche Termine im Fokus stehen.
Das Abstimmungsergebnis und die Evaluierung
Die Entscheidung des DOSB fiel bereits im ersten Wahlgang mit einer deutlichen Mehrheit von 91 zu 50 Stimmen für München. Stimmberechtigt waren 42 olympische Spitzenverbände, acht persönliche Mitglieder sowie zehn Mitglieder des Präsidiums.
Die Gesamtzahl der Stimmen reduzierte sich von ursprünglich 144 auf 141, da drei Mitglieder, darunter Leon Goretzka, Anna Schaffelhuber und Elena Gilles, absagten. Die Bekanntgabe des Ergebnisses erfolgte durch Bundespräsident Steinmeier, wobei es im Rahmen der Zeremonie zu einer Panne mit dem Briefumschlag kam.
Der Wahl vorausgegangen war eine detaillierte Bewertung durch die DOSB-Evaluierungskommission. München erzielte dabei 87,03 von 100 möglichen Punkten, während Köln/Rhein-Ruhr 85,02 Punkte erreichte. Die Kommission bescheinigte beiden Konzepten eine sehr gute Qualität, hob jedoch hervor, dass München ein besonders hohes internationales Erfolgspotenzial aufweise.
Der Bewerbungsprozess hatte vier Jahre zuvor mit vier Kandidaten begonnen; Hamburg war jedoch nach einem negativen Bürgerreferendum Ende Mai ausgeschieden, und Berlin zog seine Bewerbung kurz vor dem finalen Votum zurück.
Das Münchner Konzept: Nachhaltigkeit und kurze Wege
Unter dem Motto „Für Spiele mit Herz und Seele“ setzt München auf eine hohe Standortkonzentration. Rund 90 Prozent der Sportstätten sollen sich in einem Radius von weniger als 30 Kilometern um das geplante Olympische Dorf im Münchner Norden befinden. Das Dorf bei Daglfing ist für bis zu 16.000 Athleten und Betreuer ausgelegt. Ein wesentlicher Teil der Strategie ist die Nutzung bestehender Infrastruktur aus dem Jahr 1972.
Zu den geplanten Wettkampfstätten zählen der Olympiapark als zentrales Herzstück sowie die Ruderregattastrecke Oberschleißheim und die Reitanlage Riem. Das Schwimmen soll am Starnberger See stattfinden, während für das Reiten auch das Schloss Nymphenburg vorgesehen ist. Temporäre Anlagen sind zudem am Odeonsplatz und im Englischen Garten geplant.
München hat das DOSB-Duell für sich entschieden — doch mit der Nominierung beginnt erst die eigentliche Arbeit: 10 Milliarden Euro Gesamtkosten, ein neues Olympisches Dorf und ein ÖPNV-Ausbau, der Jahre vor der IOC-Entscheidung 2029 stehen muss. Wer heute die Finanzierungsarchitektur versteht, ist morgen im Vorteil. Jetzt kostenlosen Olympia-Report anfordern
Während die meisten Wettbewerbe in Bayern stattfinden sollen, sind Fußballspiele in Stuttgart und die Segelwettbewerbe in Kiel vorgesehen. Die bayerische Landeshauptstadt wirbt zudem mit kurzen Wegen: Die durchschnittliche Wegezeit für Athleten wird mit 15 Minuten und 36 Sekunden angegeben.
Finanzielle Planung und politische Rahmenbedingungen
Oberbürgermeister Krause bezifferte die erwarteten Gesamtkosten auf rund 10 Milliarden Euro. Diese teilen sich in jeweils 5 Milliarden Euro für die Durchführung des Events sowie 5 Milliarden Euro für Infrastrukturmaßnahmen auf.
Letztere umfassen insbesondere den Bau des Olympischen Dorfes sowie den Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs, darunter der S-Bahn-Nordring sowie die Erweiterungen der U-Bahn-Linien U4 und U9. Zu sanierende Objekte sind unter anderem das Dantebad, das Grünwalder Stadion und die Olympiaschwimmhalle.
Die politische Unterstützung für das Vorhaben ist auf Bundesebene breit gefächert. Bundespräsident Steinmeier bezeichnete die Bewerbung als große Chance für Deutschland, und Bundeskanzler Merz erklärte, Olympia gehöre nach Deutschland.
Innerhalb der bayerischen Staatsregierung nannte Ministerpräsident Söder Sponsoring sowie Stadt, Land und Bund als tragende Finanzierungssäulen. Sport-Staatsminister Ronald Rauhe sprach sich dabei bevorzugt für das Jahr 2040 aus, um den 50. Jahrestag der Wiedervereinigung zu würdigen.
Kritik kommt hingegen von der Linken in München, die vor steigenden Lebenshaltungskosten und einer massiven Verschuldung warnt und das Vorhaben als Katastrophe bezeichnet. Auch Wirtschaftsvertreter wie die Branchenexperten Brossardt und Inselkammer äußerten sich zur Entscheidung und begrüßten die Wahl Münchens.
Der internationale Zeitplan
Auf internationaler Ebene beginnt nun die nächste Phase des Prozesses. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) plant, die Vorauswahl für das Jahr 2036 bis März 2027 abzuschließen. Strategische Verhandlungen sollen bis Ende 2028 geführt werden, bevor eine endgültige Entscheidung in der IOC-Session Mitte 2029 erwartet wird.
Hamburg ist am Bürgerreferendum gescheitert, Berlin zog kurz vor der Abstimmung zurück — München hat die Nominierung, aber die Akzeptanzfrage bleibt der kritischste Punkt. Wer die Bevölkerung früh mitnimmt, verhindert das Aus nach dem Vorbild vergangener Bewerbungen. Dieser Leitfaden liefert die Argumente und den Fahrplan. Leitfaden zur Bürger-Akzeptanz jetzt sichern
Die Strategie des DOSB sieht vor, München als stärksten europäischen Kandidaten zu positionieren. Die Konkurrenz ist jedoch groß: Bewerber wie Ahmedabad, Doha, Istanbul und Madrid sowie Regionen wie die Toskana oder Nordengland gelten als potenzielle Mitbewerber. Zudem wird seitens des IOC eine Doppelvergabe für die Jahre 2036 und 2040 in Erwägung gezogen.
