Olivenblätter: Mikrobielle Transformation schafft neuen Wirkstoff B-Oribol
Veröffentlicht am: 21.09.2026 um 02:04 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Aufwertung agrarischer Reststoffe durch biotechnologische Verfahren gewinnt in der Naturstoffforschung und Wirkstoffentwicklung zunehmend an Bedeutung.
Wie mikrobielle Prozesse ungenutzte pflanzliche Ressourcen in hochwertige Inhaltsstoffe überführen können, zeigt eine langjährige Forschungskooperation zwischen der Universität Okayama und dem Unternehmen Nippon Olive. Das gemeinsame Projekt zur mikrobiellen Transformation von Olivenblättern für hochfunktionale Kosmetika wurde am 10. September 2026 in Tottori mit dem Technologiepreis 2026 der Ch?goku-Shikoku-Regionalabteilung der Japanischen Gesellschaft für Agrarchemie ausgezeichnet, wie aus einem Bericht vom 20. September 2026 hervorgeht.
Langjährige Kooperation zur Verwertung agrarischer Reststoffe
Die Zusammenarbeit zwischen der akademischen Forschungseinrichtung und dem Olivenverarbeiter reicht bis in das Jahr 1997 zurück. Im Zentrum der gemeinsamen Bestrebungen stand von Beginn an das Ziel, bisher ungenutzte pflanzliche Nebenströme aus dem Olivenanbau einer wirtschaftlich und funktionell wertvollen Nutzung zuzuführen.
Bei der Ernte und dem Rückschnitt von Olivenbäumen fallen erhebliche Mengen an Blattwerk an, die in herkömmlichen Verwertungsketten oft als Abfallprodukt enden oder kompostiert werden, obwohl sie biologisch aktive Verbindungen in hoher Konzentration enthalten.
Die Forschungsgruppe konzentrierte sich darauf, diese agrarischen Ressourcen als Ausgangsmaterial für biotechnologische Modifikationen einzusetzen. Durch den gezielten Einsatz von Mikroorganismen sollte das biochemische Profil der Blattbestandteile verändert werden, um spezifische Eigenschaften für dermatologische Anwendungen zu gewinnen.
Vom Oleuropein zum neuen Wirkstoff B-Oribol
Ein wesentlicher chemischer Bestandteil von Olivenblättern ist das Polyphenol Oleuropein. Dieser sekundäre Pflanzenstoff schützt die Pflanze vor Umwelteinflüssen und zeichnet sich durch antioxidative Merkmale aus, erweist sich in seiner nativen Form für kosmetische Rezepturen jedoch mitunter als herausfordernd in Bezug auf Stabilität und Verarbeitung.
Wer pflanzliche Reststoffe wie Olivenblätter als Ausgangsmaterial für Kosmetik-Wirkstoffe nutzen will, stößt schnell auf ein Problem: Oleuropein ist in nativer Form schwer zu verarbeiten. Ein Forschungsprojekt zeigt, wie eine spezielle Hefe aus Olivenblüten das Polyphenol mikrobiell umwandelt. Unser Leitfaden erklärt die Schritte. Kostenlosen Fermentations-Leitfaden anfordern
Im Rahmen des Forschungsprojekts gelang es den Wissenschaftlern, eine spezielle Schwarze Hefe zu isolieren, die aus den Blüten von Olivenbäumen stammt. Mithilfe dieses spezifischen Stammes führten die Projektpartner eine mikrobielle Transformation des Oleuropeins durch.
Durch diese biologische Umwandlung entstand der neue Stoff B-Oribol. Der Einsatz nativer Hefen aus derselben Wirtspflanze ermöglichte es, komplexe Syntheseschritte über Fermentationsprozesse zu steuern und so neue funktionale Moleküle bereitzustellen.
Technologietransfer und kosmetische Verwertung
Die Auszeichnung durch die Regionalabteilung der Fachgesellschaft würdigt nicht allein die mikrobiologische Grundlagenarbeit, sondern auch den kontinuierlichen Technologietransfer in die Praxis. Auf Basis der entwickelten Transformationsprozesse und der resultierenden Wirkstoffe erwarben die Universität Okayama und Nippon Olive gemeinsame Patente zur Absicherung der Verfahren.
Agrarische Nebenströme wie Olivenblätter landen oft als Abfall oder Kompost — dabei stecken darin biologisch aktive Verbindungen. Der eigentliche Engpass ist der Transfer von der Forschung in die Praxis. Unser Leitfaden zeigt fünf Wege, wie aus einem Kooperationsprojekt ein abgesichertes Verfahren wird. 5 Transfer-Wege jetzt nachlesen
Aus der Kooperation gingen schlussendlich fünf eigenständige Kosmetikprodukte hervor, die den Weg auf den Markt fanden. Die Verbindung aus agrarbiotechnologischer Forschung, gezielter Nutzung pflanzenassoziierter Hefestämme und industrieller Verwertung verdeutlicht das funktionale Potenzial, das in der systematischen Veredelung pflanzlicher Nebenprodukte für den Gesundheits- und Pflegesektor liegt.
