Ohrakupunktur: Wie Veränderungen am Ohr Hinweise auf Beschwerden geben
Veröffentlicht am: 18.10.2026 um 00:39 Uhr | Redaktion boerse-global.deIn der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) nimmt das Ohr eine zentrale Rolle ein, da es den gesamten menschlichen Organismus im Kleinformat abbilden soll.
Wie Prof. Guo Wei, Direktor des TCM Auricular Point Diagnosis and Treatment Research Center an der Shandong University of Traditional Chinese Medicine, darlegt, dient die Ohrakupunktur nicht nur der Therapie, sondern auch als diagnostisches Verfahren. Veränderungen an bestimmten Ohrbereichen, etwa in der Färbung oder der Form, können Hinweise auf gesundheitliche Probleme im Körper liefern.
Diagnostische Grundlagen und geschichtlicher Hintergrund
Das Konzept basiert auf der Vorstellung, dass das Ohr als Miniaturkarte des gesamten Körpers fungiert. Historisch formalisierte der französische Arzt Paul Nogier die Ohrkartographie in den 1950er Jahren. Anatomisch betrachtet erhält die Concha sensible Fasern eines Astes des Vagusnervs. Insgesamt sind am Ohr etwa 200 Akupunkturpunkte verortet.
Prof. Guo Wei ordnet die Ohrakupunktur als eine TCM-Technik ein, die ohne Instrumente und ohne Hautdurchtrennung auskommen kann. Dadurch gelte sie als einfach, sicher und wirksam. Anhand eines Fallbeispiels verweist er auf einen Patienten mit Ischiasschmerzen, der die Einrichtung an Krücken betreten hatte.
Nach gezieltem Druck auf einen nierenförmigen Ohrpunkt habe der Patient eine deutliche Schmerzlinderung verspürt und die Klinik anschließend mit den eigenen Krücken verlassen können. Zur Behandlung von Müdigkeit und Schlaflosigkeit verweist Guo Wei auf die Stimulation der Punkte Shenmen (TF 4) und Chuiqian (LO4).
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Vielfältige Stimulationsmethoden von Druck bis Juwelen
In der praktischen Aurikulotherapie kommen unterschiedliche Methoden zum Einsatz, darunter klassische Nadeln, Akupressur, das Aufbringen von Pflanzensamen sowie Laserstimulation. Bei der Behandlung von Angstzuständen ist der Punkt Shenmen in der Fossa triangularis die am häufigsten genannte Stelle. Weitere relevante Punkte sind der Sympathikus, der Herzpunkt sowie verschiedene Ohrläppchenzonen.
Studien belegen teils eine Reduktion von Stress, wenngleich die Ergebnisse variieren. Bei einer Selbstanwendung via Akupressur wird empfohlen, den Shenmen-Punkt 30 bis 60 Sekunden lang sanft zu drücken. Der Einsatz von Nadeln sollte hingegen ausschließlich durch qualifizierte Fachkräfte erfolgen, da die Methode keinen vollwertigen Ersatz für eine konventionelle medizinische Behandlung darstellt.
Ein weiteres Anwendungsfeld bilden sogenannte Ohr-Akupunktur-Juwelen. Dabei handelt es sich um kleine Metallkügelchen aus Titan oder Gold, die auf Klebepflastern befestigt werden und die Punkte kontinuierlich stimulieren.
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Die Tragedauer liegt typischerweise bei etwa 1 Woche. Wissenschaftlich bewiesen ist die Wirkung dieser Juwelen nicht, zudem fällt sie individuell unterschiedlich aus. Genutzt werden sie beispielsweise an Shenmen und Sympathikus gegen Stress sowie an Nackenpunkten wie Schulterbrunnen und Himmelsäule.
Zur Unterstützung von Diäten werden der Hungerpunkt, endokrine Punkte sowie Areale für Magen, Lunge und Dickdarm adressiert, während die Ohrspitze für Lifting-Effekte gewählt wird. Die Anwendung erfolgt teils eigenständig oder durch Kosmetiker und Akupunkteure. Dabei können Hautreizungen und Allergien auftreten; ein Ersatz für gesunde Ernährung und Bewegung besteht nicht.
Spezielle Verfahren und strenge Kontraindikationen
Zu den invasiveren Verfahren der TCM gehört der sogenannte Ohrenspitzen-Aderlass. Dieser wird bei Beschwerden wie Kopfschmerzen, Bluthochdruck, Bindehautentzündung, Mumps, Gerstenkorn, Schlaflosigkeit sowie Lungenherzkrankheit mit Leber-Yang-Überfluss und Hitze-Symptomen angewendet.
Für diesen Eingriff gelten jedoch strenge Kontraindikationen. Bei schweren Leber-, Nieren- oder Bluterkrankungen, Psychosen, extremer körperlicher Schwäche, Blutungsneigung sowie während der Schwangerschaft und Stillzeit darf er nicht durchgeführt werden.
Beim Ablauf an der Spitze eines Ohrs wird zunächst das Ohrläppchen massiert und desinfiziert. Anschließend erfolgt ein Einstich mit einer Einmal-Lanzette in einer Tiefe von 1 bis 2 mm, woraufhin 5 bis 10 Tropfen Blut mit einem Durchmesser von jeweils etwa 5 mm ausgedrückt werden.
